Mein Freund der Baum – Mein Feind, der Nachbar

Dr. Svenja Kahlke-Kreitzberg, Fachanwältin für Arbeitsrecht und für Medizinrecht

So mancher Baum macht sich den "lieben" Nachbarn zum Feind, da er zu nah an der Grenze steht und seine Äste mit Blättern, Nadeln und Tannenzapfen auf das angrenzende Grundstück streckt . . .

So mancher Baum macht sich den "lieben" Nachbarn zum Feind, da er zu nah an der Grenze steht und seine Äste mit Blättern, Nadeln und Tannenzapfen auf das angrenzende Grundstück streckt. Dies ist Ursache für zahlreiche Nachbarschaftsstreitigkeiten. Grundsätzlich gibt es zwar Vorschriften, die dem Nachbarn das Recht auf Beseitigung von Bäumen, die unterhalb des Grenzabstandes gepflanzt worden sind, geben. Allerdings gilt dies nicht, wenn das Bäumchen seit mehr als 6 Jahren dort steht.

Aber auch nach 6 Jahren gibt es noch ein wenig Hoffnung: Stellen die störenden Äste eine wesentliche, objektive - d.h. nicht nur subjektive- Beeinträchtigung der Grundstücksnutzung dar, so kann u. U. ein Rückschnittsanspruch bestehen.

Wie hoch die Messlatte für solche Beeinträchtigungen ist, zeigt ein Urteil des OLG Saarbrücken vom 23.08.2007 (Az.: 8 U 385/06): Dort ragten die Äste zweier Fichtenbäume auf einen benachbarten Stellplatz.

Der Stellplatzeigentümer war erbost, dass sein geliebter Sportwagen durch die herabfallende Zapfen und tropfenden Baumharz beschädigt wurde.

Das Gericht ging aufgrund eines Sachverständigengutachtens jedoch davon aus, dass ein herabstürzender Zapfen von der Krone wahrscheinlich "etagenweise" herunterfalle und somit deutlich an Geschwindigkeit verlöre. Ein Aufprall auf dem Sportwagen sei daher harmlos.

Ein gewisses verbleibendes Restrisiko, dass ein Vogel einen Zapfen von der Fichte reißt und diesen unterwegs über dem Auto verliert, reichte dem Gericht zur Bejahung eines Rückschnittanspruchs ebenfalls nicht aus. Auch der tropfende Baumharz beschädige bei entsprechender Pflege den Sportwagen nicht, vielmehr sei es dem Kläger zuzumuten etwaige Harztropfen zeitnah durch Abwaschen von Hand zu entfernen. Das OLG Saarbrücken wies die Klage auf Rückschnitt daher ab.

Fazit: Eine gute Nachricht vor Weihnachten für alle Fichten.