Recht und Service

Entfernen vom Unfallort

Eines der liebsten Kinder des deutschen Ermittlers, des deutschen Anzeigenerstatters ist nach wie vor der Vorwurf des Entfernens vom Unfallort. Voraussetzung ist zunächst, dass es zu einem Unfallereignis im öffentlichen Straßenverkehr gekommen ist . . .

Eines der liebsten Kinder des deutschen Ermittlers, des deutschen Anzeigenerstatters ist nach wie vor der Vorwurf des Entfernens vom Unfallort.

Voraussetzung ist zunächst, dass es zu einem Unfallereignis im öffentlichen Straßenverkehr gekommen ist. In den Fällen, in denen ein sogenannter bedeutender Schaden vorliegt (zurzeit noch bei ca. 1.300,00 €) oder ein Personenschaden eingetreten ist, wird die Polizei die Fahrerlaubnis regelmäßig noch vor Ort entziehen. Es besteht die Möglichkeit des Widerspruchs, soweit die entsprechenden Voraussetzungen allerdings tatsächlich vorliegen, wird diese Entziehung regelmäßig richterlich bestätigt.

Interessant für die oder den Beschuldigten sind die Fälle, in denen man schlichtweg und ergreifend „nichts gemerkt“ hat. Eine zunächst einmal von wenig Originalität geprägte Schutzbehauptung, die von den Ermittlungsbehörden, gegebenenfalls unter Hinzuziehung eines Sachverständigen, geprüft werden kann. Hier spielen drei überprüfbare Kriterien eine Rolle. Die etwaige akustische oder optische Wahrnehmbarkeit ergibt sich bereits aus der Formulierung. Es kommt hier auf den jeweiligen Einzelfall an.

Die dritte und in der Regel „problematischste“ Wahrnehmungsmöglichkeit ist taktiler Natur. Es handelt sich um ein etwaiges „Ruckeln“, welches je nach Stellung der betroffenen Fahrzeuge zueinander, mehr oder weniger oder auch gar nicht, wahrnehmbar ist. Hier der Bereich, in dem sich sachverständig regelmäßig die Schutzbehauptung von der wahrheitsgemäßen Aussage trennt.

Dies ein Komplex, in welchem regelmäßig sehr genau gegenüber den Ermittlungsbehörden argumentiert werden muss. Ein Bereich, der ohne fachliche Beratung – bereits wegen nicht existenten Akteneinsichtsrechtes – nicht allein wahrgenommen werden kann.

Solinger Tageblatt, 13. November 2015