Treffen mit Angela Merkel

Tsipras-Besuch: "Müssen uns besser verstehen"

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Bundeskanzlerin Angela Merkel empfängt Alexis Tsipras mit militärischen Ehren.

Berlin/Athen - Seit Montagnachmittag ist Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras zum Antrittsbesuch in Berlin zu Gast. Im Gepäck hat er die Reformliste, die in Athen ausgearbeitet wird. Die hat es durchaus in sich. Im Vorfeld des Besuchs melden sich viele Stimmen zu Wort.

+++ Alexis Tsipras verteidigt sein von der Staatspleite bedrohtes Land mit großem Selbstbewusstsein. Locker tritt er im Kanzleramt neben Angela Merkel auf. Die Währung, für die er hier aber vor allem kämpfen muss, heißt Vertrauen. Alle Aussagen seines Besuches sind hier zusammengefasst.

+++ Tsipras hat Merkel gegen Vergleiche wegen Deutschlands Nazi-Vergangenheit in Schutz genommen. „Das heutige Deutschland hat nichts zu tun mit dem Deutschland des Dritten Reichs, das so viel Blutzoll gekostet hat“, sagte er.

+++ Eine weitere Aussage von Tripras: „Weder sind die Griechen Faulenzer, noch sind die Deutschen Schuld an den Übeln und den Missständen in Griechenland. Wir müssen hart daran arbeiten, diese schrecklichen Stereotypen zu überwinden.“

+++ Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hat Deutschland eine neue Form der Zusammenarbeit angeboten. „Wir müssen uns besser verstehen“, sagte Tsipras bei einem Treffen mit Bundeskanzlerin Merkel. „Es gibt keinen anderen Weg als den des Dialogs, um bestehende Schwierigkeiten zu überwinden.“

Zugleich warnte er beide Seiten vor weiteren gegenseitigen Schuldzuweisungen. „Weder sind die Griechen Faulenzer, noch sind die Deutschen Schuld an den Übeln und den Missständen in Griechenland. Wir müssen hart daran arbeiten, diese schrecklichen Stereotypen zu überwinden.“

+++ Zum Auftakt seines zweitägigen Berlin-Besuchs ist Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras am Montag mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zusammengetroffen. Der linke Regierungschef wurde von Merkel gegen 17 Uhr vor dem Kanzleramt mit militärischen Ehren begrüßt.

+++ Im Zusammenhang mit dem Deutschland-Besuch von Griechenlands Premier Alexis Tsipras fordert die SPD von Europa mehr Einsatz, um Griechenland auf die Beine zu helfen. Die europäischen Partner müssten erkennen, „dass es eben nicht ausreicht, Banken zu retten“, sagte SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi am Montag in Berlin. Die griechische Bevölkerung habe enorme Belastungen und soziale Härten ertragen müssen: „Jetzt muss ein Impuls für Wachstum und Beschäftigung erfolgen.“ Umgekehrt sei Athen in der Pflicht, seine Versprechen einzuhalten und Reformen umzusetzen.

Kein Treffen mit Gabriel

+++ Die SPD erwartet vom Gespräch zwischen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem griechischen Regierungschef Alexis Tsipras eine Rückkehr zu mehr Besonnenheit im deutsch-griechischen Verhältnis. „Was wir nicht gebrauchen können, ist weder ein erhobener Zeigefinger noch ein erhobener Mittelfinger“, meinte Generalsekretärin Yasmin Fahimi. Nach ihren Angaben ist bisher kein Treffen von Parteichef Sigmar Gabriel mit Tsipras vorgesehen, der bis Dienstag in Berlin ist.

Berlin dämpft Erwartungen

+++ Vor dem Treffen dämpft Berlin die Erwartungen: Ein Durchbruch in Sachen Schuldenkrise oder Reparationsstreit ist von der Begegnung nicht zu erwarten. Lösungen in der Schuldenfrage würden in Brüssel und nicht in Berlin erarbeitet, betonte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Treffen mit Spitze der Grünen und Linken

+++ Tsipras wird bei seinem Besuch in Berlin auch die Parteispitze der Grünen treffen. Wie Grünen-Chef Cem Özdemir am Montag in Berlin mitteilte, werde es auf Anfrage von Tsipras am Dienstag Gespräche mit Co-Parteichefin Simone Peter und ihm geben. Am Dienstag wollten auch Spitzenvertreter der Linken zu einem Gespräch mit Tsipras zusammenkommen.

