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FDP schreibt Frieden vorerst ab

Von Thomas Kraft

Der Konflikt ist so alt wie das Jahrtausend. Vermutlich fing es sogar schon früher an. Die Namen der Gegner in der FDP haben zwischenzeitlich immer mal wieder gewechselt. Nur getan hat sich eigentlich nichts. Goedecke gegen Dorten; Müller gegen Goedecke; Wienhöfer gegen Müller; Neuhaus gegen Bertenburg; Neuhaus gegen Müller - die Duelle gehen den Liberalen nicht aus. Im ewig gleichen Spiel proben die Unangepassten den Aufstand gegen die Etablierten der Partei. Und nach guter Tradition sind die Gräfrather Liberalen immer ganz vorne dabei, wenn es gilt, Widerstand zu organisieren. Der FDP-Zirkel im historischen Ortsteil gefällt sich als gallisches Dorf.

In den letzten Jahren haben die Gallier fleißig nach Bündnispartnern gesucht: Der Burger Ortschef Jörg Neuhaus hat sich auf ihre Seite geschlagen und wurde gleich zweimal als Herausforderer um den Parteivorsitz in den offenen Kampf geschickt. Beide Male holte er sich eine blutige Nase. 2008 gegen den langjährigen Bürgermeister und früheren Fraktionschef Heinz-Eugen Bertenburg, am Montag dann gegen dessen Nachfolger Ulrich G. Müller (ST berichtete). Das ist der Mann, der 2002 den Ambitionen des Gräfrather Apothekers Dr. Stefan Goedecke ein Ende bereitete an die Parteispitze vorzudringen. In Müllers Amtszeit gelang es nie, das Kriegsbeil zu begraben.

Angetrieben von ihrem Querdenker Dr. Elmar Wienhöfer lassen die Gräfrather nicht locker. Sie kritisieren die Führungsclique, sprechen von einem Kungel-Klübchen, das seit jeher das Revier unter sich aufteile und dabei versäume, der FDP ein unverwechselbares Profil zu verpassen und endlich den fälligen Generationswechsel zu vollziehen.

Streit über den richtigen Kurs der Liberalen

Dieser Strömung haben sich auch Ratsmitglieder wie der Höhscheider Jürgen-Hugo Hans oder Mitte-Mann Rainer Villwock angeschlossen und tragen das Problem damit weiter in die Fraktion. Beide bestreiten nicht, dass das Zusammenleben dort kein Leichtes ist. „Natürlich rappelt es öfter mal“, erzählt Jürgen-Hugo Hans. In der Tagespolitik komme es regelmäßig zu Meinungsverschiedenheiten. Ob es nun um die Zukunft des Klinikums, der Altenzentren und die grundsätzliche Haltung zur Privatisierung kommunaler Einrichtungen geht oder um Bündnisoptionen für die Liberalen. Und zu oft fühlt sich die fraktionsinterne Opposition von Müller, Bertenburg oder Fraktionschefin Gabriele Reimers abgebügelt. Neuhaus sei es im Parteivorstand ähnlich ergangen.

Köpfe wie Hans und Villwock halten es etwa für falsch, sich zu stark auf die CDU als Partner zu fixieren. Bis heute bedauern sie es, nach der Kommunalwahl keine ernsthaften Gespräche mit der BfS geführt zu haben. Aber auch hier laufen sie gegen die Wand.

Neuhaus hat inzwischen genug davon und noch am Montag alle Ämter hingeschmissen. Kein glücklicher Abgang, urteilen selbst seine Sinnesgenossen. Verständnis zeigen sie dennoch. „Es wird sehr schwierig für die FDP“, sagt Jürgen-Hugo Hans voraus. Ein Friedensangebot kommt nicht über seine Lippen.

So wenig wie über die von Ulrich G. Müller. Der neue alte FDP-Chef sieht die Gegenseite am Zug. Diese müsse begreifen, dass sie nicht mit der Brechstange die Macht an sich bringen und die Partei umkrempeln könne. Die vorzugsweise übers Internet abgefeuerten Querschüsse aus Gräfrath ist er leid. Vier Jahr lang habe er zwischen 2002 und 2006 versucht, die dortigen Liberalen zurückzugewinnen. Erfolglos, wie er sagt. Ebenso hätten seine Kompromissvorschläge nicht gefruchtet - etwa Neuhaus im Fall einer Niederlage zum Stellvertreter zu machen. Der lehnte dankend ab, weil er darin nicht mehr als eine Beruhigungspille sah.

Den Gräfrathern und Neuhaus gehe es allein um die Macht, sagt Müller. Doch das wolle niemand zugeben. Vorerst verspürt er wenig Lust, auf die Gegner zuzugehen. Auch im Ortsverband Burg sieht er wenig anbrennen. Dort werden Neuhaus’ Stellvertreter bis zum nächsten Parteitag im Februar 2011 die Geschäfte führen. Vielleicht, so meint Müller, sei dann auch der Zeitpunkt gekommen, über eine Vereinigung des Ortsverbandes mit Höhscheid nachzudenken.