Der Genuss der süßesten Früchte hat manchmal unangenehme Folgen . . .

Henrike Krimmel, Fachanwältin für Familienrecht und für Miet- und Wohnungseigentumsrecht

Herr Müller liebt die Kirschtaler mit Streuselbelag von dem Konditor seines Vertrauens. Doch bekanntlich ist Vertrauen gut, aber Kontrolle besser. Dies musste auch Herr Müller schmerzvoll erfahren. Beim herzhaften Biss in das gute Stück biss er auf einen Kirschkern, der sich in das Gebäck hineingemogelt hatte . . .

Herr Müller liebt die Kirschtaler mit Streuselbelag von dem Konditor seines Vertrauens. Doch bekanntlich ist Vertrauen gut, aber Kontrolle besser. Dies musste auch Herr Müller schmerzvoll erfahren.

Beim herzhaften Biss in das gute Stück biss er auf einen Kirschkern, der sich in das Gebäck hineingemogelt hatte. Ein böses Schimpfwort aus tiefster Seele, aber dass rettete den abgebrochenen Eckzahn auch nicht mehr.

Die Zahnarztkosten für den Zahnersatz in Höhe von ca. 240 EUR und ein angemessenes Schmerzensgeld verlangte der Unglücksrabe nun vom Konditor.

Der Rechtsstreit ging durch die Instanzen. Die beiden Vorinstanzen kamen zu dem Ergebnis, dass der Konditor zahlen müsse, da es sich bei dem eingebackenen Kirschkern um einen Produktfehler handele. Aber dann kam der Fall bei den Richtern des BGH zur Entscheidung auf den Tisch. Jeder, der schon einmal einen Kirschkuchen gebacken hat, weiß, dass es eine Sicherheit vor versteckten Kirschkernen nicht geben kann. Dies wäre nur zu erreichen, wenn die Kirschen durch ein Sieb gedrückt würden. Damit würde man aber nur Kirschsaft erhalten, mit dem das Backen eines Kirschtalers unmöglich wäre.

Somit verbliebe nur die Möglichkeit, jede Kirsche einzeln zu untersuchen, ob sie wirklich entkernt ist. Dies ist allerdings dem Konditor vom Arbeitsaufwand nicht zuzumuten. Dies vor allem weil von einem Kirschkern keine schwerwiegende Gesundheitsgefahr ausgeht.

Schließlich weiß auch jedes Kind, dass eine Kirsche eine Steinfrucht ist. Der Konsument kann folglich nicht davon ausgehen, dass ein Kirschtaler keine Kirschkerne enthalte. Wer Kirschen isst, muss mit Kernen rechnen. Wer aber zahlt die Arztkosten, wenn beim genussvollen Biss in den Kuchen ein Stück Zahn abbricht, weil sich in dem süßen Teil ein Kirschkern versteckt hielt? Der Kunde, entschied nun der Senat des Bundesgerichtshofs.

Fazit: Der Mann mit dem abgebrochenen Zahn muss nun nicht nur die Zahnarztrechnung sondern auch noch die Gerichtskosten zahlen (BGH, Az.: VI ZR 176/08), da der Verzehr von Kirschtalern zum allgemeinen Lebensrisiko gehört.