Deutsche Dörfer sterben aus

Schriftstellerin Zeh: Lage auf dem Land ist verheerend

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Juli Zeh 2012 auf der Buchmesse in Frankfurt: "Ich wundere mich immer noch, dass die Politik das hartnäckig ignoriert".

Stuttgart - Für die Schriftstellerin und Landbewohnerin Juli Zeh ist die Situation in deutschen Dörfern dramatisch. "Objektiv betrachtet ist die Lage verheerend. Ich wundere mich immer noch, dass die Politik das hartnäckig ignoriert"

"Hier gäbe es so viel Wichtiges zu tun und zu verändern, damit die Region nicht völlig entvölkert wird und sich am Ende selbst überlassen bleibt", sagte Zeh, die 2007 in die brandenburgische Provinz zog, der Zeitung "Sonntag Aktuell".

Nötig seien in ländlichen Gegenden ernst gemeinte Infrastrukturmaßnahmen. "Wir haben kaum noch Ärzte hier, es gibt zu wenig Schulen, Kindergärten sind von der Schließung bedroht. Wenn man das den Leuten wegnimmt, können sie irgendwann einfach nicht mehr auf dem Land wohnen."

In ihrem aktuellen Roman "Unterleuten" verarbeitete Zeh Erfahrungen, die sie auf dem Land gemacht hat. Zuvor lebte Zeh 13 Jahre lang in Leipzig und wundert sich nicht, dass Flüchtlingen in Sachsen viel Hass entgegenschlägt. "Wir hatten von Anfang an, seit ich 1995 dahin gezogen bin, ständig Probleme mit Nazis. Also mitten in der Stadt. Ich habe öfter die Polizei gerufen, weil üble Naziaktivitäten auf der Straße passierten, und die Polizei kam dann nicht, weil sie keine Kapazitäten hatte." Man habe Staatsversagen sozusagen live beobachten können. "Und erst jetzt schlagen die Politiker die Hände über dem Kopf zusammen und fragen sich, was denn da los ist."

dpa

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