Recht und Service

Rasen gesprengt – Keller geflutet

Michael Kleimt, Fachanwalt für Verwaltungsrecht und für Erbrecht

Nachbarhilfe ist ja gerade auch im Urlaub eine feine Sache – wenn sie nicht zu solchen Folgen führt wie die, über die das OLG Koblenz (Urteil vom 7. 7. 2015, 3 U 1468/14) zu entscheiden hatte . . .

Nachbarhilfe ist ja gerade auch im Urlaub eine feine Sache – wenn sie nicht zu solchen Folgen führt wie die, über die das OLG Koblenz (Urteil vom 7. 7. 2015, 3 U 1468/14) zu entscheiden hatte:

Der Nachbar hatte sich während des Urlaubs des Hauseigentümers – unentgeltlich – um die Bewässerung des Gartens gekümmert. Dabei hatte er danach zwar die Spritze des Gartenschlauches zugedreht, aber den Wasserhahn nicht abgedreht. In der folgenden Nacht löste sich aufgrund des anhaltenden Wasserdruckes die Spritze des Schlauches und das Wasser lief in den Kellerbereich des Hauses. Der Sachschaden ging in den fünfstelligen Bereich. Der Schaden wurde zwar zunächst von der Gebäudeversicherung reguliert. Diese forderte dann aber Ersatz von dem hilfsbereiten Nachbarn.

Haftung nur für grobe Fahrlässigkeit

Auch wenn man unentgeltlich und alleine aus Gefälligkeit für einen anderen tätig wird, haftet man für Verschulden, so das OLG Koblenz. Immerhin komme man bei seiner Gefälligkeit ja mit erheblichen Vermögenswerten – dem Haus – in Berührung, die zu schützen seien. Angesichts der Tatsache, dass die Tätigkeit ohne eigenes Interesse, vielmehr nur aus Hilfsbereitschaft ausgeführt werde, könne die Haftung aber nicht uferlos sein, sondern müsse eingegrenzt werden. Anderenfalls werde sich niemand mehr zu solchen Gefälligkeiten bereit finden. Deswegen sei die Haftung auf Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit begrenzt. Dies gelte im Übrigen unabhängig davon, ob der Schädiger über eine private Haftpflichtversicherung verfüge oder nicht.

Glück gehabt – grobe Fahrlässigkeit sah das Gericht nicht als gegeben an. Der Nachbar hätte nicht damit rechnen müssen, dass sich die Spritze löse und eindringendes Wasser Schäden im Keller verursachte. Das hätte man möglicherweise auch anders sehen können.

Solinger Tageblatt, 18. September 2015