Was ich glaube, soll auch mein Kind glauben oder was ich nicht glaube, soll das Kind nicht glauben

Angela Krall, Fachanwältin für Familienrecht

Stammen Eltern aus verschiedenen Kulturkreisen und verschiedenen Religionsgemeinschaften, so kommt es vermehrt zu Konflikten über die Frage, ob der betreuende Elternteil das Kind in eine bestimmte Religionsgemeinschaft integrieren kann, ohne die Zustimmung des anderen Elternteils dazu zu haben . . .

Stammen Eltern aus verschiedenen Kulturkreisen und verschiedenen Religionsgemeinschaften, so kommt es vermehrt zu Konflikten über die Frage, ob der betreuende Elternteil das Kind in eine bestimmte Religionsgemeinschaft integrieren kann, ohne die Zustimmung des anderen Elternteils dazu zu haben.

Zwei Oberlandesgerichte hatten jetzt hierzu Entscheidungen zu treffen, ob es der betreuenden Mutter erlaubt ist, das Kind römisch-katholisch taufen zu lassen und nach diesem ihrem Glauben das Kind zu erziehen, obwohl der Vater des jeweiligen Kindes mit seinen religiösen Vorstellungen einem anderen Glauben den Vorzug gab.

In dem einen Fall wollte die Mutter durch eine gerichtliche Entscheidung zur Frage der religiösen Erziehung des Kindes die alleinige Entscheidungsbefugnis. In dem anderen Fall wollte der andersgläubige Vater erreichen, dass er befugt war, den Austritt des Kindes aus der katholischen Kirche zu erklären.

In beiden Fällen wurde die Zurückweisung des jeweiligen Antrages damit begründet, dass vor dem Hintergrund der verschiedenen Kulturkreise der Eltern es nicht geboten ist, dass ein Kind bereits früh in eine bestimmte Religionsgemeinschaft fest zu integrieren ist. Ein Kind könne durchaus mit unterschiedlichen religiösen Vorstellungen seiner Eltern aufwachsen. Dies widerspreche nicht dem Kindeswohl. Nach dem Gesetz erreiche das Kind eine eigene Entscheidungsfreiheit erst ab dem 14. Lebensjahr. Bis zu diesem Zeitpunkt könne gewartet werden. Beide Gerichte sahen eine Notwendigkeit, zuvor eine Elternentscheidung zu ersetzen, nicht.

Zusammenfassend zeigen die angeführten Entscheidungen, dass die Gerichte, die grundsätzlich einem Elternteil die Entscheidungsbefugnis, wenn Eltern im Streit zu einer Einzelfrage in der Erziehung sind, sich dann zurückhalten, wenn der Streit der Eltern sich um die Zugehörigkeit des Kindes zu einer bestimmten Religionsgemeinschaft richtet. Hier soll nach beiden Oberlandesgerichten das Erreichen der Religionsmündigkeit des Kindes abgewartet werden, damit dies eine eigene Entscheidung treffen kann.