Krise erreicht neue Dimension

BVB: Hummels vs. Weidenfeller

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Der ersehnte Befreiungsschlag blieb aus, Borussia Dortmund rutschte nach der vierten Niederlage in Folge in der Bundesliga noch tiefer in die Krise.

Dortmund - Der ersehnte Befreiungsschlag blieb aus, Borussia Dortmund rutschte nach der vierten Niederlage in Folge in der Bundesliga noch tiefer in die Krise.

Als wäre der Bundesliga-Frust nicht groß genug, droht nun auch noch ein Weltmeister-Zoff. Nach der jüngsten Pleite von Borussia Dortmund attackierte Mats Hummels seinen Torhüter Roman Weidenfeller und machte ihn mitverantwortlich für den entscheidenden Freistoßtreffer zum 0:1 (0:0) gegen Hannover 96. „Der Ball ist sehr lange geflogen, ich war sehr überrascht, dass er ins Tor geflogen ist“, so der BVB-Kapitän.

Trainer Jürgen Klopp versuchte indes alle Spekulationen um nachhaltige interne Querelen und fehlende Harmonie im Keim zu ersticken. „Es liegt definitiv nicht daran, dass der eine mit dem anderen nicht kann. Die gängigen Erklärungen greifen nicht“, sagte der 47-Jährige, der sich wohlwissend um die neue Dimension der Krise am liebsten um jegliche Analyse gedrückt hätte. „Solche Spiele können dazu führen, dass man sagt, es hat alles keinen Sinn mehr. Aber wir werden weiterkämpfen!“

Der jüngste Tiefschlag gegen die Niedersachsen, das zuvor schlechteste Auswärtsteam der Liga, zeigte Wirkung. Der Blick auf die Tabelle nach der vierten Bundesliga-Niederlage in Serie - das gab es zuletzt vor 14 Jahren - bereitet im Umfeld des Traditionsklubs arge Kopfschmerzen. Denn die nächsten Gegner heißen ausgerechnet Bayern München und Borussia Mönchengladbach.

Von dem anvisierten Champions-League-Platz müssen sich die Westfalen nach dem drittschlechtesten Saisonstart der Klubhistorie langsam, aber sicher verabschieden. „Wir sind die Mannschaft, die am weitesten von ihren Zielen entfernt ist“, stellte Klopp mit finsterer Miene unter seiner schwarzen Baseballkappe fest.

Sechs Niederlagen stehen für den achtmaligen Meister nach neun Spielen zu Buche - so viele wie für keinen anderen Bundesliga-Klub, nicht einmal für Schlusslicht Werder Bremen. Nur noch ein Zähler trennt die Borussen von Relegationsrang 16. „Dabei waren wir davon überzeugt, dass wir heute den Dreh kriegen“, meinte Sportdirektor Michael Zorc. Der neuerliche Sieg in der Champions League bei Galatasaray Istanbul (4:0) unter der Woche bewirkte jedoch keinen Motivationsschub für die Liga.

17:7 Torschüsse, 14:1 Eckbälle, aber 0 Tore - so die ernüchternde Statistik nach dem Abpfiff gegen 96. „Der Gegner macht aus wenigen Chancen viel, wir aus vielen wenig“, meinte Klopp. Hummels stellte fest, es habe bisher keine Mannschaft gegeben, die stärker gewesen sei, und dennoch habe man in den vergangenen sechs Spielen nur einen Punkt mitgenommen. „Das ist der helle Wahnsinn.“

Wie recht er hatte. Wieder einmal erspielte sich der BVB „vier, fünf einhundertprozentige Chancen“, so Klopp, traf aber das Tor nicht. Dortmund hatte endlich seine Defensive stabilisiert, dafür haperte es umso mehr im Angriff. Dass das Gegentor - der erste Auswärtstreffer der Niedersachsen in der laufenden Spielzeit - durch einen Freistoß-Kunstschuss aus 19 Metern von Hiroshi Kiyotake (61.) fiel, spricht Bände.

Alles hatte der BVB versucht, selbst den Champions-League-Geist beschworen und die Trikots aus der Königsklasse übergestreift. Genützt hat es nichts. „Aber das sind ganz andere Spiele“, äußerte Klopp. In der Bundesliga habe sich der BVB selbst in eine Drucksituation manövriert.

Seine Truppe bewies einmal mehr Kampfgeist, auch spielerisch war ein Aufwärtstrend erkennbar. Von Verständnis für die Situation, Lob für die Einstellung oder vom Glück des Gegners wolle er aber nichts mehr hören, meinte Klopp: „Wir müssen dranbleiben, das ist alternativlos, und wir müssen punkten - egal wer der Gegner ist.“

Am Dienstag geht es im DFB-Pokal zum Zweitligisten FC St. Pauli, vier Tage später zum Prestigeduell mit dem Tabellenführer und Rekordmeister nach München. Im Restprogramm der Hinrunde muss der BVB noch gegen vier der derzeit besten sechs Bundesliga-Mannschaften antreten.

Das sei „kein Zuckerschlecken“ und nicht so, dass man nur noch die Punkte addieren müsse, meinte Klopp kleinlaut. „Helfen wird uns auch in den nächsten Wochen niemand, das müssen wir ganz allein regeln.“

SID

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