Überstunden – werden die bezahlt?!

Ulrich Kalkum, bis 2010

Dumme Frage!, werden viele Leserinnen und Leser jetzt denken oder vor sich hin murmeln. Wie oft bei den Juristen ist es aber nicht ganz so einfach: In der Praxis haben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nämlich oft genug das Nachsehen . . .

Dumme Frage!, werden viele Leserinnen und Leser jetzt denken oder vor sich hin murmeln.

Wie oft bei den Juristen ist es aber nicht ganz so einfach: In der Praxis haben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nämlich oft genug das Nachsehen, wenn sie ihre Mehrarbeitsvergütung (Überstunden) erfolgreich geltend machen wollen.

Problem ist nämlich, dass nicht jede geleistete zusätzliche Arbeitsstunde über den Arbeitsvertrag hinaus als Überstunde bezahlt wird. Voraussetzung ist vielmehr, dass der Arbeitgeber die Überstunde angeordnet hat. Dies kann in der Weise geschehen, dass für einen bestimmten Zeitraum konkret gesagt wird "da bleiben Sie länger …"; Überstunden liegen aber auch dann vor, wenn eine Arbeit angewiesen wird, die absehbar nicht in der normalen Arbeitszeit erledigt werden kann.

Die bloße Tatsache, dass jemand länger im Betrieb bleibt, führt nicht zur Überstundenvergütung. Vielleicht hat der Betreffende ja möglicherweise zu langsam gearbeitet, Fehler gemacht oder sonstige Dinge, die er, um nicht aufzufallen, dann vorsichtshalber schnell repariert, wenn auch außerhalb der Dienstzeit.

Der Arbeitgeber muss vielmehr nur dann bezahlen, wenn er die Mehrarbeit als solche angewiesen hat.

Größtes Problem: Der Nachweis! Im Streitfall muss der Arbeitnehmer für jede einzelne Stunde den Nachweis führen, dass ein Vorgesetzter die Anordnung getroffen hat. Eigene Aufzeichnungen des Arbeitnehmers reichen zur Führung dieses Nachweises fast niemals aus.

Rat des Praktikers: Lassen sie sich die Anweisung zur Mehrarbeit schriftlich geben oder sorgen sie dafür, dass Aufzeichnungen geführt werden, die vom Arbeitgeber jeweils zeitnah abgezeichnet und damit bestätigt werden.

Je länger man wartet, je mehr Stunden angehäuft werden, desto schwieriger wird im Streitfall der Nachweis. Dies gilt insbesondere dann, wenn das Arbeitsverhältnis schon beendet ist.