Wieviel ist das Abitur noch wert?

Philologen: „Abi gibt's zu sehr unterschiedlichen Preisen“

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Wieviel ist das Abitur noch wert?

Berlin - Wieviel ist das Abitur heute noch wert? Immer weniger, befürchtet der Chef des Philologenverbandes, Meidinger. Ihn bringt eine vom „Spiegel“ ermittelte „Bestnoten-Schwemme“ in Rage. Auch die Politik habe daran ihren Anteil, sagt der Lehrerfunktionär.

Der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, befürchtet eine zunehmende Entwertung des Abiturs. „Generell muss tatsächlich bezweifelt werden, ob heute noch in vielen Fällen hinter der durch das Abitur verliehenen Studienberechtigung auch eine Studienbefähigung steht“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Das ist übrigens kein bloßes Bauchgefühl, sondern auch das Ergebnis von seriösen Studien wie etwa der Tosca-Studie, die Leistungen von Oberstufenschülern in verschiedenen Bundesländern miteinander verglichen hat.“

Zu einem „Spiegel“-Bericht über die Häufung von Top-Abiturnoten zwischen 2006 und 2013 sagte der langjährige Chef der Gewerkschaft der Gymnasiallehrer: „Die nachweisbare massive Zunahme von Einser-Schnitten liegt mit Sicherheit nicht daran, dass in Deutschland bei Abiturienten plötzlich eine Leistungsexplosion stattgefunden hat.“ Meidinger fügte hinzu: „Es soll ja Schulen geben, wo strenger korrigierenden Lehrkräften überhaupt keine Abiturkurse mehr gegeben werden.“ Insgesamt gebe es „im schulischen Bereich immer weniger Rückendeckung dafür, dass Kinder unterschiedliche Leistungen zeigen und dafür auch unterschiedliche Noten bekommen“.

Er denke zwar, dass man sich auch heute noch in den meisten Bundesländern für ein sehr gutes Abitur ordentlich anstrengen müsse. „Allerdings ist sicher auch wahr, dass das Abitur in Deutschland zu sehr unterschiedlichen Preisen vergeben wird, das heißt die Anforderungen nicht immer vergleichbar sind. Die eigentlich Gelackmeierten der Bestnoten-Inflation sind die Spitzenschüler, weil deren Spitzenleistung in der Einser-Schwemme untergeht.“

Laut „Spiegel“, der Daten der Kultusministerien und des Statistischen Bundesamtes zu den Abiturgesamtnoten 2006 bis 2013 auswertete, weicht der Anteil der Einser-Abiturienten, aber auch der Durchfaller in manchen Ländern regelmäßig deutlich vom Bundesdurchschnitt ab. So schlossen 2013 in Thüringen 37,8 Prozent aller Kandidaten mit der Eins vor dem Komma ab, in Niedersachsen nur 15,6 Prozent. Die Kultusministerkonferenz (KMK) will sich an diesem Donnerstag und Freitag in Berlin mit einer stärkeren Vereinheitlichung von Abituraufgaben zwischen den Bundesländern befassen.

Meidinger vermutet, dass Schulen besonders gute Abi-Noten vergeben „nicht ohne politische Vorgaben oder zumindest das Gefühl, dass das von oben so gerne gesehen wird“. Der Philologenverbands-Vorsitzende weiter: „Das ist ja ein Prozess auf Gegenseitigkeit. Die Schule steht gut da, weil sie so gute Ergebnisse erzielt, und die Landesregierung steht gut da, weil ihre Abiturienten generell so gute Ergebnisse erzielen, was ein Beweis für die erfolgreiche Qualität der betriebenen Bildungspolitik ist.“

In den vergangenen Jahren seien Oberstufen- und Abiturreformen immer so konzipiert gewesen, „dass dadurch auch strukturell die Leistungen besser geworden sind - durch schülerfreundliche Wahloptionen, eine Verstärkung der mündlichen Noten oder eben auch einfachere Prüfungsformate“.

dpa

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