Klopp: "Pure Provokation"

Galatasaray droht UEFA-Strafe

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Galatasaray-Fans zündeten während er Partie bei Borussia Dortmund mehrmals Feuerwerkskörper.

Dortmund - Bei Borussia Dortmunds Champions-League-Sieg gegen Galatasaray Istanbul ist es zu Ausschreitungen im Block der Gäste gekommen. BVB-Trainer Klopp spricht von Provokation.

Für Klub-Boss Hans-Joachim Watzke war das alles „unfassbar“, für Borussen-Trainer Jürgen Klopp „pure Provokation“, und Sportdirektor Michael Zorc berichtete von einem Fast-Abbruch des Spiels. Die Anhänger von Galatasaray Istanbul sorgten mit schweren Ausschreitungen vor, während und auch nach dem Abpfiff der Champions-League-Begegnung bei Borussia Dortmund (1:4) am Dienstagabend für Chaos und Negativ-Schlagzeilen. „Das wirft einen Schatten auf unser fantastisches Spiel“, klagte Klopp.

Zwei verletzte Polizisten, 21 Festnahmen sowie 700 Ermittlungen gegen türkische Fans wegen versuchten Totschlags, Landfriedensbruchs sowie Verstößen gegen das Sprengstoff- und Versammlungsgesetz: So lautet die erschreckende Bilanz der Polizei, die rund 1000 türkische Fans aus der Stadtmitte in Richtung Stadion geleitet hatte.

„Die Polizei hat deutlich gemacht, was wir alle unter konsequenter Strafverfolgung verstehen“, sagte Polizeipräsident Gregor Lange anlässlich einer Pressekonfenenz am Mittwoch und sprach von „Kriminellen“ und „Schwerkriminellen“: „Wir müssen uns damit auseinandersetzen, ob der Polizei in schwierigen Situationen der nötige Respekt gezollt wird.“ Und: „Es wurden Menschenleben gefährdet.“

In der ausverkauften Arena zündeten Anhänger von Galatasaray während der gesamten Begegnung und sogar nach Spielende massiv Böller, Bengalos und Nebeltöpfe. Zudem ist es laut Polizei zu gewalttätigen Auseinandersetzung unter den Fans im Gästeblock gekommen. Pyrotechnik und herausgerissene Sitzschalen wurden dabei auch in Sitzplatzbereiche der Dortmunder Anhänger geworfen. Diese Vorkommnisse führten schließlich zu einer kurzzeitigen Spielunterbrechung in der 53. Minute. Wie der BVB berichtete, seien 250 Sitzschalen im Nordblock zerstört worden. Die Kosten belaufen sich auf rund 30.000 Euro.

Spiel stand kurz vor dem Abbruch

Zorc bestätigte, dass die Partie kurz vor dem Abbruch gestanden habe. „Der Delegierte der UEFA hat sich darüber mit dem Schiedsrichter unterhalten“, so der Ex-Nationalspieler, der eine „permanente Provokation der Galatasaray-Fans über die gesamte Spielzeit“ festgestellt hatte. Auch die Spieler befürchteten Schlimmes.

„Wenn Fans von Galatasaray Raketen auf das Spielfeld oder sogar in andere Blöcke schießen, macht man sich schon Gedanken“, berichtete BVB-Routinier Sebastian Kehl, und Marco Reus meinte: „Da bekommt man natürlich Angst, denn es kann ja jeden treffen.“ Galatasaray-Akteur Yasin Öztekin zeigte ebenfalls kein Verständnis für das Verhalten der Problemfans. „Die waren schon immer so und werden immer so bleiben. Wir können nichts dafür. Es ist nicht schön, was da passiert. Deswegen soll man die das nächste Mal einfach nicht reinlassen. In der Türkei verhalten die sich auch so, hier sind die noch schlimmer“, sagte der Ex-Dortmunder.

Watzke kritisierte derweil eine „andere Dimension“ der Ausschreitungen. Dabei habe der Ordnungsdienst penibel kontrolliert und viel konfisziert. „Das spottete schon jeder Beschreibung. Es wurde schon extrem kontrolliert, aber wir wollen ja auch nicht, dass sich jeder ausziehen muss“, meinte der BVB-Chef.

Ausschreitungen schon in der Innenstadt

Vor dem Anpfiff hatte sich die Schar der Gästefans auf dem Dortmunder Friedensplatz in der Innenstadt versammelt. Schon dort wurden pyrotechnische Gegenstände gezündet. Gegen 18.00 Uhr setzte sich diese Gruppe zu Fuß in Richtung Stadion in Bewegung, heißt es in der Pressemeldung der Dortmunder Polizei. Schon auf dem Weg dorthin sei es vermehrt zum Abbrennen von Pyrotechnik gekommen. Zwei Polizeibeamte wurden dabei verletzt, mehrere Personen in Gewahrsam genommen.

Aufgrund der massiven Straftaten habe die Polizei die Personalien aller 700 im Galatasaray-Block befindlichen Personen festgestellt und entsprechende Ermittlungen eingeleitet, heißt es weiter. Erste identifizierte Personen seien festgenommen worden.

Auch die UEFA wird Konsequenzen ziehen und Untersuchungen einleiten. Eine empfindliche Strafe für den türkischen Rekordmeister, der mit nur einem Punkt aus vier Gruppenspielen vor dem Aus steht, ist garantiert. Spekuliert wird mit einem sogenannten „Geisterspiel“.

SID

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