Recht und Service

Unterhalt und Steuervorteile

Derjenige, der zur Zahlung von Unterhalt verpflichtet ist, kann aus steuerlicher Sicht die Möglichkeit haben, verschiedene Steuerklassen zu wählen. Jedem steht es frei, steuerliche Vorteile in Anspruch zu nehmen oder aber nicht . . .

Derjenige, der zur Zahlung von Unterhalt verpflichtet ist, kann aus steuerlicher Sicht die Möglichkeit haben, verschiedene Steuerklassen zu wählen. Jedem steht es frei, steuerliche Vorteile in Anspruch zu nehmen oder aber nicht.

Etwas anderes gilt im Unterhaltsrecht. Es gilt grundsätzlich eine unterhaltsrechtliche Obliegenheit, alle zumutbaren Einkünfte zu erzielen. Die Frage, welche Steuerklasse unterhaltsrechtlich unter Berücksichtigung der vorgenannten unterhaltsrechtlichen Obliegenheit die richtige Steuerklasse ist, stellt sich im Fall der Trennung der Eheleute.

Eheleute wählen häufig die Steuerklassenkombination III/V, weil zwischen den Ehepartnern ein Einkommensgefälle liegt. Die kinderbetreuende Ehefrau arbeitet zum Beispiel lediglich in Teilzeit. Bleibt es im Trennungsjahr dabei, dass der Unterhaltspflichtige weiterhin nach der Steuerklasse III veranlagt wird und wählen die Ehepartner noch eine Zusammenveranlagung, so steigert die günstigere steuerliche Veranlagung die Leistungsfähigkeit des Unterhaltsverpflichteten. Eine vorschnelle Änderung der Steuerklassenwahl kann somit unterhaltsrechtlich nicht hingenommen werden.

Die Steuerklasse ist erst dann zu ändern, wenn Eheleute dauernd getrenntlebend sind für das Jahr, das auf die Trennung folgt.

Für das Trennungsjahr kann eine Ausnahme dann bestehen, wenn der Ehegatte, der seine Einkünfte nach Steuerklasse V versteuert, Anspruch auf Trennungsunterhalt nicht hat. Dieser kann dann die Zustimmung zu einer Zusammenveranlagung von einem Nachteilsausgleich abhängig machen.

Fazit: Ein getrenntlebender unterhaltsverpflichteter Ehegatte sollte stets die Beratung suchen, um seine unterhaltspflichtige Obliegenheit nicht durch Außerachtlassen von steuerlichen Vorteilen zu verletzen. ER könnte sich sonst der Gefahr aussetzen, dass ihm fiktive Einkünfte angerechnet werden. Dies bedeutet, der Unterhaltspflichtige wird so behandelt, als habe er die erzielbaren Steuervorteile.

Solinger Tageblatt, 20. November 2015