Weltkulturerbe Palmyra komplett in Händen der IS-Fanatiker

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Ruinen des antiken Palmyra im Licht der Sonne: Droht dem historischen Ort die Zerstörung? Foto: Youssef Badawi

In Syrien liefern sich das Regime und die Terrormiliz Islamischer Staat erbitterte Schlachten. Die Dschihadisten erobern die historische Oasenstadt Palmyra. Werden sie das Unesco-Weltkulturerbe zerstören?

Damaskus (dpa) - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat nach heftigen Kämpfen die historische Oasenstadt Palmyra in Zentralsyrien vollständig eingenommen. Zugleich gebe es Informationen, dass sich die Kräfte des Regimes zurückzögen, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Ein Aktivist in Palmyra bestätigte dem arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira, dass die syrische Armee zurückgewichen sei und die Terrormiliz die Stadt eingenommen habe. Viele Familien hätten die Flucht ergriffen.

Ein anderer Aktivist berichtete dem britischen Sender BBC, die Terrormiliz und Regierungstruppen hätten Palmyra heftig bombardiert. Es habe auch schwere Gefechte gegeben.

Nach der Einnahme Palmyras kontrolliert der Islamische Staat nun rund die Hälfte der Fläche des Landes. Die humanitäre Lage in Palmyra sei schwierig, sagte der Leiter der Menschenrechtler, Rami Abdel Rahman, der Deutschen Presse-Agentur. So sei die Stromversorgung unterbrochen.

Aktivisten des Medienzentrums Palmyra berichteten, es gebe auch kein Wasser und keine medizinische Versorgung mehr. Ihnen zufolge halten sich noch mehrere Zehntausend Menschen in der Stadt auf, darunter viele Flüchtlinge aus anderen Gebieten. Die Angaben der Aktivisten zur Lage in der Stadt ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

Palmyras gut erhaltene Ruinen aus den ersten Jahrhunderten nach Christus gehören zum Unesco-Weltkulturerbe. Die einstige Handelsmetropole gilt als einer der bedeutendsten Komplexe antiker Bauten im Nahen Osten. Es wurde befürchtet, dass die Dschihadisten die Kulturstätte zerstören könnten. Im Nordirak hatten IS-Anhänger im Frühjahr schon einmalige Kulturstätten zerstört, darunter die Ruinen der Jahrtausende alte Stadt Nimrud und die Grabungsstätte Ninive. Aufnahmen ihrer Taten stellten sie ins Internet.

Falls Palmyra vom IS zerstört werden sollte, wäre dies "ein unersetzlicher Verlust für die Menschheitsgeschichte" und auch für das syrische Volk, sagte der Direktor des Vorderasiatischen Museums Berlin, Markus Hilgert. Schließlich sei die Oasenstadt nicht nur "Identitätsort" für die Bevölkerung, sondern potenziell auch ein zentrales touristisches Ziel in dem Land.

Nach dem Vormarsch in Palmyra kontrolliere der IS nun rund 40 Prozent der Fläche Syriens, sagte der Leiter der Menschenrechtsbeobachter, Rami Abel Rahman, der Deutschen Presse-Agentur. Die Extremisten hätten zudem fast alle Ölfelder des Landes eingenommen. Der IS finanziert sich zu einem großen Teil aus dem Ölschmuggel.

Auch in Nordsyrien verlor das Regime in Kämpfen gegen Islamisten an Boden. In der Provinz Idlib rückte das Rebellen-Bündnis Dschaisch al-Fatah nach Berichten von Oppositionsmedien auf die Stadt Aricha vor. Die radikale Al-Nusra-Front, der syrische Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida, und ihre Verbündeten hatten am Dienstag den letzten großen Militärstützpunkt des Regimes in der Region, eingenommen. Bei Luftangriffen der Regierung starben in Idlib mehr als 70 Menschen, darunter 22 Zivilisten.

Bericht Al-Dschasira, Englisch

Bericht BBC

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