Tsipras eingetroffen

Der griechische Ministerpräsidenten Alexis Tsipras ist am Montagnachmittag in Berlin eingetroffen.

+++ Er ist da: Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras ist am Montag zu seinem ersten offiziellen Besuch in Berlin eingetroffen. Der Syriza-Chef landete auf dem militärischen Teil des Flughafens Tegel, wo ihn eine Ehreneskorte in Empfang nahm. Um 17.00 Uhr will Kanzlerin Angela Merkel ihn dann mit militärischen Ehren vor dem Bundeskanzleramt begrüßen.

+++ Die EU hat indes zurückhaltend auf einen Warnbrief von Alexis Tsipras an Kanzlerin Angela Merkel reagiert. In dem Schreiben vom 15. März warnt Tsipras laut einem Bericht der „Financial Times“ vor möglichen Zahlungsausfällen, falls es nicht kurzfristige Finanzhilfen für sein Land geben sollte. „Wir haben nun den 23. (März)“, sagte der Chefsprecher der Behörde am Montag in Brüssel. „Eine Menge Dinge sind seitdem geschehen.“ Er wollte keinen Sachverhalt debattieren, der eine Woche alt sei.

Reparationsstreit: Griechischer Vorschlag abgewiesen

+++ Kurz vor dem Treffen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras hat die Bundesregierung einen griechischen Vorschlag im Reparationsstreit abgewiesen. Die Bundesregierung lehnt den griechischen Vorstoß für einen neuen „Rat der Weisen“ zur Frage von deutschen Wiedergutmachungszahlungen ab. Zu einem entsprechenden Vorschlag von Außenminister Nikos Kotzias sagte der Sprecher des Auswärtigen Amts, Martin Schäfer, am Montag in Berlin: „Für uns ist das Kapitel Reparationen juristisch und politisch abgeschlossen.“

Seehofer: Rückkehr zur Sacharbeit

+++ CSU-Chef Horst Seehofer forderte im Vorfeld des Besuchs ein Ende der verbalen Streitereien und eine Rückkehr zur Sacharbeit. „Die griechische Regierung hat schon sehr viel Zeit eingesetzt für etwas abseitige Diskussionen. Ich glaube, jetzt ist es an der Zeit, sich um die Problemlösung zu kümmern“, sagte der bayerische Ministerpräsident am Montag vor einer Sitzung des CSU-Präsidiums in München.

Seehofer betonte erneut, dass es Hilfe für Griechenland nur gegen Reformen geben könne. „Das ist der Maßstab für uns.“ Weitergehende Forderungen oder gar Drohungen vermied er ausdrücklich. Insbesondere lehnte Seehofer es ab, über einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Eurozone zu spekulieren.

Details zur griechischen Reformliste

+++ Vor dem Besuch des griechischen Regierungschefs Alexis Tsipras in Berlin sind weitere Details seiner mit Spannung erwarteten Reformliste bekannt geworden. Demnach will die Regierungskoalition in Athen mit einem Mix aus Steuererhöhungen, Privatisierungen und Rückzahlungen von Steuersündern Geld in die leeren Staatskassen spülen. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Montag aus Regierungskreisen in Athen.

+++ Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras trifft nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur am frühen Montagnachmittag zum ersten offiziellen Besuch in Berlin ein. Tsipras fliegt mit einer Sondermaschine des griechischen Staates. Um 17.00 Uhr will Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ihn mit militärischen Ehren vor dem Kanzleramt empfangen. Im Mittelpunkt des anschließenden Gesprächs steht der Streit um die Reformpolitik des pleitebedrohten Landes. Gegen 18.15 Uhr ist eine gemeinsame Pressekonferenz Merkels mit Tsipras geplant. Nach der verbalen Eskalation der vergangenen Tage bemühten sich beide Seiten am Sonntag um eine Versachlichung.

Lesen Sie hier: Stimmen im Vorfeld des Tsipras-Besuches

dpa/AFP

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