Ziel: Waffendepots

Saudi-Arabien bombardiert Huthi-Hochburg im Jemen

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Ein Waffendepot im Jemen geht in Flammen auf.

Sanaa - Die von Saudi-Arabien geführte Koalition arabischer Staaten hat am frühen Sonntagmorgen mit Luftschlägen auf die Hochburg der Huthi-Rebellen im Nordjemen begonnen.

Dutzende Waffendepots der Aufständischen seien in der Stadt Saada bombardiert worden, sagten Augenzeugen der Deutschen Presse-Agentur. Der arabische Sender Al-Arabija berichtete unter Berufung auf das saudische Militär, ein Großteil der Waffenbestände der Huthis sei bereits zerstört worden.

Die von Saudi-Arabien geführte Koalition arabischer Staaten hatte in der Nacht zum Donnerstag mit den Luftangriffen gegen Stellungen der schiitischen Huthi-Rebellen begonnen, um deren weiteren Vormarsch zu stoppen.

Die Huthis haben in den vergangenen Monaten große Teile des Landes und die Hauptstadt Sanaa unter ihre Kontrolle gebracht. In dieser Woche stießen sie bis in die südjemenitische Stadt Aden vor. Anhänger des Ex-Präsidenten Ali Abdullah Salih unterstützen die Rebellen bei ihrem Vormarsch.

In Aden stellen sich den Angreifern Getreue des entmachteten Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi entgegen. Dabei seien seit Donnerstag 61 Menschen getötet worden, berichtete die jemenitische Nachrichtenseite „Al-Masdar Online“ unter Berufung auf die Gesundheitsbehörde von Aden. Weitere 500 Menschen seien verletzt worden.

Kopfzerbrechen in Washington über Krise im Jemen

Die USA haben sich in der Krise im Jemen auf die Seite ihres langjährigen Verbündeten Saudi-Arabien geschlagen. Washington sicherte dem Königshaus logistische und geheimdienstliche Unterstützung für den Militäreinsatz im Nachbarland zu, auch die Entsendung von Tankflugzeugen und Awacs-Luftaufklärern ist im Gespräch. Der Konflikt am Golf von Aden droht allerdings die Annäherung an den Iran zu durchkreuzen. Außerdem befürchtet Washington, dass das radikalislamische Terrornetzwerk Al-Kaida und die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) vom Chaos im Jemen profitieren könnten.

Das Weiße Haus zeigte sich besorgt über die "iranischen Aktivitäten" im Jemen, die zu der "Destabilisierung" beitrügen. Ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats von US-Präsident Barack Obama verwies dabei auf Berichte über iranische Waffenlieferungen an die schiitischen Huthi-Rebellen, vor denen der jemenitische Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi aus dem Land floh.

Hintergrund: Akteure in der Jemen-Krise

Schiitische Huthi-Rebellen haben den Jemen überrannt, Saudi-Arabien greift mit Luftschlägen von außen ein. Ein Überblick der wichtigsten Akteure im Machtkampf:

DIE HUTHIS sind ein schiitischer Volksstamm aus dem Nordjemen. Benachteiligung sowie Korruption und Vetternwirtschaft der Regierung lösten ihre Rebellion aus. Den Huthis geht es eher um Macht und Einfluss im Land als um Ideologie. Im September 2014 eroberten rund 30.000 Anhänger die Hauptstadt Sanaa, Anfang des Jahres setzten sie dort Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi und die Regierung in deren Häusern fest. Binnen weniger Wochen brachten sie die Westküste und den Süden des Landes unter Kontrolle.

PRÄSIDENT HADI gelang im Februar die Flucht aus Sanaa in die südjemenitische Stadt Aden, von wo aus er weiterzuregieren versuchte. Als die Huthis vorrückten, musste der von den USA und Saudi-Arabien unterstützte Staatschef auch seine dortige Residenz verlassen. Hadi (69) hat jetzt Asyl in Riad gefunden. Bei einem Gipfeltreffen der Arabischen Liga nannte er die Huthis „Handlanger und Spielzeug des Irans“ und forderte einen Kampf bis zu deren Aufgabe.

SAUDI-ARABIEN will verhindern, dass eine Schiitenmiliz, die mit dem schiitischen Iran verbandelt sein soll, das bettelarme Nachbarland kontrolliert und aus dem Einflussbereich der Sunniten reißt. Seit Donnerstag fliegt die Monarchie Luftangriffe gegen Stellungen der Huthis und deren Verbündete. Der neue König Salman (79) steht vor seiner ersten großen internationalen Bewährungsprobe. Der Militäreinsatz im Jemen dauert nach seinen Worten solange, bis dort wieder Frieden und Stabilität herrschen. Den Huthis warf der Monarch einen Putsch vor. Ohne den Iran namentlich zu nennen, sprach Salman von Regionalmächten, die aus dem Jemen eine Ausgangsbasis für ihren Einfluss in der Region machen wollten.

Der IRAN versucht als stärkster Rivale Saudi-Arabiens in der Region, via Jemen einen Fuß auf die Arabische Halbinsel zu bekommen. Das schiitische Land gilt als Verbündeter der Huthi-Rebellen und fordert einen Stopp der militärischen Angriffe Saudi-Arabiens. Aus Sicht des Irans steckt der Jemen in einer internen Krise, die nur durch Verhandlungen der zerstrittenen Parteien gelöst werden kann. Unbewiesene Vorwürfe lauten dagegen: Der Iran soll die Huthis finanzieren und die mit dem Iran verbündete Hisbollah-Miliz aus dem Libanon soll Militärberater entsandt haben.

EX-PRÄSIDENT ALI ABDULLAH SALIH schlug einst Aufstände der Huthis nieder, heute gilt er als Verbündeter der Rebellen. Die UN werfen ihm vor, das Chaos im Jemen geschürt zu haben. Der Langzeitherrscher trat zwar Anfang 2012 nach Protesten zurück, zieht aber im Hintergrund weiter Strippen. Wichtige Einheiten der Armee und Sicherheitskräfte, die Luftwaffe und die Republikanische Garde schlugen sich mit Salih auf die Seite der Huthis. Nach dem Eingreifen Saudi-Arabiens rief der 73-Jährige in einer Fernsehansprache zu Waffenruhe, Dialog und Präsidentenwahl auf. Salih versprach, niemand aus seiner Familie werde kandidieren. Sein Sohn Ahmed, ein ehemaliger einflussreicher General, soll wieder Truppen im Land befehligen.

AL-KAIDA AUF DER ARABISCHEN HALBINSEL (AQAP) ist der mächtigste Ableger des weltweit agierenden Terrornetzwerkes. Die sunnitischen Extremisten gelten als heimliche Gewinner im Machtpoker um den Jemen. Mit ihren Anschlägen gegen die schiitischen Huthis punkten sie vor allem bei ärmeren sunnitischen Stämmen.

dpa/AFP

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