Trotz Sieg gegen Atlético

FC Bayern im Champions-League-Halbfinale ausgeschieden

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Hängende Köpfe bei den Bayern-Stars.

München - Es hat nicht sollen sein: Trotz einer starken Leistung und einem Sieg gegen Atlético Madrid im Rückspiel hat der FC Bayern das Finale der Champions League verpasst.

Kein San Siro, kein Triple, dafür jede Menge Frust und Tränen! Für Trainer Pep Guardiola und den FC Bayern hat der Traum von einer perfekten Saison nach einer fantastischen Partie erneut ein jähes Ende gefunden. Die drückend überlegenen Münchner scheiterten nach einem 2:1 (1:0) gegen Atlético Madrid und einem verschossen Elfmeter von Thomas Müller zum dritten Mal in Serie bereits im Halbfinale der Champions League, nachdem der Rekordmeister das Hinspiel 0:1 verloren hatte.

Den Tiefschlag versetzte den Münchnern der Franzose Antoine Griezmann mit seinem entscheidenden (Auswärts-)Treffer in der 54. Minute. Robert Lewandowksi brachte die leidenschaftlich kämpfenden Münchner in der 74. Minute dem Traum vom Triple noch einmal nahe, der dritte Treffer aber wollte trotz Powerplay und dicker Chancen nicht fallen. Auch nicht, nachdem Manuel Neuer in der dramatischen Schlussphase einen unberechtigten Foulelfmeter des zuvor außerhalb des Strafraums gefoulten Fernando Torres abgewehrt hatte (84.).

"Die Mannschaft hat fantastisch gespielt, speziell in der ersten Halbzeit", sagte Klubchef Karl-Heinz Rummenigge, der dem verpassten Finale hinterhertrauerte: "Wir hätten es verdient gehabt, nach Mailand zu fahren. Aber die Mannschaft muss sich nicht schämen, sie hat alles gegeben." Kapitän Philipp Lahm resümierte: "Es ist bitter, dass man mit so einem Spiel ausscheidet."

Ein Knackpunkt war womöglich die 34. Minute, als Müller, der im Gegensatz zum Hinspiel von Beginn an dabei war, mit einem an Javi Martínez verursachten Foulelfmeter an Atléticos starkem Torhüter Jan Oblak scheiterte. Drei Minuten zuvor waren die Münchner durch einen raffinierten Freistoß des starken Xabi Alonso, den Elfmeter-Verursacher José Maria Giménez leicht abgefälscht hatte, in Führung gegangen (31.).

Der bis dahin gute Jerome Boateng leitete dann das erneute vorzeitige Ausscheiden der Münchner ein. Dessen Fehlpass landete bei Torres, der Griezmann auf die Reise schickte - und der Franzose ließ alleine vor Neuer dem deutschen Nationaltorhüter keine Chance. Es war der erste grobe Fehler der Bayern in diesem Spiel, zugleich aber der entscheidende.

Guardiola hat es damit auch in seinem letzten Versuch nicht geschafft, den FC Bayern auf Europas Thron zu hieven. Der 45 Jahre alte Spanier, mit großen Ambitionen angetreten, muss München trotz aller nationaler Titel nun als Unvollendeter zu Manchester City verlassen - auch wenn es an seinen taktischen Entscheidungen diesmal nichts auszusetzen gab. Einen Ehrenplatz wie Ottmar Hitzfeld, Udo Lattek oder Jupp Heynckes wird er in der Ahnengalerie der Bayern aber wohl nicht bekommen.

Wie zuletzt gegen den Barcelona 2014 (0:3/3:2) und Real Madrid 2015 (0:1/0:4) war für die Bayern erneut gegen ein spanisches Team im Halbfinale Endstation. Atlético sorgte dafür, dass die klar überlegenen und verbissen kämpfenden Münchner ihr zehntes Endspiel im wichtigsten europäischen Klubwettbewerb verpassten. Dass das Ausscheiden eher unglücklich und keineswegs kläglich war wie in den beiden Jahren zuvor, dürfte dabei ein schwacher Trost sein.

Atlético steht zum dritten Mal im Finale der Königsklasse - und schon zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren. Mit dem Erfolg hat "Atléti" auch das Bayern-Trauma von 1974 überwunden, als die Spanier in zwei Endspielen gegen die Münchner (1:1 n.V. und 4:0 im Wiederholungsspiel) den Europapokal der Landesmeister verloren. Gegner am 28. Mai im Mailänder San Siro wird Manchester City oder Erzrivale Real Madrid sein.

Im Gegensatz zum Hinspiel hatte Guardiola diesmal wie erwartet von Beginn an auf Weltmeister Müller und auf Franck Ribéry gesetzt, ebenso wie auf Boateng. Der Innenverteidiger hatte erst am Samstag gegen Borussia Mönchengladbach nach dreimonatiger Verletzungspause sein Comeback gefeiert. Er machte ein gutes Spiel - bis zu seinem folgenschweren Patzer. Müller arbeitete sich auf, verschoss aber den Elfmeter. Ribéry versuchte alles, blieb aber ohne Durchschlagskraft.

Vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw agierte der FC Bayern wesentlich engagierter und wacher als noch vor einer Woche. Nach etwa 20 Minuten nahm der Druck der Münchner von Minute zu Minute zu. Nach dem Führungstreffer durch Alonso vergab dann aber Müller die große Chance, noch vor der Pause zu erhöhen: Oblak konnte den halbhoch geschossen Ball scheinbar mühelos parieren.

Die Münchner ließen derweil wenig zu. Im Gegensatz etwa zum Halbfinale vor zwei Jahren gegen Madrid (0:4), als sie gnadenlos ausgekontert wurden, gingen sie nicht von Beginn an volles Risiko, sondern versuchten, das Spiel zu kontrollieren. Das gelang prima - bis Boateng in der 54. Minute kurz die Kontrolle verlor.

sid

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