Turkmenen im Kampf gegen Assad

Konflikt Russland/Türkei: Wer verfolgt welche Ziele?

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Da war die Stimmung noch halbwegs gut: Russlands Präsident Wladimir Putin und der türkische Präsident Tayyip Erdogan trafen sich auch beim G20-Gipfel am 16. November im türkischen Antalya.

Moskau/Ankara - Der Abschuss eines russischen Militärjets durch die Türkei ist vorläufiger Höhepunkt von Spannungen, die im Syrien-Konflikt schon seit langem bestehen. Russland und die Türkei verfolgen sehr unterschiedliche Ziele.

Offiziell sind sie Verbündete im Kampf gegen die Terrorgruppen des IS. Doch zwischen Russland und der Türkei überwiegen beim Stichwort Syrien große Differenzen, die schon für viel Blutvergießen gesorgt haben.

Wer verfolgt welche Interessen im Zusammenhang mit dem syrischen Bürgerkrieg und den militärischen Operationen gegen den IS?

Diese Ziele verfolgt Russland in Syrien

Russland hat sich am 30. September mit Luftangriffen massiv in den Konflikt in Syrien eingeschaltet. Zudem baute Moskau einen Luftwaffenstützpunkt bei Latakia im Nordwesten Syriens auf, auf dem Kampfflugzeuge, Hubschrauber und Luftverteidigungseinheiten stationiert wurden. Laut russischen Medien sind 2000 russische Soldaten im Einsatz. Vom Kaspischen Meer aus feuert Russland Marschflugkörper ab. Russlands Angriffe richten sich nicht ausschließlich gegen den IS, sondern nach Angaben des Westens auch gegen Gruppen von anderen Aufständischen in Syrien. Moskau unterstützt weiterhin Präsident Assad.

Dass die russische Armee bei ihren Aktionen in Syrien auch die Turkmenen aus der Luft angreift, ist für die Regierung in Ankara ein rotes Tuch. Die Volksgruppe der Turkmenen steht unter dem Schutz der Türkei. die Turkmenen aber kämpfen auch gegen Syriens Machthaber Assad, der Wladimir Putin zur Seite hat.    

Syriens Opposition: Keine politische Lösung mit Assad

Syriens Exil-Opposition schließt eine friedliche Lösung für den Bürgerkrieg mit Präsident Baschar al-Assad an der Spitze aus. Es könne keinen politischen Ausweg aus dem Konflikt geben, solange Assad an der Macht sei, sagte der Vorsitzende des vom Westen unterstützten Oppositionsbündnisses Nationale Syrische Koalition, Chaled Chudscha, am Montag in Istanbul.

Als Vorbedingung für erfolgreiche Verhandlungen sieht er zudem ein Ende der „russischen und iranischen Besatzung“ des Landes. Moskau und Teheran unterstützen das Regime in Damaskus militärisch.

Diese Ziele verfolgt die Türkei in Syrien?

Als Mitglied der NATO zieht die Türkei unter Erdogan offiziell mit Militärmächten wie USA oder Frankreich an einem Strang und verfolgt die Linie, dass der syrische Präsident Assad entmachtet werden soll, um einen Friedensprozess für das von vier Jahren Bürgerkrieg geschundene Land in Gang zu setzen.

Bis zu 200.000 Turkmenen leben nach offizieller Schätzung in Syrien. In den türkischen Medien klingt das allerdings deutlich anders, da ist die Rede von bis zu 1,5 Millionen Turkmenen in Syrien. Gegen Assad sind die turkmenischen Kämpfer in verschiedenen Rebellengruppen im Einsatz. Damit werden sie auch zum Ziel der russischen Bomber in Syrien.

Großes Konfliktpotential

Jüngst kam es zu Angriffen der Russen auf verschiedene Dörfer der Turkmenen. In der Folge wurde in Ankara der russische Botschafter einbestellt.

Reichlich Konfliktpotential zwischen Ankara und Moskau gab es schon lange vor dem Abschuss des Kampfjets der Roten Armee am 23. November 2015.

Stichwort: Die Turkmenen sind Nachfahren türkischer Volksgruppen, die bis zum Ersten Weltkrieg in diesem Teil des damaligen Osmanischen Reiches angesiedelt waren.

js/dpa

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