Behindertes Kind - Diskriminierung?!

Ulrich Kalkum, bis 2010

Eine Mitarbeiterin hatte ein behindertes Kind geboren und am Arbeitsplatz anschließend immer wieder Probleme bekommen, zum Beispiel weil sie wegen der notwendigen Pflege des Kindes nicht immer pünktlich zur Arbeit erscheinen konnte . . .

Heute zur Abwechslung einmal ein Arbeitsrechtsfall aus England, der sich aber überall jederzeit in gleicher oder ähnlicher Form ereignen kann.

Ausgangslage: Eine Mitarbeiterin hatte ein behindertes Kind geboren und am Arbeitsplatz anschließend immer wieder Probleme bekommen, zum Beispiel weil sie wegen der notwendigen Pflege des Kindes nicht immer pünktlich zur Arbeit erscheinen konnte. Genau wegen dieses Zuspätkommens bekam sie dann Ärger mit ihrem Arbeitgeber. Sie verteidigte sich damit, andere Mütter seien auch nach der Entbindung ihrer Kinder in die Firma zurückgekehrt; da auch gesunde Kinder einmal krank würden oder sonstige Probleme zu bestehen seien, seien Arbeitskolleginnen mit nichtbehinderten Kindern in der Vergangenheit auch zu spät gekommen. Dies habe man aber seitens des Arbeitgebers nicht kritisiert. Sie mit ihrem behinderten Kind sei insoweit die Einzige, die dies aushalten müsse. Antwort des Arbeitgebers (sinnigerweise eine Anwaltskanzlei): Die Mitarbeiterin ist doch gar nicht behindert, kann also nicht wegen Behinderung diskriminiert werden.

Antwort des europäischen Gerichtshofes am 22.5. 2008, AZ: RS C 462/06: Weit gefehlt! Behindertendiskriminierung sei nicht notwendig an die Person des Arbeitnehmers geknüpft, auch im Falle der Behinderung eines nahen Angehörigen wie hier würde die Diskriminierungsrichtlinie eingreifen.

Ergebnis: Die Arbeitnehmerin hat gewonnen.

Mein Kommentar: Hier lagen die englischen Kollegen völlig schief! Dem Gericht gilt mein Beifall.