Bengalos sorgen für Spielunterbrechung

Skandalspiel: Tschechen schocken Kroatien mit spätem Ausgleich

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Die Partie zwischen Tschechien und Kroatien musste kurzzeitig unterbrochen werden, da Fans Bengalos auf das Spielfeld warfen.

Saint-Etienne - Nach einer komfortablen Führung gibt Kroatien das Spiel aus der Hand. Die kroatische Fußball-Nationalmannschaft hat sich dabei vom skandalösen Verhalten ihrer Fans aus dem Tritt bringen lassen.

Update vom 20. Juni 2016: In der Gruppe D bei der EM 2016 will Spanien die Tabellenführung im Duell gegen Kroatien über die Ziellinie bringen. Hier erfahren Sie, wo Sie die Partie Spanien gegen Kroatien live im Free-TV und im Live-Stream sehen können.

Nachdem ihre Anhänger Feuerwerkskörper auf das Sopielfeld geworfen und eine Unterbrechung provoziert hatte, vergab der WM-Dritte von 1998 einen Matchball und damit den vorzeitigen Einzug in die K.o.-Runde. 2:0 führte Kroatien bereits durch Treffer der ehemaligen Bundesliga-Profis Ivan Perisic (37.) und Ivan Rakitic (59.), ehe das Spiel plötzlich noch kippte.

Nach dem Anschlusstreffer von Milan Skoda (76.) wurde es im Block der kroatischen Anhänger unruhig, beinahe ein Dutzend brennender Bengalos flog fünf Minuten vor dem Spielende auf den Rasen. Schiedsrichter Mark Clattenburg (England) blieb besonnen und unterbrach für vier Minuten. Die kroatischen Spieler versuchten ihren Anhang zu beschwichtigen - doch die Vorfälle brachten sie offensichtlich aus dem Konzept.

Von sexy bis skurril: Fan-Fotos von der EM 2016

"Es ist schade", sagte Torschütze Rakitic im ZDF über die Vorfälle, unterstellte dem Schiedsrichter aber, dass er sich davon habe beeinflussen lassen: "Es ist kein Zufall, dass da noch ein Elfmeter kommt, um uns auf dem Feld einen mitzugeben." Der eingewechselte Tomas Necid glich per Handelfmeter (90.+3) noch zum 2:2 (0:1) aus - es war sein erster Ballkontakt. Der Kroate Domagoj Vida hatte den Strafstoß in einem Luftduell verursacht.

"Ich wusste, dass ich ihn reinmachen würde"

"Ich bin Angreifer, und das ist meine Verantwortung. Es war mein erster Ballkontakt, und ich wusste, dass ich ihn reinmachen würde", sagte Necid und ergänzte: "Das mit den Fans sollte nicht passieren, aber so etwas kommt vor, das ist Fußball."

Nach dem Sieg gegen die Türkei zum Auftakt (1:0) haben die Kroaten dennoch beste Chancen, das Achtelfinale zu erreichen. Die Tschechen, die ihr erstes Spiel 0:1 gegen Spanien verloren hatten, verbesserten ihre Ausgangsposition in der Gruppe C ein klein wenig: Mit einem Sieg gegen die Türkei könnten auch sie noch weiterkommen. "Dass wir den Ausgleich noch geschafft haben, war sehr wichtig", sagte Skoda, der bedauerte, dass sich der schwache Tomas Rosicky kurz vor Schluss verletzte.

Als die Nationalhymnen gespielt wurden, hatten die Zuschauer in St. Etienne noch Mitgefühl für die Kroaten gezeigt. Darijo Srna, Kapitän der Kroaten, weinte hemmungslos, die Mitspieler nahmen ihn danach in den Arm. Am vergangenen Sonntag war Srnas Vater Uzeir verstorben, der Sohn war daher nach dem Sieg gegen die Türken nach Hause geflogen, auch Nationaltrainer Ante Cacic wohnte dem Begräbnis am Mittwoch bei.

Srna spielte gewohnt solide als rechter Außenverteidiger, er trieb an, munterte auf. Im Mittelpunkt stand auf dem Feld aber eher Luka Modric, der Schütze des Treffers beim 1:0 gegen die Türkei. Während Rakitic eine Art hängende Spitze spielte, ließ sich Modric immer wieder zwischen die beiden Innenverteidiger zurückfallen, um das Spiel seiner Mannschaft von hinten anzukurbeln.

Tschechien musste sich auf Petr Cech verlassen, der beim 0:1 gegen Spanien im ersten Gruppenspiel so prima gehalten hatte - und der Routinier machte seine Sache zu Beginn sehr gut. Nach 75 Sekunden schon wehrte er einen wehrte er einem Kopfball von Mario Mandzukic ab. Dann verpasste Perisic knapp bei einer Hereingabe von Mandzukic (21.), Cech rettete mit dem Fuß bei einem Solo von Rakitic (36.).

Beim Schuss von Perisic war Cech machtlos, er musste vor allem verärgert sein über seine Vorderleute, die den Torschützen nur mit deutlichem Sicherheitsabstand verfolgten. Auch beim Treffer von Rakitic kamen sie nicht in die Zweikämpfe, die sie hätten gewinnen müssen. Vor allem, weil die Kroaten gut kombinierten. Dann fühlten sie sich offensichtlich zu sicher.

SID

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