Eine Seefahrt die ist lustig, eine Seefahrt die ist schön – aber welches Recht gilt auf hoher See?

Henrike Krimmel, Fachanwältin für Familienrecht und für Miet- und Wohnungseigentumsrecht

Was wenn Kreuzfahrtschiffe kollidieren, defekt sind, in unruhige Wetter geraten, Häfen nicht anlaufen können, Routen verlegt werden müssen, die Kabine zu klein, das Essen schlecht ist, oder bei Seegang Passagiere verletzt werden? . . .

Was wenn Kreuzfahrtschiffe kollidieren, defekt sind, in unruhige Wetter geraten, Häfen nicht anlaufen können, Routen verlegt werden müssen, die Kabine zu klein, das Essen schlecht ist, oder bei Seegang Passagiere verletzt werden?

Grundsätzlich ist eine Kreuzfahrt eine Kombination aus Seepassage und Schiffsaufenthalt mit Verpflegung, Programm und Service. Hierauf finden die allgemeinen Vorschriften der §§ 651 a ff. BGB Anwendung wenn der Reisevertrag im Inland geschlossen wurde.

Bei Reisemängeln, bei denen die Kreuzfahrt nicht dem Prospekt entspricht, besteht u.U. ein Recht zur Minderung. Dafür muss der Reisende die Mängel noch auf dem Schiff dem Reiseleiter anzeigen und Abhilfe fordern. Achtung! Für die spätere Durchsetzung etwaiger Ansprüche sollten nicht nur Fotos und Anschriften von Zeugen gesammelt, sondern müssen die Mängel auch spätestens einen Monat nach Rückkehr beim Reiseveranstalter angezeigt werden.

Bei einer Routenänderung ist zu unterscheiden, ob diese in den Verantwortungsbereich der Reederei fällt, wie z.B. bei Maschinenschäden, Auflaufen auf ein Hindernis oder ob sie auf „höherer Gewalt“ beruht, wie z.B. wegen Schlechtwetters oder Terroranschlägen etc. Im ersten Fall kann der Passagier Schadensersatz und bei einem Minderungsrecht von mindestens 50 % auch Entschädigung wegen entgangener Urlaubsfreude verlangen. Im zweiten Fall kann der Passagier zwar Schadensersatz, aber keine Entschädigung verlangen.

Stürzt ein Passagier bei Sturm und Seegang, so gehört dies zum allgemeinen Lebensrisiko (so auch OLG Bremen, Az. 3 U 139/96) und kann nicht dem Reiseveranstalter oder der Reederei angelastet werden. Mängel an Bord, wie z.B. eine zu kleine Kabinentür, die trotz vertraglicher Vereinbarung nicht behindertengerecht war, ist nicht hinzunehmen (AG Bonn 4 C 191/96) und führt zu Minderungsansprüchen; gleiches gilt für Lärmbelästigung aufgrund technischer Defekte (AG Frankfurt 30 C 1259/05), etc.

Fazit: Auf hoher See und vor Gericht ist man in Gottes Hand.