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Experten nehmen Stellung zu Medienlügen

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„Medienlügen – gesteuerte Desinformation von Putin bis Erdogan.“ Das ist das Thema einer Podiumsdiskussion heute Abend im Kunstmuseum.

Experten aus Politik und Presse gehen der Frage auf den Grund, welchen Einfluss staatliche Desinformation auf die in Deutschland lebenden Türken und Russen hat, und wie man sie erkennt.

Auf dem Podium sitzen Elmar Theveßen, stellvertretender Chefredakteur des ZDF; Josef Neumann, SPD-Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis Wuppertal-Solingen; Serap Güler, CDU-Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Köln-Mühlheim, und Horst Kläuser, WDR-2-Moderator. WZplus-Chefredakteur Ulli Tückmantel führt durch die Diskussion.

Willkommen zu unserem Liveticker! Hier werden wir Sie in den nächsten Stunden ausführlich über den Abend informieren.

17.45 Uhr: Der Saal im Kunstmuseum füllt sich langsam. Annähernd 150 Besucher haben sich bereits eingefunden. 

17.54 Uhr: In wenigen Minuten geht es los.

18 Uhr: Die Redner haben auf dem Podium Platz genommen. Im Kunstmuseum halten sich jetzt etwa 200 Besucher auf, die auf eine interessante Diskussionsrunde warten. 

18.05 Uhr: Verleger Michael Boll begrüßt die Gäste. "Ich freue mich, dass wir hochkarätige Gäste aus Politik und Medien für die Diskussion gewinnen konnten." Pressefreiheit sei ein hohes Gut, sagt Boll. Sie sei ein wesentliches Element unserer freien demokratischen Ordnung. 

Zum Thema des Abends sagt er: "Es gibt vermehrt Anzeichen dafür, dass ausländische Regierungen gezielt versuchen, nicht nur die Bevölkerung in ihren eigenen Ländern zu beeinflussen, sondern auch die hier in Deutschland lebende Bevölkerung."

18.10 Uhr: WZplus-Chefredakteur hält eine Einführungsrede. Er führt durch die Diskussion und stellt nun die Gäste vor. Nach Serap Güler, CDU-Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Köln-Mühlheim, stellt er nun Josef Neumann vor. Doch den Landtagsabgeordneten kennt im Kunstmuseum jeder - er wohnt nur 500 Meter von hier entfernt. WDR 2-Moderator Horst Kläuser gilt als Russland-Experte. Der gebürtige Remscheider sitzt ebenfalls auf dem Podium. Genau wie Elmar Theveßen. Der stellvertretende Chefredakteur des ZDF erzählt vom Interview mit Fethullah Gülen. Ihn hat das ZDF in den USA interviewt.

18.17 Uhr: Nun geht es um "Russia Today". Chefredakteurin des Nachrichtenkanals war auch im Wahlkampfteam Putins. Heute nennt sich der Kanal RT.

18.30 Uhr: Ins Visier der russischen Propaganda geraten häufig auch Journalisten. 

18.31 Uhr: Nun geht es um den Fall "Unser Mädchen Lisa".Das russische Mädchen soll von Flüchtlingen entführt und vergewaltigt worden sein. Russische Medien haben behauptet, dass deutsche Medien das bewusst verschweigen wollten. Plötzlich demonstrierten in Deutschland auch Deutsch-Russen. Am Ende kam heraus: An der Geschichte war nichts dran. Die Pro-Kreml-Medien erreichen in Deutschland 3,5 Millionen Menschen (Russen, Deutsch-Russen...).

18.36 Uhr: Nun geht es um die Türkei. Immer noch spricht Ulli Tückmantel. Gleich wird er an das Podium übergeben. Und natürlich kommt auch kurz das Thema Böhmermann zur Sprache (der TV-Moderator und Satiriker hatte ein Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten im TV vorgelesen.) Das hatte zu massiven Protesten unter den Deutsch-Türken geführt. Als kurz darauf im Bundestag über die Armenien-Resolution abgestimmt worden war, kochten die Gemüter erneut hoch.

