Eskalation in Köln

Wasserwerfer nach Böllerattacke: Polizei löst Pegida-Demo auf

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Die Polizei musste Wasserwerfer einsetzen.

Köln - Die Polizei in Köln hat am Samstag eine Demonstration von Rechtsextremisten und Pegida-Anhängern aufgelöst. Aus der Menge seien immer wieder Flaschen und Böller auf die Beamten geworfen worden.

Die Anspannung ist mit Händen greifbar an diesem Samstag am Kölner Hauptbahnhof: Rund 1300 Demonstranten haben sich am frühen Nachmittag auf dem Breslauer Platz direkt am Bahnhof versammelt - mit wütenden Sprechchören begleiten sie die Ankunft der Teilnehmer einer Pegida-Kundgebung, die nur hundert Meter entfernt stattfindet.

Einem Großaufgebot der Polizei gelingt es, beide Lager zu trennen. Doch friedlich bleibt es nicht: Am späten Nachmittag wird die Polizei aus der Pegida-Demonstration angegriffen - und greift ihrerseits durch, mit Wasserwerfern und Pfefferspray.

Demonstranten werfen Böller auf Polizisten

Flaschen und Böller waren aus den Reihen der rund 1700 Teilnehmer an der Pegida-Demo auf die Beamten geflogen. Viele bei der Rechten-Versammlung sind Hooligans - "rund 50 Prozent", sagt ein Polizeisprecher. An gleicher Stelle, ebenfalls am Breslauer Platz, hatten fast 5000 Hooligans im Oktober 2014 rund 1300 Polizisten massiv in die Defensive gedrängt.

Doch am Samstag sind die Einsatzkräfte besser gerüstet. Rund 1700 Beamte hat die Landespolizei aufgeboten - überwiegend erfahrene Polizisten aus Einsatzhundertschaften, dazu berittene Beamte und Hundeführer. Und auch die Bundespolizei ist mit mehreren hundert Beamten aus ganz Deutschland am Hauptbahnhof im Einsatz.

"Wo, wo, wo, wo wart ihr an Silvester?" skandieren Teilnehmer der Pegida-Demonstration - Adressat sind die Polizisten, die den rechten Aufmarsch begleiten. Pegida NRW hatte die Demonstration nach den schweren sexuellen Übergriffen auf Frauen in Köln an Silvester angemeldet - den Ausschreitungen rund um den Kölner Hauptbahnhof hatte die damals offenbar hoffnungslos unterbesetzte Kölner Polizei keinen Einhalt gebieten können.

Am Samstag jedoch greift die Polizei durch: Nach den Angriffen auf Beamte erklärt sie umgehend die Pegida-Demonstration für aufgelöst. Wasserwerfer fahren auf, am Rande nimmt berittene Polizei Aufstellung. Bei Rangeleien wird eine zunächst unbekannte Anzahl Pegida-Demonstranten in Gewahrsam genommen. "Wir haben die Lage im Griff", sagt ein Polizeisprecher am frühen Abend.

Zu aggressiv: Pegida-Demonstration in Köln aufgelöst - Bilder

Zuvor hatten die Gegendemonstranten aus dem linken Lager den Rechten auf dem Breslauer Platz einen ungemütlichen Empfang bereitet. "Nazis raus", skandierten die Linken, "Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda" und "Wir kriegen Euch alle". Teilnehmer der Pegida-Versammlung zeigten den Linken den ausgestreckten Mittelfinger - doch Zusammenstöße zwischen beiden Gruppen konnte die gut aufgestellte Polizei verhindern.

Frauen demonstrieren gegen Gewalttaten an Frauen

Aber nicht nur Aggression und Zusammenstöße bestimmten das Bild an diesem Demonstrationstag in Köln. Am Mittag fanden sich rund 1000 Frauen auf der Treppe zwischen dem Kölner Dom und dem benachbarten Bahnhofs-Vorplatz zusammen. Sie demonstrierten gegen Gewalttaten an Frauen - mit Transparenten wie "Nein heißt Nein. Das ist unser Gesetz. Bleibt uns vom Leib" oder "Nein zu Gewalt gegen Frauen, egal ob in Köln, beim Oktoberfest oder im häuslichen Schlafzimmer".

Zu dem Flashmob am Ort der Silvester-Gewalt war im Internet aufgerufen worden. "Wir wollen unsere Sicherheit zurück haben", sagte Organisatorin Martina Schumeckers der Nachrichtenagentur AFP. Die 57-jährige Musikerin fügte hinzu: "Ich stehe hier für alle Mütter, Töchter, Enkeltöchter, Großmütter, die sich alle sicher, besonders in unserem Köln, bewegen wollen."

afp

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