Sieben Verdächtige festgenommen

FIFA-Skandal: Die Vorwürfe der Ermittler

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Die Staatsanwaltschaft ermittelt bei der FIFA in Zürich wegen der Vergaben der Fußball-WM an Russland und Katar.

Zürich - Skandal bei der FIFA: In Zürich sind mehrere Funktionäre festgenommen worden. Der Vorwurf: Korruption und Geldwäsche. Es geht um die WM-Vergaben an Russland und Katar.

Zwei Tage vor den FIFA-Präsidentschaftswahlen droht der FIFA der nächste riesige Skandal. Die Schweizer Staatsanwaltschaft eröffnete am Mittwoch ein Strafverfahren rund um die Vergaben der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 an Katar. Dabei wurden im Hauptquartier des Weltverbandes in Zürich elektronische Daten und Dokumente sichergestellt. Wenige Stunden zuvor wurden sieben FIFA-Mitglieder, darunter in Jeffrey Webb auch einer der Stellvertreter von FIFA-Präsident Joseph Blatter, festgenommen. Die Verfahren und polizeilichen Maßnahmen stehen allerdings in keinem Zusammenhang.

Beim Verfahren wegen der WM-Vergaben geht es nach Behördenangaben um den Verdacht „der ungetreuen Geschäftsbesorgung sowie des Verdachts der Geldwäscherei  gegen unbekannt“. Vorher sei bereits bei verschiedenen Finanzinstituten in der Schweiz „die Erhebung der betreffenden Bankunterlagen angeordnet“ worden, hieß es von der Bundesstaatsanwaltschaft. Verbandsjuristisch waren die umstrittene WM-Vergaben an Russland und Katar eigentlich abgeschlossen, geraten jetzt aber erneut in den Fokus. Erst kürzlich waren neue Korruptionsvorwürfe gegen FIFA-Bosse erhoben worden.

Inzwischen haben sich einige Funktionäre und Politiker zu den Vorfällen geäußert.

Verdächtigen könnten in die USA ausgeliefert werden

Nach der Festnahme hat die Schweiz mehrere Konten gesperrt. Es handele sich um Bankverbindungen bei Schweizer Geldinstituten, über die mutmaßlich Bestechungsgelder geflossen sind, teilte das Bundesamt für Justiz in Bern mit. Zudem sei die Beschlagnahme der Kontounterlagen angeordnet worden. Die Festnahmen und Kontosperrungen erfolgten auf der Grundlage eines Rechtshilfeersuchens der amerikanischen Bundespolizei FBI, die gegen die Funktionäre ermittelt.

Im Falle der sieben Festgenommenen bestätigte das Schweizer Bundesamt für Justiz, dass die Verdächtigen in Auslieferungshaft genommen wurden (das sind die Verhafteten). Ihnen droht die Abschiebung in die USA - die Ermittlungen gehen von Amerika aus. Den Personen wird von amerikanischen Ermittlern Betrug, Erpressung und Geldwäsche vorgeworfen.

Das US-Justizministerium hat die Anklage gegen neun FIFA-Offizielle wegen des Verdachts der Verschwörung und Korruption  bestätigt und auch die Namen der am Mittwochmorgen in Zürich verhafteten Personen genannt. Nach Angaben der Behörde verhaftete die Schweizer Polizei Jeffrey Webb, Eduardo Li, Julio Rocha, Costas Takkas, Eugenio Figueredo, Rafael Esquivel and Jose Maria Marin. Darunter sind in Webb und Figueredo auch zwei FIFA-Vizepräsidenten. Den Vergenommenen drohen bis zu 20 Jahre Haft. Darüber hinaus wurde auch das Hauptquartier des Kontinentalverbands Nord- und Zentralamerika sowie der Karibik (CONCACAF) in Miami durchsucht.

In den USA laufen seit längeren Untersuchungen des FBI gegen frühere FIFA-Funktionäre. Der ehemalige US-Verbandschef Chuck Blazer und der frühere Blatter-Stellvertreter Jack Warner aus Trinidad und Tobago gehören zu Beschuldigten in diversen Korruptionsverdachtsfällen. Blazer soll zuletzt mit den US-Behörden kooperiert haben und unter anderem bei den Olympischen Spielen 2012 in London per verstecktem Mikrofon Aufzeichnungen von Funktionärsgesprächen gemacht haben.

Über 100 Millionen Dollar Bestechungsgeld

Laut Schweizer Behörden geht es um Bestechungszahlungen von über 100 Millionen Dollar seit den 90er Jahren. Ein Sprecher des Schweizer Bundesamts für Justiz sagte, das Geld sei von Sportmedien- und Sportvermarktungsunternehmen gekommen. Als Gegenleistung hätten sie Medien-, Sponsoring- und Vermarktungsrechte an Fußball-Turnieren in den USA und Lateinamerika erhalten.

Die Polizeiaktion fand am frühen Mittwochmorgen im Zürcher Nobelhotel Bar au Lac statt. Der Kongress mit der Wahl des FIFA-Präsidenten am Freitag soll allerdings „definitiv“ stattfinden, sagte FIFA-Sprecher Walter De Gregorio. „Wir machen weiter mit unserer Agenda.“ Hier finden Sie die wichtigsten Fragen und Antworten zum FIFA-Skandal.

Zumindest Webb ist ein ganz enger Vertrauter des Schweizers Blatter. Der Präsident der Nord- und Mittelamerika-Konföderation, vergleichbar mit der Position von Michel Platini in Europa, ist auch Chef der von Blatter hochgelobte Anti-Diskriminierungs-Task-Force und Mitglied des inneren Machtzirkels der FIFA.

FIFA-Chef Sepp Blatter stellt sich zur Wiederwahl

FIFA-Chef Sepp Blatter will sich am Freitag zur Wiederwahl stellen.

Der 79-jährigeBlatter geht als großer Favorit in die Wahl für eine fünfte Amtszeit beim FIFA-Kongress. Einziger Gegenkandidat ist Prinz Ali bin al-Hussein aus Jordanien, dem praktisch keine Siegchancen eingeräumt werden. Der FIFA-Kongress soll am Donnerstagnachmittag mit einer Feier in einem Zürcher Theater beginnen. Al-Hussein drückte in einer ersten Reaktion seine Sorge aus. „Heute ist ein trauriger Tag für den Fußball.“ Für eine detaillierte Bewertung der Vorfälle sei es aber noch zu früh. Im vergangenen Jahr hatte FIFA-Chef Blatter eingeräumt, dass die Vergabe nach Katar ein Fehler war.

Auch die WM-Vergabe 2022 an Katar, bei der der US-Fußballverband im Dezember 2010 überraschend dem Emirat unterlag, wird in den USA weiterhin untersucht. Die internen FIFA-Untersuchungen zu den Korruptionsvorwürfen waren im vergangenen Dezember ergebnislos eingestellt worden. Ermittler Michael Garcia aus den USA trat deswegen wenig später von seinem Posten als Chef der investigativen Einheit der FIFA-Ethikkommission zurück. Um die Veröffentlichung seines Reports wird im Weltverband weiterhin gestritten.

Zuletzt hatte Blatter Vermutungen zurückgewiesen, dass er eine Reise in die USA wegen der dort laufenden Ermittlungen seit längerem bewusst vermeide. Die Anschuldigungen richteten sich nicht gegen ihn, hatte der Schweizer Anfang des Monats betont.

Nun wird spekuliert, ob der FIFA-Skandal auch Sepp Blatter schadenkönnte.

Video: FIFA-Verhaftungen erschüttern die Fußball-Welt

 

von Sebastian Dorn, mit Material von dpa

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