Nach Befehlsverweigerung

Hamilton vs. Rosberg: Machtkampf eskaliert

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Lewis Hamilton muss keine interne Strafe vom Mercedes-Team fürchten.

Budapest - Nach einem erneuten Eklat um Lewis Hamilton beim großen Preis von Ungarn ist das Mercedes-Team in Erklärungsnot. Der Titelkampf spitzt sich zu.

Lewis Hamilton muss nach dem verweigerten Boxenbefehl von Budapest keine interne Strafe vom Mercedes-Team fürchten. „So etwas wird es nicht geben“, stellte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff nach dem Großen Preis von Ungarn klar. „Wir sind alle erwachsen, wir müssen es nächstes Mal besser machen“, erklärte der Österreicher. Hamilton hatte im Titelduell mit seinem Stallkollegen Nico Rosberg die Anweisung der Box ignoriert, den Deutschen mitten im Rennen vorbeizulassen, da beide Fahrer auf unterschiedlichen Strategien unterwegs waren.

Hätte er Rosberg ziehen lassen, wäre sein Rückstand von 14 Punkten weiter gewachsen, so konnte er ihn sogar verringern. Rosberg wurde nur Vierter, Hamilton raste aus der Box als Dritter auf das Podest - und hat nach elf Rennen nur noch elf Zähler Rückstand. „Sehr, sehr schockiert“ war der Engländer, dass ihn das Team überhaupt aufgefordert hatte, für seinen deutschen Kollegen zu bremsen: „Ich habe das Richtige gemacht. Ich fahre für mich, nicht für ihn.“

Rosberg schien trotz der WM-Führung im Gepäck nach dem Rennen mächtig sauer zu sein. „Wir müssen das intern besprechen, ich möchte dazu nichts sagen“, teilte der wütende Rosberg mit und verpasste sich selbst einen Maulkorb. Gemeinsam mit Hamilton und der Teamführung soll es ein klärendes Gespräch geben, um die nächste Eiszeit zu verhindern. Wann und wo, ist offen.

„Es ist eine schwierige Lage. Wir müssen für den Rest der Saison daraus lernen“, sagte Wolff zum hitzigen Titel-Zweikampf der beiden Silberpfeil-Stars, die bereits mehrfach in diesem Jahr aneinander gerieten. Als mögliche Konsequenz aus dem Vorfall von Ungarn deutete Wolff an, in den verbleibenden acht Rennen auf jegliche Eingriffe vom Kommandostand verzichten zu wollen. „Wir können nicht mehr erwarten, dass einer für seinen Hauptrivalen in der WM Platz macht“, meinte der Mercedes-Manager und und zeigte genau wie Mercedes-Boss Niki Lauda Verständnis für Hamilton. „Nico war nicht dicht genug dran, warum hätte Lewis für ihn bremsen sollen? Lewis hat keinen Fehler gemacht“, sagte Lauda. Kritik dafür, dass Hamilton eine eindeutige Anweisung missachtete, gab es nicht. „Ich will nicht den General spielen“, meinte Wolff: „Wir hätten am Funk auch härter eingreifen können.“

Das Team habe unter enormem Stress gestanden, so Lauda, der keinen Streit zwischen den Fahrern erwartet: „Ich sehe keine Anzeichen dafür.“ Die Realität sieht anders aus. Beide würdigten sich keines Blickes, als Hamilton das Mercedes-Motorhome am Hungaroring verließ. Der Weltmeister von 2008 wirkte entspannt und gelöst, freute sich über seinen Sprung aufs Podest, während es in Rosberg brodelte.

Der erwartet noch intensivere Duelle mit Hamilton. „Ich ändere nicht meine Vorgehensweise, ich werde so weiter machen: Mit Attacke! `, betonte der Wiesbadener. Es scheint also nur eine Frage der Zeit zu sein, wann es auch auf der Strecke zwischen beiden das erste Mal richtig kracht.
Der nächste Grand Prix wird Ende August im belgischen Spa-Francorchamps gestartet.

dpa/sid

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