18.42 Uhr: Auch der versuchte Militärputsch in der Türkei ist Thema. 

18.43 Uhr: Nun übergibt Tückmantel ans Podium. Der erste Redner ist Elmar Theveßen vom ZDF. Es geht um Gülen. Gülen habe gesagt, dass er glaubt, dass Erdogan nur auf eine Gelegenheit gewartet habe, gegen die Gülen-Bewegung vorzugehen. Entgegen anderer Medienberichte habe er nicht behauptet, der Putsch wäre von Erdogan selbst inszeniert worden. Gülen würde sich, wenn die Amerikaner dem Auslieferungsansinnen nachkommen würden, in der Türkei stellen. Er wies im Interview zurück, dass er den türkischen Staat mit seiner Bewegung unterwandern wollte. Das ZDF wird das Interview heute Abend veröffentlichen und auch das Rohmaterial verfügbar machen. Das bedeutet in der Fernsehsprache, dass das komplette Material veröffentlich wird.

18.47 Uhr: Jetzt spricht Serap Güler, CDU-Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Köln-Mühlheim.Die Stimmung wäre in ihrem Wahlbezirk nach dem Putschversuch sehr angespannt gewesen. In Köln habe sie kurz darauf viel Polizei bemerkt. Zunächst habe sie sich gefragt, warum. Dann fiel ihr auf, dass sich dort eine Gülen-Schule befand.

In den letzten Tagen würde viel darüber diskutiert, dass die Deutschtürken gespalten sind. Das sei jedoch auch vor dem Putschversuch so gewesen, sagt Güler. Ganz extrem sei es jedoch in den vergangen 4 bis 5 Jahren geworden. Seither gehe es nur noch darum, ob du für oder gegen Erdogan bist. Früher habe es ein paar Farben mehr gegeben. Sie habe sich im Rahmen der Demonstrationen mit ihren türkischstämmigen Kollegen im Landtag darauf verständigt, dass Demonstrationen bezüglich türkischer Innenpolitik in Deutschland nichts zu suchen haben. 

Viele Türken würde es so empfinden, dass sie seit Erdogan endlich in Deutschland stolz auf ihre Herkunft sein könnten. Viele haben sich jahrzehntelang nicht wichtig gefühlt, weil sie teilweise immer noch wie Gastarbeiter behandelt wurden. Erdogan wäre der erste gewesen, der in der Lanxess-Arena in Köln gesagt hat: Ihr seid meine Brüder und Schwestern.

18.56 Uhr: Nun spricht Josef Neumann. Tückmantel fragt, wie das bei den Deutschen russischer Abstammung ankam. Er sagt, dass es bei jeder Nation gut ankommt, wenn ihnen jemand sagt, dass sie stolz auf sich sein könnten. Wenn man hier in Deutschland ankommt und das Gefühl hat, nicht ernstgenommen zu werden, würde man sich über jeden freuen, der einen ernst nimmt. Das habe der Fall "Lisa" gezeigt. Der Fall habe in den russischen Nachrichten hohe Wellen geschlagen. So wären viele auf die Straße gegangen, nachdem sie eine SMS von einer unbekannten Nummer erhalten hätten, mit der Aufforderung sich zu beteiligen. 

Vor der Krim-Annexion haben Russen und Ukrainer gemeinsam gefeiert. 

Er erzählt, dass er täglich damit zu tun habe, dass Journalisten verhaftet würden, oder ihre Eigenständigkeit verlören. Also nur noch schreiben würden, was ihnen diktiert würde.

Medienlügen dieser Art habe es schon immer gegeben. Doch erst seit dem Fall Lisa würde es in Deutschland auch registriert. Andererseits stellt Neumann fest, dass deutsche (oder auch westliche) Medien lange darüber berichtet hätten, dass es im Irak Chemie- und Atomwaffen geben würde.

19.08 Uhr: Nun spricht Ulli Tückmantel mit Horst Kläuser. Es geht um Medien an sich. Er sagt, dass Medien immer noch wichtig seien. Es sich jedoch verändert habe. Früher sei die Lokalzeitung auf jedem Frühstückstisch gewesen. Heute wäre das nicht mehr so. Viele würden sich anders informieren. "Sind die klassischen Medien relevant für die Menschen, die Medien verfolgen?" Was kann die Aufgabe von den klassischen Medien sein? Er spricht über Reichsbürger, die Deutschland als GmbH der Amerikaner sehen. Er spricht über Chemtrails, Aluminiumhüte. Über Medien - gerade im Osten Deutschlands - die über solche Dinge berichten. Die ernstgenommen würden.

