Generation Praktikum

Dr. Svenja Kahlke-Kreitzberg, Fachanwältin für Arbeitsrecht und für Medizinrecht

Praktikanten sind sowohl in kleinen als auch in großen Unternehmen durchaus gern gesehen. Doch Vorsicht, denn die Abgrenzung zwischen Praktikant und Arbeitnehmer ist durchaus problematisch . . .

Praktikanten sind sowohl in kleinen als auch in großen Unternehmen durchaus gern gesehen. Doch Vorsicht, denn die Abgrenzung zwischen Praktikant und Arbeitnehmer ist durchaus problematisch.

Das Praktikum dient grundsätzlich zu Ausbildungszwecken, ohne den strengen Regelungen des Berufsbildungsgesetzes zu unterfallen. Praktika, die von Schulen oder Studienordnungen angeordnet sind, sind dabei unproblematisch. Immer öfter suchen aber auch Studenten neben der Studienordnung Praktika, um sich weiterzubilden oder Schulabgänger, die keinen Ausbildungsplatz bekommen haben, versuchen, auf diese Weise ihren Lebenslauf aufzufrischen. Beliebt ist es auch, jemanden erst einmal ein „Praktikum“ machen zu lassen, bevor man ihn einstellt. Dabei besteht die Gefahr, dass das Praktikumsverhältnis in Wahrheit bereits ein Arbeitsverhältnis ist.

Wichtig ist daher zunächst der Abschluss eines schriftlichen Vertrages, da im Arbeitsrecht das Fehlen eines solchen Vertrages in der Regel zu Lasten des Unternehmens geht. Insbesondere bei den sogenannten Einfühlungsverhältnissen von Bewerbern spielt dies eine erhebliche Rolle. Ein solches „Praktikum“ sollte allerdings bei einfachen Tätigkeiten auf maximal 1 Woche, bei schwierigeren Tätigkeiten auf 1 bis 2 Tage mehr beschränkt sein.

In allen anderen Fällen sollte es tatsächlich im Kern um eine Ausbildung oder Einführung in den jeweiligen Beruf gehen. Wird die Tätigkeit üblicherweise von einem regulären Arbeitnehmer ausgeübt, ist von einem Arbeitsverhältnis auszugehen. Trifft der Praktikant eigene Entscheidungen, tritt gegenüber Kollegen und Kunden als Ansprechpartner auf, finden keine Besprechungen der Arbeitsergebnisse statt, fehlt ein Praktikumsplan oder wird der Praktikant als Vertreter eines anderen Mitarbeiters tätig, sind dies Indizien für das Vorliegen eines Arbeitsverhältnis

Vor einem entsprechenden Einsatz sollte daher eine Planung erfolgen. Alleine auf den Vertrag kommt es hierbei nicht an, sondern auf die tatsächliche Durchführung.