Recht

Was man über Urlaubsgeld wissen sollte

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Urlaubsgeld wird seltener: Laut einer Umfrage bekommt es mittlerweile nicht mal jeder Zweite. Beliebtes Urlaubsziel ist immer noch die Insel Usedom; auf unserem Bild herrscht Hochbetrieb am Strand von Zinnowitz.

Reisekosten, Unterkunft, Essen und Trinken: Ein Urlaub geht ganz schön ins Geld. Wenn die Rechnung ins Haus flattert, freut sich jeder über Urlaubsgeld vom Arbeitgeber. Aber hat man eigentlich einen gesetzlichen Anspruch darauf? Und wer kann es verlangen?

„Einen gesetzlichen Anspruch auf Urlaubsgeld gibt es nicht“, erklärt Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht. „Deshalb bekommt es auch längst nicht jeder.“ Nach einer aktuellen Erhebung der Hans-Böckler-Stiftung bekam 2014 weniger als jeder zweite Beschäftigte (41 Prozent) in Deutschland Urlaubsgeld. Männer (49 Prozent der Befragten) beziehen demnach die Leistung öfter als Frauen (35 Prozent), in Westdeutschland fällt der Anteil mit 47 Prozent deutlich höher aus als im Osten (27 Prozent), und größere Betriebe zahlen grundsätzlich öfter Urlaubsgeld als Kleinunternehmen mit weniger als 100 Beschäftigten. An der Umfrage der Seite www.lohnspiegel.de, die vom Tarifarchiv des wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Böckler-Stiftung betreut wird, beteiligten sich rund 6400 Beschäftigte.

Ein Anspruch auf Urlaubsgeld muss im Arbeits- oder Tarifvertrag geregelt sein. Entsprechend wird Urlaubsgeld auch überdurchschnittlich häufig in Unternehmen mit Tarifbindung gezahlt – der Anteil liege dort bei 61 Prozent. Beschäftigte in Unternehmen, die aus der Tarifbindung aus- oder gar nicht erst eingetreten sind, erhielten dagegen laut Umfrage nur zu 32 Prozent ein Urlaubsgeld.

Insgesamt ist der Anteil der Beschäftigten mit Urlaubsgeld seit Jahren leicht rückläufig, außerdem stagniert die Höhe der Leistung in der Mehrzahl der Branchen, wie das WSI bei der Auswertung von Tarifverträgen aus 22 Branchen ermittelte. Der konstante Rückgang könne durchaus mit dem Trend zum Nachlassen der Tarifbindung zusammenhängen, sagt WSI-Tarifforscher Reinhard Bispinck. Ein weiterer Grund seien Festbetragsregelungen für das Urlaubsgeld in Tarifverträgen, so dass die Leistung mit neuen Tarifabschlüssen nicht mit steige.

Die Höhe des tariflichen Urlaubsgeldes variiert stark – je nach Branche zwischen 155 und gut 2000 Euro extra. Am wenigsten Geld für die Urlaubskasse bekommen in diesem Jahr Beschäftigte in der Landwirtschaft und im Steinkohlebergbau. Die höchsten Zahlungen gibt es in der Industrie – etwa in der Druck- und Metallindustrie.

Ist ein Anspruch auf Urlaubsgeld nicht im Tarif- oder Arbeitsvertrag aufgeführt, kann sich dennoch ein Anspruch aus betrieblicher Übung ergeben. „Eine betriebliche Übung dürfen Mitarbeiter in der Regel annehmen, wenn der Arbeitgeber dreimal hintereinander Urlaubsgeld gezahlt und keinen Vorbehalt ausgesprochen hat – etwa, dass er das Urlaubsgeld nur ausnahmsweise dieses Jahr zahlen will“, sagt Fachanwalt Bredereck.

Nur einzelnen Arbeitnehmern Urlaubsgeld auszuzahlen, ist nicht erlaubt. „Zahlt der Arbeitgeber Urlaubsgeld, muss er es allen Mitarbeitern ohne Ausnahme gewähren“, so Bredereck. Es gehe nicht, dass er ihm nicht so genehme Arbeitnehmer von der Sonderleistung ausspare. Das gebiete der arbeitsrechtliche Gleichbehandlungsgrundsatz. Eine Ungleichbehandlung ist nur dann in Ordnung, wenn es dafür einen sachlichen Grund gibt. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn eine Abteilung hervorragende Leistungen erbracht hat und nur dieses Team die Zahlung bekommen soll.  ´

dpa

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