Wer bestimmt, was Kinder glauben?

Angela Krall, Fachanwältin für Familienrecht

Haben Eltern unterschiedliche Auffassungen über die Religionszugehörigkeit ihres Kindes, so kann nach § 1628 BGB einem Elternteil die alleinige Entscheidungsbefugnis dazu durch ein Gericht übertragen werden. Maßgeblich ist das Wohl des Kindes . . .

Haben Eltern unterschiedliche Auffassungen über die Religionszugehörigkeit ihres Kindes, so kann nach § 1628 BGB einem Elternteil die alleinige Entscheidungsbefugnis dazu durch ein Gericht übertragen werden. Maßgeblich ist das Wohl des Kindes.

Das OLG Hamm hatte über einen so gelagerten Fall zu entscheiden. Die Eltern des Kindes sind geschieden, gemeinsam sorgeberechtigt. Die Mutter, bei der das Kind lebt, ist Christin, der Vater ist Moslem.

Die Eltern haben bisher davon abgesehen, das Kind taufen oder beschneiden zu lassen. Ohne Einwände des Vaters besuchte das Kind einen katholischen Kindergarten und wechselte in eine katholische Grundschule, wo es am katholischen Religionsunterricht teilnahm.

Die Mutter beabsichtigte jetzt das Kind taufen zu lassen und auf die Erstkommunion vorzubereiten. Der Vater wollte dies nicht.

Das mit der Sache befasste Amtsgericht übertrug der Mutter die alleinige Entscheidungsbefugnis, dagegen richtet sich die Beschwerde des Vaters. Das OLG Hamm folgt der Auffassung des Amtsgerichts nicht.

Stammen die Eltern aus verschiedenen Kulturkreisen und gehören verschiedenen Religionsgemeinschaften an, so ist es nicht geboten, ein Kind frühzeitig endgültig in eine Religionsgemeinschaft zu integrieren, auch wenn das Kind selbst dies möchte. Dem Kind entstehe kein Nachteil, es könne weiterhin am Religionsunterricht teilnehmen.

Der Wunsch des Kindes sei hier nicht in den Vordergrund zu stellen. Nach § 5 RKEG (Gesetz über die religiöse Kindererziehung) steht den Kindern das Recht zur Entscheidung über das religiöse Bekenntnis erst ab dem 14. Lebensjahr zu.

Fazit: Das OLG Hamm wie auch das OLG Düsseldorf in anderer Entscheidung halten es nicht für geboten, Kinder frühzeitig in eine Religionsgemeinschaft zu integrieren, stammen die Eltern eines Kindes aus verschiedenen Kulturkreisen und gehören unterschiedlichen Religionsgemeinschaften an.