Chronische Wunden

Offenes Bein: Was sind die Ursachen?

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Über einen Schlauch wird bei der Vakuumtherapie ein Unterdruck erzeugt und Flüssigkeit abgeleitet.

Die menschliche Haut kann sich selbst sehr gut erneuern, zumindest wenn sie gesund und ausreichend durchblutet ist. Doch nicht immer ist das der Fall.

Das Leiden beginnt dann oft scheinbar harmlos: Der Patient verletzt sich, etwa am Unterschenkel oder am Fuß. Manchmal bricht die Haut auch von selbst auf und es bildet sich eine offene Stelle. Zunächst ist die Wunde klein. Doch statt zu heilen, wird sie immer größer. Hat sie sich nach etwa sechs Wochen noch nicht geschlossen, sprechen Mediziner von einer chronischen Wunde. Immer mehr Menschen leiden daran.

Ein bekanntes Problem sind schwer heilende Wunden vor allem bei Diabetikern. Bei ihnen hat der erhöhte Blutzucker oft Nerven und Gefäße geschädigt. Die Folge: Sie spüren nicht, wenn sie sich verletzen. Zudem führen die schlechte Durchblutung und der erhöhte Blutzucker dazu, dass Wunden, vor allem an den Füßen, nur schwer heilen. Mediziner sprechen dann auch vom diabetischen Fuß.

Was steckt hinter einer chronischen Wunde?

Doch können hinter einer chronischen Wunde auch andere Erkrankungen stecken: Sehr häufig sind geschädigte Gefäße die Ursache. Wunden entstehen dann meist am Unterschenkel, man spricht vom „Ulcus cruris“ oder „offenem Bein“.

Dazu kann es etwa bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) kommen. Hierbei sind die Arterien in den Beinen verengt, es gelangt nicht mehr genügend sauerstoffreiches Blut ins Gewebe.

Die Venen neigen dagegen dazu sich zu erweitern – Krampfadern bilden sich. Das Blut versackt in den Beinen. Wasser sammelt sich im Gewebe und übt großen Druck aus. Oft verfärbt sich die Haut gelblich oder bräunlich, sie juckt und verdickt sich.

Zudem können einige seltene Hauterkrankungen wie Pyoderma gangränosum sowie Vaskulitiden, also chronische Gefäßentzündungen, schwer heilende Wunden verursachen. Auch Hautkrebs kann dazu führen. Eine schlechtere Wundheilung haben zudem generell Raucher und Menschen, die sich wenig bewegen oder starkes Übergewicht haben.

Hat sich eine chronische Wunde gebildet, genügt es nicht, diese zu versorgen. „Man muss nach der Ursache suchen – und sie behandeln“, sagt Wundexperte Dr. Till Geimer. Nur so lässt sich verhindern, dass bald die nächste Wunde entsteht.

Wichtig ist vor allem die Untersuchung der Gefäße, etwa mit der Duplex-Sonografie, also einem Ultraschall-Gerät. Zudem kann eine Hautprobe oder ein Test auf Bakterien nötig sein, um die Ursache für die Störung der Wundheilung zu finden.

Finden sich Engstellen oder Krampfadern, kennt die Gefäßchirurgie heute zahlreiche Eingriffe, um die Durchblutung zu verbessern. So lassen sich kranke Venen veröden oder herausziehen (Stripping). Engstellen in Gefäßen kann man per Katheter mit einem Ballon aufdehnen und dann mit einem Stent offen halten. Manchmal ist eine Umleitung des Blutes, ein Bypass, nötig. Zum Einsatz kommen zudem durchblutungsfördernde Medikamente.

Bei einer Vaskulitis erhalten die Patienten eine Immuntherapie. Erhöhter Blutzucker muss unbedingt gut eingestellt werden. „Nicht selten leiden ältere Patienten gleich an mehreren Erkrankungen“, sagt Geimer.

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Gleichzeitig konzentriert sich die Therapie auf die Wunde. Zunächst kann es nötig sein, das abgestorbene oder infizierte Gewebe auszuschneiden. Die Wundauflage sollte Sekret aufnehmen können, andererseits aber nicht zu trocken sein. Denn um zu heilen, braucht eine Wunde Feuchtigkeit. Will diese nicht heilen, kann eine Vakuumpumpe helfen. Auf die Wunde wird zunächst ein Schwamm gelegt. Ein Gerät erzeugt dann einen Unterdruck, saugt also leicht an der Wunde. Der Reiz fördert die sogenannte Granulation, führt also dazu, dass sich das Gewebe rascher regeneriert. Wundsekret wird abtransportiert und es gelangen weniger Keime in die Wunde.

Ist die Wunde groß, kann es nötig sein, Haut von einem anderem Körperbereich, etwa vom Oberschenkel, zu verpflanzen, oft als Spalthauttransplantat. Dabei wird ein rautenförmiges Muster in die Haut geschnitten und so ihre Oberfläche vergrößert. eine weitere Möglichkeit: Hautzellen des Patienten werden im Labor vermehrt und die Wunde damit bedeckt.

Leserfragen an Dr. Geimer: wissenschaft@merkur-online.de

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