Debakel für Schlusslicht Stuttgart - 0:4 in Leverkusen

Stuttgarts Trainer Huub Stevens hat Mühe die Fassung zu bewahren. Foto: Marius Becker
1 von 6
Stuttgarts Trainer Huub Stevens hat Mühe die Fassung zu bewahren. Foto: Marius Becker
Torschütze Wendell fällt nach seinem Treffer zum 1:0 auf die Knie. Foto: Marius Becker
2 von 6
Torschütze Wendell fällt nach seinem Treffer zum 1:0 auf die Knie. Foto: Marius Becker
Leverkusens Torschütze Wendell (l) springt nach seinem Treffer Trainer Roger Schmidt in die Arme. Foto: Marius Becker
3 von 6
Leverkusens Torschütze Wendell (l) springt nach seinem Treffer Trainer Roger Schmidt in die Arme. Foto: Marius Becker
Leverkusens Roberto Hilbert (l) und Stuttgarts Timo Werner kämpfen um den Ball. Foto: Marius Becker
4 von 6
Leverkusens Roberto Hilbert (l) und Stuttgarts Timo Werner kämpfen um den Ball. Foto: Marius Becker
Leverkusens Karim Bellarabi kommt gegen den Stuttgarter Gotoku Sakai zum 3:0. Foto: Marius Becker
5 von 6
Leverkusens Karim Bellarabi kommt gegen den Stuttgarter Gotoku Sakai zum 3:0. Foto: Marius Becker
Daniel Ginczek vom VfB Stuttgart greift sich an den Kopf. Foto: Marius Becker
6 von 6
Daniel Ginczek vom VfB Stuttgart greift sich an den Kopf. Foto: Marius Becker

Leverkusen (dpa) - Bayer Leverkusen hat die Abstiegsnöte von Bundesliga-Schlusslicht VfB Stuttgart drastisch verschärft. Die Mannschaft von Trainer Huub Stevens ging am Freitagabend im Auswärtsspiel gegen die Werkself mit 0:4 (0:2) unter.

Vor 29 384 Zuschauern in der BayArena besiegelten der Brasilianer Wendell (32. Minute), Josip Drmic (36./59.) und Karim Bellarabi (50.) die 13. Saisonniederlage der Schwaben. Der VfB wartet jetzt schon seit neun Spielen auf einen Sieg. Leverkusen rückte mit nunmehr 42 Punkten zumindest bis Sonntag auf den dritten Tabellenplatz der Fußball-Bundesliga vor.

Bei nur 20 Punkten schwindet beim VfB immer mehr die Hoffnung auf den Klassenverbleib, womit auch die Diskussionen um eine mögliche Trennung von Stevens weitergehen dürften.

Noch hält Sportvorstand Robin Dutt zum Coach. "Wir haben uns in den letzten Wochen nicht an der Trainerfrage beteiligt. Wir haben dem Trainer den Rücken gestärkt, das machen wir auch in dieser Situation", sagt Dutt dem TV-Sender Sky. An einen persönlichen Rückzug denkt der Niederländer nicht. "Wenn ich spüre, dass die Spieler nicht mehr an mich glauben, melde ich mich beim Verein. Ich glaube, dass ich die Spieler immer noch erreiche", sagte der Coach. In der ersten halben Stunde habe er das Beste vom VfB gesehen, daran müsse man festhalten. "Es gibt nur einen Weg. Es sind noch neun Spiele. Da musst du alles geben."

Viele Argumente sprechen nicht mehr für den Niederländer. Nach dem ersten Gegentreffer durch Wendell machten sich im Stuttgarter Spiel Auflösungserscheinungen breit. Zweimal Josip Drmic sowie Nationalspieler Karim Bellarabi verpassten dem VfB eine der höchsten Niederlagen in dieser Saison und bereiteten ihrem Trainer Roger Schmidt mit dem fünften Pflichtspielsieg in Serie das passende Geschenk zum 48. Geburtstag. Zugleich verdrängten die Leverkusener zumindest bis Sonntag den Westrivalen Borussia Mönchengladbach vom dritten Platz und legten eine gelungene Generalprobe für das Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League am Dienstag bei Atlético Madrid hin.

