Könige und Gaskunst

Tipps für den Herbsturlaub in Bayern

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Mystisch: Am Morgen liegt oft noch Nebel über dem Weißensee.

Allgäu und Oberbayern liegen nebeneinander - da, wo Deutschland fast zu Ende und die Grenze zu Österreich nicht weit ist. Tourismus hat hier Tradition, aber im Herbst ist weniger los.

Im Sommer lässt sich in vielen Seen prima baden, im Winter geht es auf die Piste. Das gilt fürs Allgäu genau wie für Oberbayern. Und im Herbst? Dann ist Zeit für vieles, was sonst zu kurz kommt. Eine Handvoll Tipps für den Herbst im tiefen Süden der Republik:

Schloss Linderhof

Ludwig II. (1845-1886) liebte die Landschaft ganz im Süden Bayerns, kurz vor der österreichischen Grenze. Hier ließ er sein Lieblingsschloss bauen: Linderhof. Anders als in Neuschwanstein hat der „Kini“ - Bayrisch für König - tatsächlich darin gewohnt und war oft in den umliegenden Bergen der Ammergauer Alpen unterwegs. Schloss Linderhof ist zwar genauso sehenswert, wirkt aber weniger disneyhaft als Neuschwanstein. Vielleicht ist das der Grund, warum deutlich weniger Besucher kommen und die Warteschlangen zumindest im Herbst überschaubar sind. Bei den Führungen geht es durch etliche Säle, einer prunkvoller als der andere.

Füssen

Auf dem Weg von Pfronten nach Füssen geht es am Weißensee entlang. Anders als sein Name vermuten lässt, schimmert sein Wasser türkisgrün. Ein Teil der Strecke folgt dem Ufer. Der Blick fällt auf die begrünten Berghänge dahinter. In die Stadt geht es über den Lech, der hier so türkisgrün ist wie zuvor der See. Füssen gehört zu den schönsten Städten im Allgäu: klein, aber nett und mit etlichen Gassen, in denen das Bummeln Spaß macht.

Das Füssener Stadtmuseum

Jahrhundertelang hatte Füssen weit über das Allgäu hinaus einen Ruf für seine Instrumentenbauer. Bei den Saiteninstrumenten und besonders den Lauten war „Made in Füssen“ das Qualitätssiegel schlechthin: So eine wollten alle haben, die etwas davon verstanden. Seit 1436 arbeitete der erste nachweisbare Lautenmacher in der Stadt. Bald exportierte Füssen nicht nur Instrumente, sondern auch die Spezialisten, die sie herstellten. An ihre große Zeit erinnert das Stadtmuseum im Kloster St. Mang.

Beim Glasbläser in Pfronten

Alexander Endres ist ein bärtiger Hüne und Glasbläsermeister - oder streng genommen Glasinstrumentenmachermeister - mit eigener Werkstatt in Pfronten. Dort können Besucher nicht nur nach Souvenirs stöbern, Endres zeigt auch regelmäßig, was sich aus Glas alles machen lässt. Diesmal will ein Schweinchen zaubern. Er hält das Glas in die Flamme des Gasbrenners und dreht es hin und her. „Jetzt blas' ich mal, damit es einen fetten Bauch bekommt“, erklärt er kurz darauf, und schon bläht sich das Glas rundlich. Mit der Zange zieht Endres die Ohren, dreht das Ringelschwänzchen und vier Beine - ein perfektes Schwein.

Kloster Ettal

Benediktiner gibt es schon lange in der Region. Auf der Allgäuer Seite zum Beispiel im Kloster Ottobeuren, das in diesem Jahr sein 1250-jähriges Bestehen feiert, in Oberbayern im Kloster Ettal. Die Benediktinerabtei ist auf Gäste eingestellt. Es gibt ein Klosterhotel, eine Schaukäserei, einen Klosterladen, eine Brauerei und eine Destillerie, durch die auch Touren angeboten werden - inklusive Likörprobe. Kostenlose Führungen gibt es in der Basilika.

Das Kloster geht zwar zurück auf das Jahr 1330, macht aber keinen mittelalterlichen, sondern einen ausgesprochen barocken Eindruck. Kein Wunder: Ein Brand zerstörte die alte Klosteranlage 1744, danach wurde sie im Stil der Zeit wieder aufgebaut. Eine Ausnahme gibt es allerdings, für die Ettal berühmt ist: Das „Gnadenbild“, eine Marienfigur, hat Kaiser Ludwig der Bayer, der das Kloster bauen ließ, schon 1330 aus Italien mitgebracht. Zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert war sie ein wichtiger Grund für die Pilger, sich für Ettal als Wallfahrtsziel zu entscheiden.

Pfronten im Schnee

Der nächste Morgen fühlt sich unerwartet kühl an. Nachts hat es geschneit, gleich einige Zentimeter. Draußen ist alles weiß. Etliche Wanderer und Spaziergänger nutzen die Chance, das erste Mal im Jahr Schnee unter den Füßen zu haben, zu ausgiebigen Touren. Möglichkeiten dafür gibt es mehr als genug. Und dazu strahlt die Sonne am blauen Himmel so intensiv wie seit Tagen nicht mehr.

Von Andreas Heimann, dpa

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