Mazedonien kapituliert vor Flüchtlingsansturm

Besonders kritisch ist die Lage in der Grenzstadt Gevgelija, wo sich Flüchtlinge um die wenigen Plätze in den Zügen in Richtung Serbien prügeln. Foto: Georgi Licovski
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Besonders kritisch ist die Lage in der Grenzstadt Gevgelija, wo sich Flüchtlinge um die wenigen Plätze in den Zügen in Richtung Serbien prügeln. Foto: Georgi Licovski
Die mazedonischen Medien blenden das Flüchtlingschaos im eigenen Land weitgehend aus. Foto: Georgi Licovski
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Die mazedonischen Medien blenden das Flüchtlingschaos im eigenen Land weitgehend aus. Foto: Georgi Licovski
Private Hilfsorganisationen versuchen, durch die Verteilungen von Lunchpaketen das Leid zu mindern. Foto: Georgi Licovski
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Private Hilfsorganisationen versuchen, durch die Verteilungen von Lunchpaketen das Leid zu mindern. Foto: Georgi Licovski
Die Polizei ist nicht Herr der Lage, so dass es immer wieder zu gewalttätigen Aueinandersetzungen kommt. Foto: Georgi Licovski
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Die Polizei ist nicht Herr der Lage, so dass es immer wieder zu gewalttätigen Aueinandersetzungen kommt. Foto: Georgi Licovski
Bei weit über 30 Grad ist die Trinkwasserversorgung der zahllosen Flüchtlinge eine Mammutaufgabe. Foto: Georgi Licovski
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Bei weit über 30 Grad ist die Trinkwasserversorgung der zahllosen Flüchtlinge eine Mammutaufgabe. Foto: Georgi Licovski
In Mazedonien und Serbien muss sich jeder Flüchtling registrieren lassen. Doch die meisten reisen ohne Papiere weiter. Foto: Georgi Licovski
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In Mazedonien und Serbien muss sich jeder Flüchtling registrieren lassen. Doch die meisten reisen ohne Papiere weiter. Foto: Georgi Licovski

Chaos und Verzweiflung: Die Lage für Flüchtlinge ist vielerorts in Europa dramatisch. Jetzt liegt der Fokus auf der Balkanroute, wo die Migrantenzahlen explodieren. Und im Mittelmeer gibt es wieder viele Tote.

Belgrad/Athen (dpa) - Neuer Brennpunkt in der Flüchtlingskrise: Immer mehr Menschen aus Syrien, Afghanistan und Pakistan wollen über die sogenannte Balkanroute nach West- und Nordeuropa gelangen.

Im griechisch-mazedonischen Grenzgebiet kommen täglich 2000 Migranten an, doppelt so viele wie noch vor einer Woche, wie private Hilfsorganisationen berichteten. Mazedoniens Behörden kapitulierten praktisch vor dem Andrang. Helfer führen ihn auf Pläne Ungarns zurück, seine EU-Außengrenze bis Ende August mit einem Stacheldraht abzuriegeln.

Auf der griechischen Ägäis-Insel Kos, wo Flüchtlinge teils auf der Uferpromenade campieren, sich nicht waschen können und zu wenig Essen und Trinken haben, gab es Hoffnungen auf etwas Entspannung. Am Sonntag lief ihre Unterbringung an Bord einer Fähre an. Wie der staatliche Rundfunk ERT berichtete, wurden mehr als 300 Menschen auf der "Eleftherios Venizelos" einquartiert. Das Schiff soll bis zu 2500 Flüchtlingen für etwa zwei Wochen provisorisch Unterkunft bieten.

Auf Kos entschieden die griechischen Behörden aus Sicherheitsgründen, dass nur Syrer auf das Fährschiff dürfen. Damit soll verhindert werden, dass Streitigkeiten zwischen Flüchtlingen verschiedener Nationalitäten ausbrechen. Am Samstag hatten sich nach Rundfunkberichten etwa 50 Afghanen, Iraker und Pakistaner eine Massenschlägerei vor der Polizeistation von Kos geliefert. Sie hatten dort auf ihre Registrierung gewartet. Das Fußballstadion, in dem die Registrierungen zuletzt vorgenommen worden waren, wurde geschlossen.

Unterdessen spielte sich im Mittelmeer ein neues Flüchtlingsdrama ab: Mindestens 50 Flüchtlinge sind vermutlich im Laderaum eines Fischerbootes erstickt. Mehr als 300 Menschen seien gerettet worden, darunter 45 Frauen und 3 Kinder, teilte Italiens Marine Samstag mit. Das überladene Schiff geriet vor der libyschen Küste südlich der italienischen Insel Lampedusa in Seenot. Die Migranten waren wohl im Laderaum eingeschlossen, wo sie wahrscheinlich an Abgasen erstickten. Bei der Überfahrt von Nordafrika geraten immer wieder schrottreife, mit Flüchtlingen völlig überladene Schiffe in Seenot.

In der mazedonischen Stadt Gevgelija an der Grenze zu Griechenland spielten sich am Wochenende auf andere Weise dramatische Szenen ab. Hunderte Menschen versuchten zum Teil mit Gewalt, einen der wenigen Plätze in den Zügen in Richtung Serbien zu ergattern. Viele drängten verzweifelt über die Fenster in die völlig überfüllten Waggons. Die ohnehin wenigen mazedonischen Polizisten hätten jeden Versuch aufgegeben, die anstürmenden Massen zu kontrollieren oder wenigstens in geordnete Bahnen zu lenken, berichteten Augenzeugen.

"Panik und Entsetzen auf dem Leidensweg", titelte die serbische Zeitung "Nase novine". Mazedonischen Medien und die Politik blendeten das Flüchtlingschaos im eigenen Land weitgehend aus. Spärliche Hilfen boten außer dem Roten Kreuz vor allem private Hilfsorganisationen wie "Legis" an, die in Gevgelija sowie auf dem Grenzbahnhof Tabanovce bei der Ausreise nach Serbien Lunchpakete verteilten. In Mazedonien und Serbien muss sich eigentlich jeder Flüchtling registrieren lassen. Doch die meisten warten auf ihrem Weg nach Westeuropa und vor allem nach Deutschland nicht darauf und reisen ohne Papiere weiter.

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