USA und Russland rücken im Kampf gegen IS näher zueinander

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"Wir haben die gleichen Ziele", erklärte US-Außenminister John Kerry zu Gesprächen mit Russland über ein mögliches Bündnis gegen die Terrormiliz Islamischer Staat. Foto: Michael Reynolds

Zwischen Moskau und Washington herrscht Eiszeit - eigentlich. Der gemeinsame Feind IS könnte beide Seiten wieder näher zueinander bringen. Die USA gingen zumindest auf einen russischen Gesprächsvorschlag ein.

London (dpa) - Im Kampf gegen die Terrormiliz IS wollen die USA und Russland offenbar zusammenrücken. "Würden wir die Hilfe Russlands im Kampf gegen den IS willkommen heißen - ganz offenkundig", sagte Kerry am Samstag nach Gesprächen mit seinem britischen Amtskollegen Philip Hammond in London.

Tags zuvor hatten bereits die Verteidigungsminister Sergej Schoigu und Ashton Carter ausführlich miteinander telefoniert.

"Wir haben die gleichen Ziele", sagte Kerry dem britischen Fernsehsender Channel 4. "Der IS muss zerstört, komplett gestoppt werden", betonte er. Gemeinsame Gespräche mit Russland seien notwendig, um die militärischen Operationen gegen den IS, etwa in Syrien, zu koordinieren.

Kerry kündigte an, die USA würden ihre Bemühungen im Kampf gegen den IS verstärken. "Und wir müssen sicherstellen, dass diese sich nicht überschneiden mit Russlands Bemühungen - es ist also offensichtlich, dass Konversation notwendig ist." Es gebe schon eine ganze Zeit lag Gespräche über die Zusammenarbeit mit Russland. Moskau hatte zuletzt den Einsatz von Bodentruppen in Syrien nicht mehr völlig ausgeschlossen, sollte Syrien darum bitten.

Es bleibe jedoch zwischen beiden Ländern die Frage offen, wie die Zukunft von Syriens Machthaber Baschar al-Assad aussehe, sagte Kerry weiter. Russland und der Iran gehören zu den letzten Verbündeten des Assad-Regimes. Russland geht davon aus, dass die reguläre syrische Armee für den Kampf gegen den Islamischen Staat unersetzlich ist und Assad das Land vor dem völligen Zerfall bewahrt. Für die USA ist Assad dagegen Teil des Problems und nicht der Lösung. Sie sehen für ihn keinen Platz im künftigen Syrien.

Russland hatte in den vergangenen Tagen seine Präsenz in Syrien massiv ausgebaut und den USA Gespräche zur militärischen Strategie vorgeschlagen. Die US-Regierung ging am Freitag darauf ein, als die Verteidigungsminister beider Länder miteinander telefonierten. Am Sonntag wird Kerry in Berlin erwartet.

Hammond erklärte, die Situation in Syrien werde immer komplizierter. Großbritannien halte sich weiter die Option offen, in Syrien wie bereits im Irak auch militärisch gegen den IS vorzugehen. Allerdings sei dies Teil eines größeren und komplexeren Problems: "Der Migrationsdruck, die humanitäre Krise, genauso wie die Notwendigkeit, den IS zu besiegen", sagte Hammond.

Islamistische Rebellen haben unterdessen 56 syrische Soldaten getötet, die sie bei der Eroberung eines Militärflughafens im Nordwesten des Landes gefangen genommen hatten. Die Kämpfer des Assad-Regimes seien in den vergangenen Tagen an der ehemaligen Armeebasis Abu al-Dhuhur in der Provinz Idlib getötet worden, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag mit.

Die Rebellen, geführt von der Al-Nusra-Front, dem syrischen Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida, hatten die letzte Hochburg der Regierung in der Provinz am 9. September eingenommen und nach Berichten der Menschenrechtler seitdem insgesamt 71 Soldaten getötet.

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