Kind auf dem Spielplatz allein gelassen – Aufsichtspflicht verletzt?

Angela Krall, Fachanwältin für Familienrecht

Die Frage, wann Eltern ihre Verpflichtung zur Führung der Aufsicht über ihr Kind verletzt haben, stellt sich dann, wenn ein Kind einen Schaden verursacht hat und der Geschädigte die Eltern auf Ersatz des Schadens in Anspruch nehmen will . . .

Die Frage, wann Eltern ihre Verpflichtung zur Führung der Aufsicht über ihr Kind verletzt haben, stellt sich dann, wenn ein Kind einen Schaden verursacht hat und der Geschädigte die Eltern auf Ersatz des Schadens in Anspruch nehmen will.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte vor kurzem über einen Sachverhalt zu entscheiden, der sich wie folgt darstellte: Der 5 ½ Jahre alte Max und der 7 ½ Jahre alte Moritz hatten insgesamt 17 Fahrzeuge, die auf einem Parkplatz standen, der zu einem Wohnkomplex gehört, zerkratzt. Dort war auch der Spielplatz, auf dem Max und Moritz zuvor gespielt hatten.

Die Geschädigten wollen von den Eltern des 5 ½-jährigen Moritz ihren Schaden ersetzt bekommen.

Amts- und Landgericht haben die Klage der Geschädigten zurückgewiesen. Der BGH hat sich mit der Frage auseinander gesetzt, wann die Eltern ihrer Aufsichtspflicht genügen oder diese verletzt haben.

In welchem Maße die Aufsicht geboten ist, bestimmt sich nach Auffassung der Gerichte nach Alter, Eigenart und Charakter eines Kindes, weiterhin nach der Voraussehbarkeit des schädigenden Verhaltens des Kindes.

Im vorliegenden Fall wurde festgestellt, dass Max und Moritz vorher nicht durch ähnliche Taten aufgefallen waren und nicht zu Streichen oder aggressivem Verhalten neigten. Die Eltern der Kinder haben vorgetragen, dass sie ihre Kinder stets angehalten haben, das Eigentum anderer zu achten.

Im Ergebnis hat der BGH im vorliegenden Fall ebenso wie die vorbefassten Gerichte die Auffassung vertreten, dass nach seinem Entwicklungs-zustand ein 7-jähriges Kind auf dem Spielplatz über einen Zeitraum von bis zu 2 Stunden unbeaufsichtigt spielen kann, wenn es zuvor darauf hingewiesen wird, den Spielplatz nicht zu verlassen.

Bei einem 5 ½-jährigen Kind wurde der Zeitrahmen anders gesehen, und zwar müsse ein Kind dieses Alters in regelmäßigen Abständen von höchstens 30 Minuten kontrolliert werden. Ein längerer Abstand der Kontrolle sei nicht ausreichend, weil der kindliche Spieltrieb und Übermut sowie ein geringeres Verständnis für das Eigentum Dritter einen höheren Kontrollbedarf veranlasst.

Fazit: Je kleiner das Kind ist, je lückenloser ist es zu beaufsichtigen. Bei Minderjährigen, die zu Streichen oder sogar Straftaten neigen, ist ein erhöhtes Maß an Aufsicht geboten.