Neuer darf in den Urlaub

EM-Quali: Löw verzichtet auf vier Weltmeister

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Joachim Löw hat seinen Kader für das EM-Qualifikationsspiel berufen.

Frankfurt/Main - Ehe die Bundesliga-Profis in den Urlaub dürfen, müssen die Nationalspieler noch eine Partie in der EM-Qualifikation spielen. Bundestrainer Joachim Löw verzichtet dabei auf vier Weltmeister.

Mit einer Nationalmannschaft light geht Joachim Löw in die letzten zwei Länderspiele der Saison. Der Bundestrainer verzichtet für die vor allem terminlich ungünstigen Auftritte gegen die USA und Gibraltar in seinem nur 20-köpfigen Aufgebot auf die Weltmeister Manuel Neuer, Thomas Müller und Toni Kroos. „Diese Entscheidung habe ich auch mit Blick auf die vor uns liegende Saison getroffen, an deren Ende im Sommer 2016 die Europameisterschaft in Frankreich stehen soll“, unterstrich Löw.

Dafür plant der Bundestrainer für die Testpartie gegen die von Jürgen Klinsmann trainierten Amerikaner am 10. Juni in Köln und für das EM-Qualifikationsspiel drei Tage später in Faro gegen das Fußball-Entwicklungsland Gibraltar mit Länderspiel-Neuling Patrick Herrmann von Borussia Mönchengladbach. Weltmeister Erik Durm (Borussia Dortmund), Antonio Rüdiger (VfB Stuttgart) und Karim Bellarabi (Bayer Leverkusen) kehren ins Aufgebot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zurück.

Neben dem Münchner Neuer bekommen auch dessen stark belasteter Vereinskollege Müller und Real-Star Kroos, der seit dem WM-Sommer 2014 sagenhafte 69 Pflichtspiele bestritten hat, von Löw eine Pause. Der Schalker Weltmeister Benedikt Höwedes kann wegen einer Sprunggelenksverletzung nicht mitwirken. „Ich bin sicher, dass wir auch ohne diese Spieler genug Qualität in der Mannschaft haben, um die Spiele gegen die USA und Gibraltar erfolgreich zu gestalten“, sagte der DFB-Chefcoach, der mit seinem Stab am Rande des DFB-Pokalfinals in Berlin die Feinplanung vorantreiben will.

Zu den 20 fest nominierten Spielern, darunter 13 Weltmeister, berief der Bundestrainer den Dortmunder Marco Reus und den Schalker Julian Draxler zunächst auf Abruf. „Marco und Julian haben keine einfache Saison hinter sich, wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und haben ihre Situation im Blick. Beide sind top professionell - mit ihnen ist besprochen, dass sie sich bereithalten, falls wir sie brauchen“, sagte Löw. Der 55-Jährige wird am 7. Juni sein Light-Team in Köln versammeln.

Viele der Eingeladenen haben dann schon zwei Wochen ohne Wettkampf hinter sich. „Ideal ist dieser Termin nicht“, räumte Löw ein: „Das wussten wir vorher schon. Aber wir sind immer gut damit gefahren, nicht zu lamentieren, sondern die Dinge so anzunehmen, wie sie sind.“ Der Doppelspieltag steht als offizieller Termin im Jahresplan des Weltverbandes FIFA. „Diese Spieler sind Vorbilder in Sachen Professionalität und Einstellung, sie sind erfahren genug, um zu wissen, wie sich in den 14 Tagen zu verhalten haben“, sagte Löw: „Deswegen mache ich mir keine Sorgen.“

Der Verzicht auf Welttorhüter Neuer hat vor allem medizinische Gründe. „Unser Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt hat mich darüber informiert, dass Manu derzeit nicht schmerzfrei trainieren und spielen kann. Er hat mehrere Blessuren, die in den nächsten Wochen behandelt werden müssen“, sagte der Bundestrainer.

Im heißen Herbst zum Abschluss der EM-Qualifikation soll Neuer „wieder topfit zur Verfügung stehen“. Mit zehn Punkten liegt der Weltmeister in der Ausscheidungs-Gruppe D für die EM 2016 in Frankreich derzeit hinter Polen und Schottland mit zehn Punkten nur auf Rang drei, der am Ende die Relegation bedeuten könnte.

Der 24 Jahre alte Gladbacher Herrmann hatte schon im März 2013 einmal zum Kader des Nationalteams gehört, war aber im WM-Qualifikationsspiel gegen Kasachstan nicht zum Einsatz gekommen. Mit seinen Leistungen in der Liga hatte der Mittelfeldspieler in der aktuellen Spielzeit wesentlichen Anteil am direkten Einzug der Borussia in die Champions League. „Ein Traum geht in Erfüllung“, hatte Herrmann dazu bemerkt. Jetzt kann sich der nächste wahr werden.

Das Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft

Tor: Roman Weidenfeller (Borussia Dortmund), Ron-Robert Zieler (Hannover 96)

Abwehr: Jerome Boateng (Bayern München), Erik Durm (Borussia Dortmund), Jonas Hector (1. FC Köln), Mats Hummels (Borussia Dortmund), Shkodran Mustafi (FC Valencia), Sebastian Rudy (1899 Hoffenheim), Antonio Rüdiger (VfB Stuttgart)

Mittelfeld und Angriff: Karim Bellarabi (Bayer Leverkusen), Mario Götze (Bayern München), Ilkay Gündogan (Borussia Dortmund), Patrick Herrmann (Borussia Mönchengladbach), Sami Khedira (Real Madrid), Christoph Kramer (Borussia Mönchengladbach), Max Kruse (Borussia Mönchengladbach), Mesut Özil (FC Arsenal), Lukas Podolski (Inter Mailand), Andre Schürrle (VfL Wolfsburg), Bastian Schweinsteiger (Bayern München)

sid/dpa

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