Gespräch mit Kritikern

Kolumbiens Präsident will Friedensvertrag noch retten

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Um das Abkommen noch zu retten, muss nun nachverhandelt werden. Foto: Christian Escobar Mora

Kolumbiens Präsident Santos will den Frieden nicht verloren geben. Dafür trifft er sich sogar mit seinem Vorgänger Uribe. Die beiden sind sich in herzlicher Abneigung verbunden. Und müssen kooperieren.

Bogotá (dpa) - Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos will den Friedensvertrag mit der linken Guerillaorganisation Farc noch retten. Nach dem Scheitern des Referendums über das Abkommen traf er sich mit den Gegnern der Einigung.

Stundenlang beriet sich der Staatschef mit den Ex-Präsidenten Álvaro Uribe und Andrés Pastrana über deren Kritikpunkte und die Grundlage für Neuverhandlungen mit den Rebellen. "Wir sind dem Frieden sehr nahe", sagte der Staatschef nach den Gesprächen, es bedürfe aber "einer breiteren gesellschaftlichen Zustimmung".

In zahlreichen Städten des Landes forderten die Menschen unterdessen eine rasche Einigung. Unter dem Motto "Abkommen Jetzt" zogen rund 40 000 Demonstranten schweigend und mit Kerzen in den Händen durch die Hauptstadt Bogotá. Auch in Barranquilla, Cali, Cartagena, Quibdó, Bucaramanga, Santa Marta und Manizales gingen die Menschen für den Frieden auf die Straße.

Am Sonntag hatten die Kolumbianer den Friedensvertrag mit den Farc in einem Plebiszit überraschend abgelehnt. Die Gegner kritisierten vor allem die Strafnachlässe für die Guerilleros und die geplante politische Beteiligung der Farc. Um das Abkommen noch zu retten, muss nun nachverhandelt werden. Ob sich die Farc-Führung auf eine Änderung der Eckpunkte einlässt, ist allerdings fraglich.

"Wir müssen unsere Gegnerschaft beiseite legen und uns für das Gemeinwohl zusammentun", sagte Santos nach dem Treffen im Präsidentenpalast. Es war das erste persönliche Treffen mit seinem Amtsvorgänger Uribe seit Jahren. Wegen der Friedensverhandlungen mit den Farc hatten sich die einstigen politischen Weggefährten überworfen. Santos habe sich bereit gezeigt, den Vertragstext zu überarbeiten, sagte Uribe.

In Havanna berieten die Delegationen der Regierung und der Farc über das weitere Vorgehen. "Wir sind zum Frieden bereit und werden künftig nur noch Worte als Waffen zum Aufbau des Friedens nutzen", versprachen die Rebellen mit. "Der Frieden wird triumphieren."

Santos auf Twitter

Farc auf Twitter

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