Schwierige Rückkehr zur Normalität

Ein Monat nach dem Terror: So ist die Lage in Frankreich

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Paris - Vor einem Monat töteten Islamisten bei Attacken in Paris 130 Menschen und verletzten rund 350 weitere. Ein Überblick über die Situation in Frankreich nach den Anschlägen vom 13. November, den schwersten in der Geschichte des Landes:

Der Alltag: 

Schwierige Rückkehr zur Normalität. Während direkt nach den Anschlägen in Paris Konzerte abgesagt wurden, Museen, Kinos und Touristenattraktionen wie der Eiffelturm geschlossen blieben und Bars und Restaurants vergeblich auf Gäste warteten, ist inzwischen der Alltag langsam in die französische Hauptstadt zurückgekehrt. Die Pariser wollen sich nicht von den Islamisten einschüchtern lassen und gehen wieder aus. "Wir wollen kein halbes Leben führen", wie es ein Bargast ausdrückt. Allerdings begleitet viele dabei immer noch ein mulmiges Gefühl - die unterschwellige Angst vor neuen Anschlägen ist allgegenwärtig. Das betrifft auch den öffentlichen Nahverkehr. "Ich achte jetzt viel mehr auf Leute, die mit Koffern in die U-Bahn einsteigen", sagt der junge Ingenieur Pierre Bréard. Und die Lehrerin Aurélie Martin ertappt sich dabei, wie sie "auf den Bauch der Leute schaut" - unter den Jacken könnten schließlich Sprengstoffgürtel versteckt sein, wie sie die Attentäter verwendeten. Die Regierung hat derweil eine Informationskampagne gestartet: Mit einer Grafik wird unter den Schlagworten "Fliehen, sich verstecken, Alarm schlagen" erklärt, wie jeder sich bei Anschlägen verhalten soll.

Der Stand der Ermittlungen: 

Die meisten Angreifer identifiziert. Zu dem Anschlag hat sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannt. Die meisten der mutmaßlich neun Angreifer waren Franzosen, einige lebten zuletzt in Belgien, viele waren in der Vergangenheit in Syrien. Als Drahtzieher gilt der belgisch-marokkanische Dschihadist Abdelhamid Abaaoud, der nach den Anschlägen getötet wurde. Unter Hochdruck gesucht wird der 26-jährige Salah Abdeslam, der Bruder eines der Selbstmordattentäter. Drei der Selbstmordattentäter wurden bislang noch nicht identifiziert, zwei von ihnen gelangten aber offenbar zusammen mit syrischen Flüchtlingen nach Europa. Gegen eine Reihe mutmaßlicher Helfer wurden in Frankreich und Belgien Strafverfahren eingeleitet.

Sicherheit und Vorgehen gegen die Dschihadisten-Szene: 

Frankreich im Ausnahmezustand. Die Sicherheitsmaßnahmen wurden sichtbar verschärft: Schwerbewaffnete Polizisten und Soldaten patrouillieren verstärkt durch die Straßen von Paris, die Zahl der landesweit eingesetzten Soldaten wurde auf 10.000 erhöht. Bei größeren Veranstaltungen sind Taschenkontrollen gang und gäbe, auch bei den Regionalwahlen gab es vor den Wahllokalen Sicherheitskontrollen. Seit den Anschlägen gilt zudem in ganz Frankreich der Ausnahmezustand - er erlaubt insbesondere Durchsuchungen ohne richterlichen Beschluss auch in der Nacht, das Verbot öffentlicher Versammlungen sowie Hausarrest für mutmaßliche Gefährder. Seit den Anschlägen wurden so rund 2500 Wohnungen durchsucht, dabei wurden mehr als 300 Verdächtige festgenommen und rund 400 Waffen beschlagnahmt. Mehr als 350 Verdächtige wurden unter Hausarrest gestellt.

Der Kampf gegen den IS: 

Begrenzte Solidarität mit Frankreich. "Wir sind im Krieg", sagte Frankreichs Staatschef François Hollande nach den Anschlägen - und versprach einen entschlossenen Kampf gegen den IS. Nicht nur schickte Frankreich seinen Flugzeugträger "Charles de Gaulle" vor die syrische Küste. Bei Treffen mit einer Reihe von Staats- und Regierungschefs - unter ihnen US-Präsident Barack Obama und der russische Präsident Wladimir Putin - warb Hollande für ein breites Bündnis gegen die Dschihadisten. Der Erfolg ist aber begrenzt. Zwar beschloss Deutschland auf Drängen des französischen Präsidenten den Einsatz von Aufklärungs-Tornados über Syrien; Großbritannien weitete seine Luftangriffe vom Irak auf Syrien aus. Doch nach wie vor gibt es zwischen den Groß- und Regionalmächten kein koordiniertes Vorgehen gegen den IS. Die Länder verfolgen in Syrien in erster Linie ihre eigenen, oft gegensätzlichen Interessen. Uneinigkeit herrscht unter anderem über den Umgang mit dem syrischen Machthaber Baschar al-Assad.

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