Volkskrankheit „Rücken“:

Rückenschmerzen: Muss es gleich das Skalpell sein?

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Rafael Nadal hat Rückenschmerzen.

Rückenschmerzen sind eines der häufigsten Volksleiden, fast jeder hat es mindestens einmal im Leben im Kreuz. Immer mehr Patienten erhoffen sich Linderung durch eine Operation. Doch gibt es die ersehnte Hilfe wirklich im Krankenhaus?

Stechender Schmerz vom Rücken bis ins Bein - Laufen, sogar Sitzen und Liegen kann bei Rückenschmerzen zur Qual werden. Beim Arzt findet der Patient oft nicht die ersehnte Hilfe etwa bei Bandscheibenvorfällen. Doch was dann tun, wenn der Rücken wehtut? Gleich ins Krankenhaus, zum Orthopäden oder das Zwicken einfach ignorieren? Der am Dienstag in Berlin vorgestellte Krankenhausreport 2015 der Barmer GEK will Antworten geben.

Wie viele Menschen leiden an Rückenschmerzen?

Die Deutschen haben es im Rücken: „85 Prozent der Bevölkerung leidet irgendwann im Leben an Rückenschmerzen“, sagt Barmer-GEK-Chef Christoph Straub. Studienautorin Eva Maria Bitzer zufolge gehen hierzulande 18 Millionen Menschen einmal im Jahr wegen Rückenschmerzen zum Arzt. 15 Prozent aller Fehltage auf der Arbeit und 18 Prozent der Frührenten werden in Deutschland demnach durch Rückenschmerzen verursacht.

Wo ist die größte Problemzone und wer ist betroffen?

Besonders häufig leiden die Deutschen der Studie zufolge an Schmerzen im unteren Rücken, also im Kreuz. Treffen kann es grundsätzlich jeden: Häufiger als Männer leiden allerdings Frauen darunter, wie Expertin Bitzer sagt. Betroffen seien vor allem zwei Gruppen: Menschen, die sich entweder besonders viel oder besonders wenig bewegten.

Wie viele Menschen gehen wegen Rückenschmerzen ins Krankenhaus?

Die meisten Menschen gehen wegen Rückenschmerzen nicht ins Krankenhaus, sondern zum Arzt. Doch nach einer Odyssee in der ambulanten Medizin kommen immer mehr Patienten auch in eine Klinik. Die Zahl solcher Krankenhausfälle stieg von 2006 bis 2014 von rund 282 000 auf 415 000, heißt es in dem Bericht. Ein Anstieg um 47 Prozent.

Gibt es auch mehr OPs am Rücken?

Ja, auch den Trend immer zahlreicherer Rücken-OPs bestätigt der neue Report. So nahmen etwa die Eingriffe an den Bandscheiben von 2006 bis 2014 um 12,2 Prozent zu. Mehr als doppelt so oft gab es auch spezielle Schmerztherapien mit Spritzen.

Finden die Patienten im Krankenhaus die erhoffte Hilfe?

Vielen Menschen wird der Barmer zufolge im Krankenhaus nicht geholfen. Mehr als jeder Dritte werde dort gar nicht behandelt und gehöre eigentlich gar nicht in die Klinik, heißt es. Bei diesen fände weder eine Operation an der Wirbelsäule noch eine Schmerztherapie statt. „Für sie kann man von einer Fehlversorgung sprechen, die es dringend zu beseitigen gilt“, sagt Barmer-GEK-Chef Straub.

Wie zufrieden sind die Betroffenen nach dem Krankenhaus?

Viele Patienten sind der Studie zufolge mit der Behandlung im Krankenhaus nicht zufrieden. Nach einer Patientenumfrage innerhalb des Reports ist nur jeder zweite Operierte und jeder Vierte mit Schmerztherapie ohne Einschränkung mit dem Ergebnis zufrieden. Patienten müssten von den Ärzten daher über die Erfolgsaussichten einer Operation aufgeklärt werden: „Schmerzfreiheit gehört nicht unbedingt dazu.“

Was kann eine Alternative zur OP sein?

Die Barmer fordert vor allem, früher mit der Behandlung zu beginnen. Hausärzte sollten koordinieren, dass Schmerzpatienten gleichermaßen von Besuchen etwa bei Orthopäden, Physio- und Sporttherapeuten versorgt werden. Spezielle Therapeutenteams in Schmerzzentren sollten auch die Psyche der Betroffenen in den Blick nehmen.

Was hilft bei Rückenschmerzen?

Neben Medikamenten können laut Experten vor allem Bewegungstherapien chronische Schmerzen verhindern. Diese beinhalten etwa Übungen, die die Muskeln sanft dehnen oder die Koordination stärken. Keinesfalls dürften Gewichte gestemmt werden. „Der Hausarzt sollte hier als Lotse intensiv in die Versorgung eingebunden werden“, heißt es.

Wann sollten Betroffene überhaupt zum Arzt gehen?

„Normale Rückenschmerzen am besten ignorieren“, rät Studienautorin Bitzer. „Nehmen sie es hin wie einen Mückenstich“. Doch bei Lähmungserscheinungen, einem Kribbeln, Taubheitsgefühlen oder einem veränderten Reizempfinden sollten Betroffene zu einem Arzt.

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dpa

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