Unterhaltsanspruch weg?

Angela Krall, Fachanwältin für Familienrecht

Diese Frage stellt sich dann, wenn ein volljähriges Kind seine Ausbildung verzögert oder verzögert beginnt . . .

Diese Frage stellt sich dann, wenn ein volljähriges Kind seine Ausbildung verzögert oder verzögert beginnt.

Nach dem unterhaltsrechtlichen Gegenseitigkeitsverhältnis sind Eltern verpflichtet, eine Berufsausbildung zu ermöglichen, das unterhaltsberechtigte Kind hat die Verpflichtung, diese Ausbildung mit Fleiß und Zielstrebigkeit in angemessener und üblicher Zeit durchzuführen und erfolgreich abzuschließen.

Dazu gehört auch die Ausbildung in angemessener Zeit aufzunehmen nach Ablauf einer gewissen Orientierungsphase. Eine feste Altersgrenze für die Aufnahme einer Ausbildung gibt es nicht. Allerdings wird Eltern nicht zugemutet nach Ablauf mehrerer Jahre bezogen auf das Schulende die Nachholung der Hochschulreife und die Aufnahme eines Studiums zu finanzieren.

Eine verspätete Aufnahme einer an sich angemessenen Ausbildung kann einem Unterhaltsanspruch entgegenstehen.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat sich im Juni 2011 in einer Entscheidung damit befasst, ob die Unterhaltspflicht der Eltern gegenüber einem volljährigen Kind, das wegen Schwangerschaft und anschließender Betreuung des (Enkel-)Kindes der Ausbildung nur mit zeitlicher Verzögerung nachgekommen ist, besteht.

Der BGH hat in seiner Entscheidung ausgeführt, dass diese Ausbildungsverzögerung den Unterhaltsanspruch nicht beseitigt, vorausgesetzt, die Ausbildung oder das Studium wird nach Vollendung des 3. Lebensjahres des Kindes begonnen bzw. fortgesetzt.

Fazit: Nicht jede zeitliche Verzögerung einer Ausbildung oder eines Ausbildungsbeginns beseitigt einen Anspruch auf Unterhalt.