Am Sonntag will mein Süßer mit mir Essen gehen – oder welche Rechte hat man als Gast im Restaurant?

Henrike Krimmel, Fachanwältin für Familienrecht und für Miet- und Wohnungseigentumsrecht

Das kennt eigentlich jeder: Man freut sich auf ein schönes Essen im Restaurant und muss ewig auf eben dieses warten, oder das Essen wird kalt serviert oder ist nicht gar. Auch ärgerlich wenn die Jacke aus der Garderobe verschwindet. Muss man sich als Gast denn alles gefallen lassen? . . .

Das kennt eigentlich jeder: Man freut sich auf ein schönes Essen im Restaurant und muss ewig auf eben dieses warten, oder das Essen wird kalt serviert oder ist nicht gar. Auch ärgerlich wenn die Jacke aus der Garderobe verschwindet. Muss man sich als Gast denn alles gefallen lassen?

Lange Wartezeiten: Kommt das Essen erst, wenn einem der Appetit aufgrund langer Wartezeit vergangen ist, muss dies nicht hingenommen werden. So auch das LG Karlsruhe in seinem Urteil vom 12. 5. 1993 Az: 1 S 196/92 (so auch AG Hamburg). Die Kammer des Landgerichts vertrat die Auffassung, dass eine Wartezeit auf das Essen länger als 30 Minuten nicht akzeptabel ist und den Gast zur Rechnungskürzung berechtigt. Aber Achtung, es wäre nicht die deutsche Justiz, wenn es nicht auf den Einzelfall ankäme.

Ist das Essen nicht genießbar, muss zwischen Geschmack und Qualität unterschieden werden. Über Geschmack lässt sich bekanntlich vortrefflich streiten. Stimmt jedoch die Qualität nicht oder ist das Essen objektiv nicht okay, z. B. kalt oder nicht gar hat man das Recht dies zu reklamieren und eine neue Portion zu verlangen. Die Reklamation hat aber unverzüglich zu erfolgen und nicht erst wenn die Portion fast aufgegessen ist. Die Bezahlung kann allerdings verweigert werden, wenn man z. B. ein Pflaster oder ähnliches in der Suppe findet. Dann muss man dem Wirt nicht die Möglichkeit der Nacherfüllung einräumen. (AG Burgwedel, AG Garmisch Partenkirchen).

Welche Rechte bestehen wenn die Jacke verschwindet? Fast in jeder Gaststube findet man das Schild, dass der Gastwirt für die Garderobe und deren Inhalt keine Haftung übernimmt. Der BGH beurteilt die Sachlage differenzierter in seiner Entscheidung BGH VIII 33/79: Kann der Gast seine Jacke von seinem Tisch aus im Auge behalten, haftet der Gastwirt nicht. Befindet sich die Garderobe in einem anderen Raum und wird dort von dem Kellner aufgehängt, so haftet der Gastwirt für ihr Verschwinden.

Aber auch der Gastwirt hat Rechte: Reserviert man einen Tisch und sagt diesen nicht ab, obwohl man sich kurzfristig für einen gemütlichen Abend zu Hause entschieden hat, so kann dies zu einem Schadensersatzanspruch des Gastwirtes führen. Bei einem In-Lokal, in dem der Tisch schnell wieder belegt werden kann, besteht die Gefahr nicht. Allerdings in einem Feinschmeckerlokal, wo der Tisch an diesem Abend unbelegt bleibt, kann der unhöfliche Gast zur Kasse gebeten werden. Der Gastwirt ist allerdings dann in der Pflicht den Schaden auch zu beweisen.

Fazit: Das Geben und Nehmen muss stimmen – oder: Was Du nicht willst, was man Dir tut, dass füg’ auch keinem anderen zu.