Um herauszufinden, "wo die Talente stecken"

Streit um geplanten IQ-Test für Flüchtlinge im Saarland

Düsseldorf/Saarbrücken - Kann ein IQ-Test helfen, Flüchtlinge besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren? Saar-Innenminister Bouillon will das im Rahmen eines Modellprojekts testen. Der Koalitionspartner SPD wirft ihm ein menschenverachtendes Menschenbild vor.

Ein im Saarland geplanter IQ-Test für Flüchtlinge hat eine heftige Debatte unter den Koalitionspartnern CDU und SPD ausgelöst. Mit dem freiwilligen Test will Saar-Innenminister Klaus Bouillon (CDU) Begabungen früh erkennen und die Integration beschleunigen. „Wir wollen ein Modellprojekt starten, mit dem wir über einen Intelligenztest herausfinden können, wo die Talente stecken und in welche Berufsgruppen wir die Flüchtlinge direkt eingliedern oder worin wir sie schulen sollten“, sagte der Minister der „Rheinischen Post“ (Samstag).

Er rechne damit, zunächst mit 600 bis 700 Freiwilligen beginnen zu können, sagte Bouillon, der momentan auch Vorsitzender der Innenministerkonferenz von Bund und Ländern ist. „Es ist eine Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit und weiteren renommierten Arbeitsmarktexperten geplant“, erläuterte er.

"Intelligenz ist nichts Statisches"

„Der Vorschlag ist der völlig falsche Ansatz und nicht von besonderer Intelligenz geprägt“, kritisierte die Generalsekretärin der SPD Saar, Petra Berg. Die Forderung schüre massiv Vorurteile und offenbare ein menschenverachtendes und diskriminierendes Menschenbild. „Intelligenz ist zudem nichts Statisches, das man einfach so abfragen kann“, sagte sie. Um die Integration von Flüchtlingen in den Saar-Arbeitsmarkt zu fördern, komme es darauf an, die Integration mit Weitsicht zu organisieren. Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) habe dazu viele Maßnahmen ergriffen. Ein solch missglückter Vorschlag gehört zu Recht nicht dazu“, sagte Berg.

dpa

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