Liverpooler startet bei U21-EM

Can: Vom ehemaligen Bayern-Profi zum neuen Gerrard

Prag - Bei der U21-EM in Tschechien will Emre Can den Titel nach Deutschland holen. Der Ex-Bayer hat sich in Liverpool einen Namen gemacht und wird mit Steven Gerrard verglichen.

Der Vergleich mit Steven Gerrard macht Emre Can immer ein wenig verlegen. „Steven ist eine Legende, von ihm kann man so viel lernen. Er ist ein toller Mensch“, sagt Can, wenn die Sprache auf die Klublegende des FC Liverpool kommt. Aber dann folgt neuerdings ein Satz, der viel aussagt über den deutschen U21-Nationalspieler: „Ich traue mir durchaus zu, in der kommenden Saison Stevens Position zu übernehmen.“

Der „Frankfurter Bub“ Emre Can als Nachfolger des legendären Gerrard, an der Anfield Road ist dieses kleine Fußball-Märchen längst beschlossene Sache. „Ich war gerade erst in Liverpool. Dort wurde uns bestätigt, dass Emre demnächst die Rolle von Gerrard im Mittelfeld übernehmen soll“, sagte DFB-Trainer Horst Hrubesch vor dem EM-Auftakt. Sein Fazit: „Emre hat auf jeden Fall Führungsqualitäten.“

Genau diese Qualitäten soll der 21-Jährige nun auch in Tschechien unter Beweis stellen. Denn den einen unangefochtenen Anführer gibt es nicht im deutschen Team, die Verantwortung ist auf mehrere Schultern verteilt. Wer Can im Training sieht, merkt schnell: Der 1,84-Meter-Mann ist einer derjenigen, die schon durch ihre körperliche Präsenz beim Gegner Eindruck schinden.

Can: "Mit 21 schon viel erlebt"

Seine Premier-League-Erfahrung aus Liverpool hilft dabei, seit Monaten gehört er bei den Reds zur Stammelf. Keine schlechte Bilanz für einen, der einst bei Blau-Gelb Frankfurt auf Asche begann, 2013 für Bayern München in der Bundesliga debütierte und dann wegen schlechter Perspektiven nach Leverkusen zog. Von da holte ihn vor einem Jahr der FC Liverpool für satte zwölf Millionen Euro. „Ich bin erst 21 und habe schon viel erlebt“, sagt Can.

Lob ist ihm sicher. „Emre ist sich für die Drecksarbeit nicht zu schade. Er ist aggressiv, und ich denke, er wird sich zu einem Weltklassespieler entwickeln“, sagt Liverpools Teammanager Brendan Rodgers über seinen Shootingstar. Kein Wunder, dass Can keinen Hehl daraus macht, 2016 für Deutschland bei der „großen“ EM in Frankreich spielen zu wollen.

Überzeugend in Abwehr und Mittelfeld

Es wäre die logische Fortsetzung einer steilen Karriere auch im DFB-Trikot. Im Juni 2009 gab Can in der U15 sein Debüt, vier Tage zuvor hatte der Sohn türkischer Einwanderer seinen deutschen Pass bekommen. 2011 führte er die U17 als Kapitän zur WM nach Mexiko, wurde dort Dritter. „Emre ist der kompletteste Spieler, den ich in meiner Karriere je gesehen habe. Und ich habe einige gesehen“, lobte DFB-Trainer Steffen Freund damals.

In der U21 genießt Can nun ein ähnlich hohes Ansehen, egal ob in der Abwehrkette oder im Mittelfeld. Kein Wunder, dass er auch bei der Zielsetzung vorweg geht. „Wir sind Deutschland. Also muss es unser Anspruch sein, dass wir vorne dabei sind. Nur am Turnier teilzunehmen - dafür fahren wir nicht hin“, sagt Can. Eine echter Anführer eben.

sid

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