Gewalteskalation

Rot-Kreuz-Mitarbeiter stirbt in Ostukraine

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Bei einer Granatenexplsoion in der Ostukraine starb ein Rot-Kreuz-Mitarbeiter aus der Schweiz.

Donezk - In der Ostukraine stirbt ein Schweizer Rot-Kreuz-Helfer. Separatisten wie die ukrainische Armee beteuern ihre Unschuld. Eskaliert die Gewalt weiter?

Nach dem Tod eines Rot-Kreuz-Mitarbeiters in der Ostukraine haben sich die Führung in Kiew und die prorussischen Separatisten gegenseitig die Schuld an der Gewalteskalation gegeben. Der 38-jährige Schweizer starb, als eine Granate das Büro des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in Donezk traf. Der prowestliche Außenminister Pawel Klimkin in Kiew sagte, „Terroristen“ hätten das Geschoss abgefeuert. Dagegen machte Russland am Freitag wie zuvor die Aufständischen ebenfalls die ukrainische Armee für den tödlichen Beschuss vom Donnerstagabend verantwortlich.

„Wir sind zutiefst schockiert über den tragischen Verlust“, teilte das IKRK mit. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon äußerte sich besorgt über die zunehmende Gewalt der vergangenen Tage. Ein umfassendes Wiederaufflammen der Kämpfe könne katastrophal für die Ukraine, die Region und darüber hinaus werden, teilte Ban mit.

Separatistenführer Andrej Purgin bekräftigte, die Aufständischen wollten die seit dem 5. September geltende Feuerpause aufrechterhalten.

Beobachter registrierten in den vergangenen Tagen immer heftigere Gefechte mit zahlreichen Toten, vor allem am Flughafen von Donezk. Dieser ist seit Wochen umkämpft. Allein am Freitag berichtete der Sicherheitsrat in Kiew von zwei getöteten und neun verletzten Soldaten innerhalb von 24 Stunden. Dem Stadtrat von Donezk zufolge wurden bei Artilleriebeschuss mindestens fünf Menschen verletzt. Am Donnerstag hatte es nach Militärangaben mindestens acht Tote gegeben.

Das wirtschaftliche Zentrum der Ukraine, der Donbass, ist Präsident Petro Poroschenko zufolge durch die Kämpfe schwer beschädigt worden. Die Hälfte der Infrastruktur sei zerstört. „Kohlegruben stehen unter Wasser, Hochöfen sind defekt - wir brauchen viele Milliarden Dollar, um alles wieder herzustellen“, sagte der prowestliche Staatschef.

Die Bundesregierung setzt sich weiter für eine politische Lösung des Ukraine-Konflikts ein. „Wir müssen alle Kraft zusammennehmen, um zu verhindern, dass das, was in 23 Jahren aufgebaut wurde, kaputt geht oder kaputt gemacht wird“, sagte der Russland-Beauftragte Gernot Erler bei einem Besuch in Moskau. „Wir wollen jede Chance nutzen, um zu zeigen, wie man aus dieser Situation nicht etwa mit militärischen Mitteln, sondern mit Diplomatie, mit einer politischen Lösung herauskommt“, erklärte der SPD-Politiker bei einem Empfang zum Tag der Deutschen Einheit.

Kremlchef Wladimir Putin bekräftigte zum Einheitstag seine Bereitschaft zum Dialog mit Deutschland. Mit vereinten Kräften könnten die aktuellen internationalen Fragen gelöst werden, schrieb Putin in einem Telegramm an Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Der russische Außenminister Sergej Lawrow sprach mit seinem US-Kollegen John Kerry in einem Telefonat über die Ukraine-Krise.

Moskau steht wegen seiner offenen Unterstützung für die Separatisten in der Ostukraine international in der Kritik. Deutschland hat sich für scharfe Sanktionen gegen Russland eingesetzt, um die Kremlführung zu einem Friedenskurs zu bewegen. Putin kritisiert die Strafmaßnahmen als „ungerechtfertigt“.

Die antiwestliche Stimmung in Russland verschärfte sich während der Ukrainekrise einer Umfrage zufolge. Negative Meinungen über die EU und die USA seien so verbreitet wie lange nicht mehr, teilte das Meinungsforschungsinstitut Lewada in Moskau mit. Demnach stürzten die Sympathiewerte der EU von 51 Prozent (Januar) auf 19 Prozent ab. Darüber hinaus sagten 73 Prozent der etwa 1600 Befragten, die USA seien ihnen nicht wohlgesonnen (42 Prozent im Januar). Die Verbundenheit mit der Ukraine fiel von 66 Prozent auf 13 Prozent. Experten machen für die Ergebnisse auch antiwestliche Propaganda in Russlands Staatsfernsehen verantwortlich.

dpa

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