Gefährliches Minigolf

Dr. Svenja Kahlke-Kreitzberg, Fachanwältin für Arbeitsrecht und für Medizinrecht

Sehr schmerzhafte Erinnerungen dürfte der Kläger in unserem heutigen Fall an seinen Aufenthalt 2005 in einem Fußball-Camp haben. Beim Ausholen mit einem Minigolfschläger war der damals Siebenjährige von einem anderen Kind im Gesicht getroffen worden . . .

Sehr schmerzhafte Erinnerungen dürfte der Kläger in unserem heutigen Fall an seinen Aufenthalt 2005 in einem Fußball-Camp haben. Beim Ausholen mit einem Minigolfschläger war der damals Siebenjährige von einem anderen Kind im Gesicht getroffen worden, hierbei ging ein Schneidezahn zu Bruch.

Da denkt man sich, kann ja mal unter Kindern passieren . . . Richtig, sollte es aber nicht, denn dafür gibt es ja schließlich Aufsichtspflichten. Diese liegen normalerweise bei den Eltern, im hiesigen Fall bei den Betreuern des Fußballcamps, die eine Gruppe mit 7- bis 12-jährigen Kindern zu beaufsichtigen hatten. Der für die Gruppe des Klägers zuständige Betreuer hielt sich zum Zeitpunkt des Vorfalles allerdings in einer Entfernung von ca. 100 m von den beiden Unglücksraben auf.

Zu weit weg, so das OLG Frankfurt in seiner Entscheidung vom 20. 11. 2007 (Az.: 3 U 91/06). Eine Aufsichtpflicht bei Kindern beinhalte u. a., die betroffenen Personen zu beobachten, zu belehren und aufzuklären, zu leiten und auf deren Verhalten Einfluss zu nehmen. Die Schlägerbewegung eines Kindes beim Minigolf stelle eine typische Gefährdungssituation dar, insbesondere bei Teilnahme anderer Kinder. Für erfahrene Eltern läge es auf der Hand, dass Kinder den Vorwärtsschwung des für sie relativ schweren Golfschlägers nicht richtig einschätzen können, der sich über ihre Schultern fortsetzt und dadurch dicht stehende andere Kinder im Gesicht verletzt werden können.

Das Gericht kommt zu dem Ergebnis, dass es nicht ausreiche, die Kinder entsprechend aufzuklären und zu belehren, sondern der Aufsichtpflichtige muss sich in unmittelbarer Nähe aufhalten, wenn Kinder in einer solchen Situation dicht beieinander stehen.

Dies bedeutet natürlich hohe Anforderungen an Kindergärtner, Lehrer und sonstiges Aufsichtspersonal, die oft gar nicht in ausreichenden Maße vorhanden sind. Aiuch Eltern macht die Entscheidung deutlich, dass es schon zu einer Haftung führen kann, 7-jährige Kinder „unbeaufsichtigt“ Minigolf spielen zu lassen. Der Abschluss einer Haftpflichtversicherung sollte daher für Eltern eine Selbstverständlichkeit sein.