Entschädigung für nutzlos aufgewandter Urlaubszeit auch für Mitreisende?

Henrike Krimmel, Fachanwältin für Familienrecht und für Miet- und Wohnungseigentumsrecht

Viele Menschen verreisen nicht gern allein. Meistens kümmert sich dann einer für die anstehende Reise um die Buchung etc. Dieser ist dann auch alleiniger Vertragspartner des Reiseveranstalters . . .

Viele Menschen verreisen nicht gern allein. Meistens kümmert sich dann einer für die anstehende Reise um die Buchung etc. Dieser ist dann auch alleiniger Vertragspartner des Reiseveranstalters. Aber wenn bei der Reise etwas schief läuft, diese z. B. abgesagt wird, wer kann dann Entschädigungsansprüche geltend machen?

Der Bundesgerichtshof hat mit Urteil vom 26. 5. 2010 (Az. Xa ZR 124/09) jetzt aktuell über die Frage entschieden, unter welchen Voraussetzungen ein Reisender Ansprüche auf eine angemessene Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit auch für Mitreisende geltend machen kann, wenn er die Reise alleine gebucht hat.

In dem der Entscheidung zugrunde liegenden Fall hatte der Kläger für sich und seine Ehefrau eine Kreuzfahrt gebucht. Die Reise sollte am 30. Mai starten. Am 9. Mai sagte der beklagte Reiseveranstalter die Reise ab und bot die Umbuchung auf ein Jahr später oder wahlweise die Stornierung der Reise an. Der Kläger stornierte die Reise und machte gleichzeitig fristgerecht die Entschädigung für sich und seine Ehefrau geltend. Erst viel später trat die Ehefrau ihre Ansprüche an ihn ab.

Der Beklagte lehnte die Zahlung für die Ehefrau mit der Begründung ab, dass ihr Anspruch nicht innerhalb der gesetzlichen Frist geltend gemacht worden sei. Der Ehemann habe vollmachtslos gehandelt und dieses Handeln habe sie auch nicht innerhalb der gesetzlichen Frist genehmigt.

Der Senat beurteilte die Sachlage allerdings anders: Er vertrat sogar die Auffassung, dass der Ehemann die Ansprüche seiner Ehefrau aus eigenem Recht geltend machen könne, da er Vertragspartner sei. Dem stehe auch nicht entgegen, dass Entschädigungsansprüche höchstpersönlicher Natur seien. Für den Senat reichte die Geltendmachung durch den Ehemann als vollmachtloser Vertreter der Ehefrau aus, da sie später die Genehmigung erteilt habe. Dies muss nicht innerhalb der Monatsfrist erfolgen, so der Senat.

Fazit: Es gibt zwar Entschädigungsansprüche, aber Achtung, liebe Urlauber, diese müssen innerhalb der kurzen Frist des § 651g BGB, mithin innerhalb eines Monats nach vertraglichem Reiseende geltend gemacht werden.