Circa 50.000 Interessenten

Studierwillige Flüchtlinge - Unis erwarten Ansturm

Berlin - Viele Flüchtlinge zieht es nach Schätzungen an die Hochschulen in Deutschland. Der Beratungsbedarf dürfte hoch sein, die Kosten auch.

Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Horst Hippler, rät zu einem fairen und zugleich realistischen Umgang mit studierwilligen Flüchtlingen an deutschen Universitäten. „Wir wollen die Flüchtlinge in ihrer schwierigen Situation bestmöglich unterstützen, aber wir dürfen im Sinne der Chancengleichheit auch unsere Regeln für sie nicht umgehen“, sagte Hippler der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Deshalb gelte es zu informieren über Zugangsvoraussetzungen und Zulassungsbeschränkungen (Numerus Clausus), aber auch über Vorteile einer Berufsausbildung, die in Deutschland viel mehr Wert habe als in den meisten Herkunftsländern. Wie hoch der Anteil studierwilliger und -fähiger Flüchtlinge ist, sei völlig offen. „Das weiß derzeit niemand, unter anderem weil eine Erfassung nicht stattgefunden hat“, sagt Hippler.

Die Friedrich-Ebert-Stiftung hatte kürzlich hochgerechnet, dass sich die Hochschulen in Deutschland auf bis zu 50 000 Flüchtlinge einstellen sollten. Der erwartete Andrang ergebe sich, wenn man 2015 von etwa einer Million Flüchtlingen ausgehe, von denen ein Viertel zwischen 18 und 25 Jahren alt ist - und von denen wiederum vermutlich 20 Prozent studieren wollen.

Der HRK-Chef sagte, gerade für Flüchtlinge mit Hochschulambitionen sei das Erlernen der deutschen Sprache elementar wichtig. „Für ein Studium muss das auch die notwendige Fachsprache einschließen, ebenso das Kennenlernen der deutschen Lebenskultur. Sinnvoll ist ferner eine Art Propädeutikum, eine Vorbereitungsveranstaltung, um den Einstieg in das Studium verbessern zu können.“ All dies erfordere viel Geld: „Wenn jetzt mehr Flüchtlinge an die Hochschulen kommen, muss das finanziert werden. Für Sprachvermittlung und Propädeutikum liegt der Bedarf pro Student geschätzt bei etwa 4000 Euro pro Jahr.“

Um studierfähigen Flüchtlingen den Zugang zur Hochschule zu erleichtern, hat der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) ein langfristig angelegtes Maßnahmenpaket aufgelegt. In den nächsten vier Jahren stünden rund 100 Millionen Euro zur Unterstützung und Beratung beim Hochschulzugang, der Verbesserung der Studierfähigkeit und der Integration an Hochschulen zur Verfügung, teilte der DAAD am Montag mit. Davon seien 27 Millionen Euro für 2016 vorgesehen.

Der stellvertretende Vorsitzende und Hochschulexperte der Bildungsgewerkschaft GEW, Andreas Keller, sagte der dpa: „Es wird ein relevanter Anteil der Geflüchteten ein Studium aufnehmen wollen - darauf muss man sich einstellen. Daher sollte der Hochschulpakt, der wegen der hohen Studierendenzahlen schon jetzt nicht ausreicht und unterfinanziert ist, überprüft und ausgebaut werden.“ Die große Herausforderung für die Unis bestehe darin, „dass sie internationaler werden und sich stärker auf Diversität ausrichten“, sagte Keller. „Da wird es größeren Betreuungsaufwand und Fortbildungsbedarf geben. Dabei müssen die Hochschulen von den Ländern unterstützt werden.“

Die Kultusminister der 16 Bundesländer hatten sich Anfang Dezember zunächst auf „Leitplanken“ für den Umgang mit Flüchtlingen verständigt, die ohne ausreichende Dokumente in Deutschland studieren wollen. Für solche Fälle soll es „ein dreistufiges Verfahren zur Studierfähigkeit“ geben, Details der Umsetzung bleiben den einzelnen Ländern und den Hochschulen vorbehalten. Für Flüchtlinge mit Studierwunsch soll es Ansprechpartner an Hochschulstandorten geben.

dpa

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