Rodelfahrt mit schweren Folgen . . .

Henrike Krimmel, Fachanwältin für Familienrecht und für Miet- und Wohnungseigentumsrecht

Rodeln kann doch jedes Kind, so denkt man zumindest. Aber weit gefehlt . . . Bei einer Rodelpartie im letzten Winter in einem Stadtpark zog sich ein Familienvater erhebliche Verletzungen zu . . .

Rodeln kann doch jedes Kind, so denkt man zumindest. Aber weit gefehlt . . .

Bei einer Rodelpartie im letzten Winter in einem Stadtpark zog sich ein Familienvater erhebliche Verletzungen zu. Was war passiert?

Bei der Nutzung einer Seitenabfahrt übersah dieser, dass sich am unteren Ende des Hangs ein ca. 1 Meter tiefer Absatz zu einem tiefer gelegenen Weg befand, der durch eine Mauer abgestützt war. Der dadurch erfolgte unfreiwillige Schanzensprung führte zu erheblichen Folgen, für die nach Auffassung des Unglücksrodlers die Stadt haften sollte.

Hierüber hatte das OLG Hamm kürzlich zu befinden (Urteil vom 3. 9. 2010 – I-9 U 81/10): Der Unglücksrabe wollte wegen der Verletzung der Verkehrssicherungspflichten Schadensersatz und Schmerzensgeld. Er vertrat die Auffassung, dass der Stadt bekannt sei, dass in diesem Park im Winter gerodelt würde. Daher hätte sie im Rahmen ihrer Verkehrssicherungspflicht Warnschilder aufstellen müssen. Für die Freizeitrodler seien die Gefahren nicht erkennbar gewesen. Das OLG verwarf die Berufung des Klägers und verneinte einen Anspruch des Klägers auf Schadensersatz und Schmerzensgeld gemäß § 823 Abs. 1 BGB oder §§ 839 Abs. 1 S.1, 253 Abs. 2 BGB i. V. m. Art. 34 GG. Eine Verkehrssicherungspflichtverletzung liege nicht vor. Die Stadt war weder verpflichtet Warnschilder aufzustellen, noch den Hang zum Rodeln zu sperren.

Der Senat führte zur Begründung aus, dass solange ein Hügel nicht als Rodelpiste ausgewiesen sei, jeder Freizeitrodler selbst die Verpflichtung hat, Gefahren auf der Piste zu erkennen und zu umgehen. Ausserdem begründet das Rodeln auf einer unbekannten Piste ohne vorherige Umschau ein überwiegendes Mitverschulden.

Vorliegend hätte der Unglücksrodler mit der in dieser Situation erforderlichen Sorgfalt den unfreiwilligen Schanzensprung mit seinen Folgen leicht verhindern können.

Letztendlich kann man das Urteil mit folgendem Fazit zusammenfassen: Selbst schuld, wenn man auf fremden Pisten ohne Umschau rodeln geht.