"Wir haben uns in der ersten halben Stunde das Leben schwer gemacht. Es war ein Stück Arbeit. Es tut gut, dass wir gewonnen haben", sagte Doppeltorschütze Drmic und Mittelfeldmotor Simon Rolfes ergänzte: "Wir wollen in der Tabelle ganz weit oben stehen. Da müssen wir auch Ergebnisse liefern und können nicht nur Spektakel zeigen."

Ein Spaziergang war der elfte Saisonsieg für die Schmidt-Elf vor 29 384 Zuschauern in der BayArena nur in der ersten halben Stunde nicht. Bis zum ersten Gegentor zeigte der VfB eine couragierte Leistung und erwies sich als unangenehmer Gegner. Die Schwaben störten früh, spielten schnell nach vorne und hatten durch Daniel Ginczek auch die große Chance zur Führung. Doch der Stürmer scheiterte nach Hereingabe von Timo Werner aus kurzer Entfernung an Bayer-Schlussmann Bernd Leno, der einst aus dem Stuttgarter Nachwuchs an den Rhein kam (17.).

Eine Slapstick-Aktion brachte die Schwaben dann aber auf die Verliererstraße. Nach einer Hereingabe von Roberto Hilbert schoss Florian Klein seinem Mitspieler Daniel Schwaab ins Gesicht. Wendell nutzte die Konfusion im VfB-Strafraum und erzielte aus 14 Metern sein erstes Bundesliga-Tor. "Wir haben in den ersten 30 Minuten nicht wie eine Mannschaft gespielt, die auf einem Abstiegsplatz steht. Beim ersten Gegentor kommt dann alles zusammen", sagte Ginczek.

Und es kam noch schlimmer: Keine vier Minuten später nutzte Drmic die aufkommende Verunsicherung eiskalt aus, als der Stürmer nach einer feinen Flanke von Bellarabi per Kopf traf.

Danach war es vorbei mit der Ordnung im Stuttgarter Spiel. Kyriakos Papadopoulos hätte mit zwei gefährlichen Kopfbällen vor und nach der Pause bereits für eine Vorentscheidung sorgen können (40. und 46.). Diesen Part übernahm schließlich Bellarabi, der Gotuku Sakai mit zwei Haken ausspielte und aus halbrechter Position auch VfB-Keeper Sven Ulreich überwand.

In der Hinrunde hatte der VfB noch einen 0:3-Rückstand in ein 3:3 umgewandelt. An ein ähnliches Szenario war an diesem Abend nicht zu denken. Von den Stuttgartern war nicht mehr viel zu sehen, Bayer hatte durch Bellarabi (53.) eine weitere Großchance. Das vierte Tor durch Drmic war die logische Folge.

Stevens, der erst am 25. November 2014 Armin Veh beerbt hatte, verfolgte das Geschehen sichtlich verärgert von der Bank aus. Hatte Sportvorstand Robin Dutt dem Trainer vor dem Spiel noch das Vertrauen ausgesprochen, könnte dies nach dem bitteren Rückschlag Makulatur sein. Der vor wenigen Wochen bei RB Leipzig entlassene Trainer Alexander Zorniger wird seit Wochen in Stuttgart als möglicher Stevens-Nachfolger gehandelt.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Meistgelesen

Bayer-Sportchef Völler: "Keine Verstärkung im Winter"
Bayer-Sportchef Völler: "Keine Verstärkung im Winter"
Löw diplomatisch: "Russen müssen sich keine Sorgen machen"
Löw diplomatisch: "Russen müssen sich keine Sorgen machen"
FCB-Boss: „Hoeneß hat höchstens Interesse an Sticheleien“
FCB-Boss: „Hoeneß hat höchstens Interesse an Sticheleien“
Heute Auslosung für Confed Cup: Das erwartet Jogi & Co.
Heute Auslosung für Confed Cup: Das erwartet Jogi & Co.
Tuchel stinksauer: "Das war ein einziges Defizit"
Tuchel stinksauer: "Das war ein einziges Defizit"