Assad blockiert Hilfe

Trotz Waffenruhe neue Gewalt in Syrien

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Nach Luftangriff: Vor einem zerstörten Auto blickt ein syrisches Kind prüfend in Richtung Himmel. Foto: Mohammed Badra/Archiv

Seit Montag gilt im Bürgerkriegsland Syrien eine Waffenruhe. Sie soll Hilfe für Notleidende in belagerten Gebieten ermöglichen. Doch die Lieferungen könnten sich durch neue Gewalt weiter verzögern.

Damaskus (dpa) - Trotz der vereinbarten Waffenruhe in Syrien haben sich Regierungstruppen und islamistische Rebellen im Osten der Hauptstadt Damaskus heftige Kämpfe geliefert. Es handelt sich um den bisher stärksten Verstoß gegen die seit Montag geltenden Feuerpause.

Armee und Rebellen hätten sich in der Region um den Ort Dschubar gegenseitig mit Granaten beschossen, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Die von den USA und Russland ausgehandelte Waffenruhe war am Montag in Kraft getreten. In den folgenden Tagen hielt sie trotz regelmäßiger Verstöße weitgehend. Die Feuerpause soll dazu dienen, notleidende Menschen in belagerten Gebieten zu versorgen.

Die Kontrahenten gaben sich gegenseitig die Schuld für den Bruch der Waffenruhe. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete, "Terrorgruppen" hätten einen Angriff gestartet und Granaten auf benachbarte Gebiete gefeuert. Drei Menschen seien verletzt worden.

Oppositionelle Medien berichteten hingegen, die syrische Armee und verbündete Milizen seien für den Bruch der Waffenruhe verantwortlich. Die islamistische Rebellengruppe Failak al-Rahman verbreitete über Twitter, sie habe einen Angriff des Regimes abgewehrt. Die Beobachtungsstelle erklärten, das Regime habe am Freitagmorgen mehr als 20 Granaten und Raketen auf Dschubar abgefeuert.

Zu Gewalt kam es auch in der nordsyrischen Stadt Aleppo und in der Provinz Idlib. Dort starben in der Stadt Chan Scheichun bei Luftangriffen nach Angaben der Beobachtungsstelle ein Mann und zwei Kinder. Es seien die ersten Zivilisten gewesen, die seit Beginn der Waffenruhe durch Luftangriffe getötet wurden.

Trotz einiger Rückschläge hält die Feuerpause nach Einschätzung Russlands. Moskau sei bereit, seinen Einfluss auf Syriens Regierung zu nutzen, um eine völlige Umsetzung des Waffenstillstands zu erreichen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Russland hoffe, dass die USA ihrerseits bereit seien, sich bei den Rebellen einzusetzen.

Das Warten auf Hilfstransporte ging unterdessen weiter. Rund 40 Lastwagen mit Hilfsgütern stehen seit Tagen an der Grenze zur Türkei bereit, haben aber bislang vom Regime kein grünes Licht bekommen.

Nach UN-Angaben sind mehr als 600 000 Zivilisten in Syrien von der Außenwelt abgeschnitten und grauenhaften Bedingungen ausgesetzt. Die meisten Gebiete werden von der Regierung belagert. Besonders dramatisch ist die Lage in den Rebellengebieten der Stadt Aleppo in Nordsyrien. Dort sind bis zu 300 000 Menschen eingeschlossen.

Ausgenommen von der Feuerpause sind Terrorgruppen wie der Islamische Staat (IS) und die radikale Miliz Fatah-al-Scham-Front (früher: Al-Nusra-Front). Allerdings haben sich die USA als Unterstützer der Opposition und Russland als Verbündeter der syrischen Regierung noch nicht darauf geeinigt, welche Rebellen als Terrorgruppen gelten.

Die Waffenruhe soll auch den Weg zur Wiederaufnahme der ausgesetzten Genfer Friedensgespräche ebnen. Es ist der zweite Versuch der USA und Russlands, eine dauerhafte Feuerpause zu erreichen. Ein erster Versuch war im Frühjahr gescheitert. In dem rund fünfjährigen Bürgerkrieg sind nach UN-Angaben bisher mehr als 400 000 Menschen getötet worden. Große Teile des Landes sind zerstört.

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