Rücktritt vom Rücktritt

Boxweltmeister und Klitschko-Bezwinger Fury narrt Öffentlichkeit

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Tyson Fury (r.) gewann im November 2015 gegen Wladimir Klitschko.

London - Tyson Fury verspielt den Rest an Glaubwürdigkeit. Erst verkündet er via Twitter seinen Rückzug aus dem Boxen. Stunden später lacht er die Öffentlichkeit aus: "Ich werde bleiben."

Boxweltmeister Tyson Fury hat mit skurrilen Tweets für Verwirrung gesorgt. Der 28 Jahre alte Brite erklärte am Montag mit markigen und teilweise obszönen Worten zunächst seinen Rücktritt, um drei Stunden später das Gegenteil zu behaupten. Der Schwergewichtschampion der Verbände WBO, WBA und IBO ist dabei, den Rest an Glaubwürdigkeit zu verlieren.

„Boxen ist das Traurigste, was ich je gemacht habe“, twitterte er am Nachmittag und meinte, es sei „ein Haufen Scheiße“. Der unter Dopingverdacht stehende Fury behauptete: „Ich bin der Größte, und ich bin es auch im Ruhestand.“ Der Bezwinger von Wladimir Klitschko hatte schon mehrfach von Rücktritt gesprochen, diesen aber nie umgesetzt.

Auch diesmal ist es so. „Hahahaha, ihr denkt, ihr werdet den Gypsyking so einfach los!!! Ich werde bleiben. #TheGreatest zeigt euch nur, was die Medien wollen. Tut tut“, lautete sein Widerruf. Zehn Minuten später kündigte er an: „Sobald es mir besser geht, werde ich das verteidigen, was mein ist, den Schwergewichts-Thron.“

Zwei Tage zuvor hatte Fury noch mit Späßen auf die jüngsten Kokain-Anschuldigungen reagiert und ein Bild aus dem Film Scarface getwittert. Auf diesem ist Hauptfigur Tony Montana, gespielt von Al Pacino, zu sehen, der an einem Tisch vor einem riesigen Kokain-Berg sitzt. Fury ersetzte Pacinos Gesicht durch sein eigenes und schrieb #Tysonmontana dazu. Zudem änderte er seinen Twitter-Namen in TysonMontana.

Fury muss mit einer Sperre wegen Dopings und der Aberkennung seiner WM-Titel rechnen. Bei einer Kontrolle am 22. September durch die amerikanische Anti-Doping-Agentur VADA war er in einer A-Probe positiv auf Kokain getestet worden. Einen Tag später hatte Fury den für den 29. Oktober geplanten Rückkampf gegen Klitschko abgesagt. Als Begründung wurden gesundheitliche Schwierigkeiten angegeben. In britischen Medien war die Rede von psychischen Problemen.

Zudem ist ein weiteres Doping-Vergehen ungeklärt. Im Frühjahr 2015 soll Fury die Einnahme des anabolen Steroids Nandrolon nachgewiesen worden sein, hatten britische Zeitungen vor Monaten berichtet. Der britische Boxverband wollte den Vorwurf nicht bewerten und schob die Verantwortung an die Anti-Doping-Behörde UKAD ab. Dazu soll es am 4. November eine Anhörung geben.

"Er ist verrückt", sagte der britische Top-Promoter Eddie Hearn am Samstag dem SID, und Fury bestätigte ihn mit dem Tweet am Montag eindrucksvoll. Der Manager von IBF-Weltmeister Anthony Joshua wollte für seinen Schützling ursprünglich den Kampf gegen Fury. Nun schwenkt das Joshua-Lager um und strebt am 26. November in Manchester ein Duell mit Wladimir Klitschko an.

Die international anerkannte Doping-Agentur Voluntary Anti-Doping Association (VADA) hatte Fury am 22. September, einen Tag vor dessen Absage des Rückkampfes gegen Klitschko am 29. Oktober, positiv auf Kokain getestet. Die Untersuchungen auf weitere verbotene Substanzen halten an, teilte die VADA mit.

Anhörung im November

Bereits im Juli waren Dopinggerüchte um Fury aufgekommen. Nachdem er das erste Re-Match gegen Klitschko für den 9. Juli wegen einer angeblichen Knöchelverletzung abgesagt hatte, kam heraus, dass der 28-Jährige laut der britischen Anti-Doping-Agentur UKAD wegen eines positiven Tests gesperrt worden sei. Hierzu findet im November eine Anhörung statt.

Angesichts der vielen Vorwürfe hat der Box-Riese (2,06 m) offenbar keinen anderen Ausweg mehr gesehen, als sich aus der Profiboxszene zurückzuziehen. Hätten sich die Anschuldigungen nur annähernd bewahrheitet, wäre eine Sperre bis zu einem oder gar zwei Jahren fällig geworden.

Man darf nun gespannt sein, wie die Weltverbände WBA und WBO reagieren, bei denen Fury Superchampion bzw. Weltmeister ist. Wahrscheinlich werden die Titel vakant, so dass die Top-Leute der Verbände um die WM boxen können. Sollte ihm für den siegreichen WM-Kampf gegen Wladimir Klitschko im November 2015 ein Doping-Vergehen nachgewiesen werden, müsste Klitschko seine Gürtel zurückerhalten.

"Der unwürdigste Schwergewichts-Weltmeister, den ich persönlich kennengelernt habe"

Klitschkos Manager Benrd Bönte reagierte verärgert auf Furys Kapriolen. "Wenn das so stimmt, passt das in das Gesamtblid, das man von Fury nach seinen Anfeindungen etwa gegen Homosexuelle hat. Er ist für mich der unwürdigste Schwergewichts-Weltmeister, den ich persönlich kennengelernt habe", sagte Bönte.

Das Klitschko-Management hatte dafür gesorgt, dass die VADA ab September die Doping-Probejn vornimmt - und prompt wurde Fury erwischt. "Wir bereuen mittlerweile, dass wir nicht schon vor dem ersten Kampf in die Verträge geschrieben haben, dass Dopingtests obligatorsich sind", sagte Bönte mit Blick auf die überraschende Punktniederlage von Klitschko im November letzten Jahres. Dann, womöglich, hätte Klitschko seine WM-Gürtel nie verloren.

SID

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