Wie Du mir, so ich Dir

Rüdiger Fritsch, Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht

Das Zusammenleben in einer Wohnungseigentümergemeinschaft gestaltet sich manchmal schwierig, weil die unterschiedlichsten Charaktere und Lebensauffassungen aufeinanderprallen. Dabei ist zu beobachten, dass die hierdurch entstehenden Unzuträglichkeiten zunehmend gerichtlich geklärt werden müssen . . . 

Das Zusammenleben in einer Wohnungseigentümergemeinschaft gestaltet sich manchmal schwierig, weil die unterschiedlichsten Charaktere und Lebensauffassungen aufeinanderprallen. Dabei ist zu beobachten, dass die hierdurch entstehenden Unzuträglichkeiten zunehmend gerichtlich geklärt werden müssen. So im Fall der Eigentümer zweier übereinanderliegender Wohnungen einer in Frankfurt gelegenen Wohnungseigentumsanlage. Das Amtsgericht Frankfurt a. M. musste sich nämlich mit der Frage beschäftigen, ob das Rauchen auf Balkonen, das Aufstellen von Vogelhäuschen und das Anbringen einer Lampe am Balkon zulässig ist (AG Frankfurt a. M., Urteil vom 2. 10. 2013, Az.: 33 C 1922/13).

Der Eigentümer der oben gelegenen Wohnung führte Klage gegen seinen unteren Nachbarn, der auf einem der zu seiner Wohnung gelegenen zwei Balkone regelmäßig bis zu 19 Zigaretten täglich rauchte, wobei der Kläger sich durch den Tabakrauch gestört fühlte. Dabei führte der Kläger an, dass der Beklagte auf dem anderen vorhandenen Balkon durchaus rauchen könne, weil der Tabakrauch dort ungehindert abziehen könne. Der Beklagte konterte widerklagend damit, dass er den anderen Balkon nicht zum Rauchen nutzen könne, weil der Kläger selbst oberhalb ein Futterhäuschen für Vögel angebracht habe, von dem Futterreste und Vogelkot herunterfielen. Zur Krönung des Nachbarschaftsstreits installierte der Beklagte auf seinem Balkon eine Lampe, deren Lichtschein den Kläger in seiner Nachtruhe störte. Der Beklagte vertrat die Auffassung, der Kläger könne doch, wenn er sich gestört fühle, einfach die Vorhänge zuziehen.

Keine Gleichbehandlung im Unrecht

Das AG Frankfurt löste den Fall „salomonisch“. Zwar ist das Rauchen auf dem eigenen Balkon grundsätzlich zulässig, gibt es aber eine „Ausweich-Rauchstelle“, muss diese wegen des Gebots der Rücksichtnahme genutzt werden. Im Gegenzug musste der Kläger allerdings sein (grundsätzlich ebenfalls zulässiges) Futterhäuschen so umsetzen, dass keine Belästigungen für den rauchenden Beklagten entstanden. Die Lampe musste jedoch entfernt werden, da derjenige, der von einem Lichtschein beeinträchtigt wird, nicht verpflichtet ist, sich auf die Benutzung von Vorhängen oder Rollläden verweisen zu lassen.