Theveßen widerspricht: "Wir müssen diesem ganzen Müll mit Fakten entgegentreten." Es gehöre auch dazu, Lügen aufzudecken und mit Fakten zu widerlegen. Beispiel Islamisierung. "Die Demokratie ist auf uns alle angewiesen. Wir sollten uns nicht spalten lassen und nicht zusehen, wie Europa zerfällt, wie unser Wertesystem zerfällt.

19.17 Uhr: Kläuser spricht Trump in den USA und Le Pen in Frankreich an. Außerdem spricht er über den neuen Präsidenten der Philippinen. "Wir erleben den Vormarsch der Populisten." Wir lehnen uns schaudernd zurück. Wir schämen uns für Heidenau. Wir lesen Kommentare, finden es schrecklich. Und dann planen wir unseren nächsten Urlaub. Wir arbeiten nicht für unsere Demokratie."

19.21 Uhr: Tückmantel fragt: "Wie gehen wir denn jetzt mit Ditib um?" Güler antwortet. "Viele Menschen türkischer Abstammung haben die AKP gewählt. Denen zu sagen, wir sprechen nicht mehr mit ihnen, wäre genau der falsche Weg. Wir müssen die Menschen für uns gewinnen." Auch das Thema doppelte Staatsbürgerschaft spricht sie an. Sie erklärt, warum die 1. Generation der Türken sehr loyal zu Deutschland ist. Die 3. Generation sei das nicht mehr. Ihr Vater wäre Deutschland sehr dankbar für all die Chancen, die er hier bekommen habe. Er habe aus sprachlichen Gründen die Medien teilweise gar nicht verstanden. Die 3. Generation würde sehr wohl verstehen, wenn das Geburtsland ihrer Eltern und Großeltern so oft kritisiert würde. 

19.30 Uhr: Kläuser spricht. Der WDR 2-Moderator geht erneut auf den Putschversuch in der Türkei ein. Der Putsch habe sich nicht gegen eine gesunde und völlig intakte Demokratie gerichtet. 

Güler antwortet, es gebe zwei verschiedene Demokratie-Verständnisse. Erdogan habe sein eigenes. Für Erdogan sei es ein reines Mehrheitsverständnis. Was die Mehrheit wolle, sei für Erdogan Demokratie. "Die Ditib war lange Zeit der Ansprechpartner unter den Vereinen, wo wir gesagt haben, da wissen wir, was wir haben." Die Entwicklung der Ditib in den letzten 6 Monaten zeigt, dass die Landesregierung dem Verein Grenzen aufzeigen muss. Man müsse mit Forderungen an die Ditib herangehen. Und wenn sie die Forderungen nicht erfüllen wollen, müsse man sich andere Lösungen suchen. Der Lauf den die Ditib habe, sei nicht mehr tragbar.

19.37 Uhr: Elmar Theveßen spricht nun unter anderem über Tunesien. Die Verhältnisse von uns auf andere zu übertragen, führe dazu, dass die Sache schlimmer wird. Er spricht über Syrien. Dass es seit 2004 ein Abkommen mit Präsident Assad gab. Er habe schon damals angefangen, sein Land umzukrempeln. 

19.45 Uhr: Jetzt kommen Gäste aus dem Publikum zu Wort. Eine Frau möchte wissen, warum Facebook kritisiert würde, aber gleichzeitig über Facebook kommuniziert würde. Theveßen antwortet, dass man viele Menschen über die sozialen Netzwerke erreiche. Vor allem junge Menschen. Deswegen würden die Nachrichtensender ihre verlässlichen Informationen auch über Facebook ausspielen. Eben, um auch die jungen Menschen zu erreichen und diese nicht auszuschließen. 

19.55 Uhr: Zum Thema Medienlügen sagt Elmar Theveßen: "Wer lügt, tut das mit Vorsatz. Wir setzen alles daran, dass wir die Wahrheit so gut wie irgendwie möglich berichten. Aber bei uns sind Menschen am Werk, die auch mal Fehler machen. Und dann kommen Internet-Trolle, die uns all die Fehler aufzeigen und sagen, wir würden nur lügen. Am Ende kann man nur eines sagen: Man muss sich entschuldigen und alles dafür tun, dass so etwas nicht mehr passiert. Aber am Ende zählt nur, dass man es transparent macht und ehrlich dabei ist."

20.16 Uhr: Der Abend endet mit einige Anregungen aus dem Publikum. Einen ausführlichen Artikel zur Podiumsdiskussion lesen Sie im Laufe des Abends auf unserer Homepage.

Den Liveticker hat Verena Willing für Sie erstellt.

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