IS-nahe Agentur bestätigt:

Sprecher des Islamischen Staates in Nordsyrien getötet

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IS-Sprecher Abu Mohammad al-Adnani.

Istanbul - Die IS-Terrormiliz hat in diesem Jahr viele Niederlagen erlitten. Zugleich wurden mehrere ihrer höchsten Anführer getötet. Jetzt kommt der durch Audiobotschaften bekannte Abu Mohammed Al-Adnani ums Leben.

Bei einem US-Luftangriff in Nordsyrien ist einer der höchsten Anführer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nach Angaben der Extremisten getötet worden. IS-Sprecher und Propagandachef Abu Mohammed al-Adnani sei in der Provinz Aleppo als „Märtyrer“ ums Leben gekommen, als er Militäroperationen inspiziert habe, teilte die Terrormiliz am Dienstagabend im Internet mit. Das US-Verteidigungsministerium teilte mit, Kräfte der US-geführten Koalition hätten am Dienstag einen „Präzisionsschlag“ gegen Al-Adnani verübt.

„Wir bewerten noch die Folgen des Angriffs, aber Al-Adnanis Beseitigung vom Schlachtfeld würde einen weiteren erheblichen Schlag gegen Isil bedeuten“, sagte demnach Pentagon-Sprecher Peter Cook, der die bei der US-Regierung übliche Bezeichnung für den IS benutzte.

Die Echtheit der IS-Mitteilung ließ sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Sie wurde aber über die üblichen Kanäle verbreitet. Auch das IS-Sprachrohr Amak berichtete über Al-Adnanis Tod, machte aber keine Angaben darüber, wie er ums Leben kam. In der Provinz Aleppo kämpfen die Extremisten gegen syrische Rebellen und gegen Kurden. Die USA und Russland fliegen Luftangriffe auf die Terrormiliz.

Al-Adnani gehörte zu den berüchtigtsten Namen der Dschihadisten. Bekannt wurde er durch Audiobotschaften im Internet, in denen er den Gegnern des IS mit Angriffen drohte. Al-Adnani war es auch, der im Sommer 2014 in einer Audiobotschaft das „Kalifat“ des Islamischen Staates ausrief und den IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi zum „Kalifen“ erklärte. Einem Bericht der „New York Times“ zufolge war er zuletzt auch für Operationen außerhalb des IS-Gebietes verantwortlich.

Sympathisanten des IS forderte er zu Attentaten als „einsame Wölfe“ auf. Im vergangenen Mai rief der IS-Sprecher die Anhänger der Dschihadisten zu Anschlägen im Westen während des Fastenmonats Ramadan auf. „Macht diesen Monat mit Gottes Willen zu einem Monat der Leiden für die Ungläubigen überall“, erklärte Al-Adnani in einer über das Internet verbreiteten Audiobotschaft.

Die USA hatten ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar (etwa 4,5 Millionen Euro) auf der Iraker ausgesetzt. Über Al-Adnanis Alter gibt es unterschiedliche Angaben. Der IS-Sprecher soll Ende der 1970er Jahre in Syrien geboren worden sein. Bereits nach dem Sturz des irakischen Langzeitherrschers Saddam Hussein im Jahr 2003 kämpfte er gegen die US-Soldaten im Land.

Nach einer „Reise voller Opfer und des Widerstands gegen den Unglauben“ sei „der heldenhafte Ritter Abu Mohammed al-Adnani abgestiegen, um sich der Karawane der Märtyrer anzuschließen“, hieß es in der IS-Erklärung. Gleichzeitig drohten die Extremisten dem Westen mit neuen Anschlägen. Es sei eine IS-Generation herangewachsen, die den Tod mehr liebe als das Leben. Der „Tod der Scheichs“ werde ihre Entschlossenheit nur steigern, auf dem „Pfad des Dschihads“ zu gehen und Rache zu nehmen.

Die sunnitischen Extremisten hatten in den vergangenen Monaten bereits mehrere Anführer verloren. US-Verteidigungsminister Ashton Carter erklärte Ende März, der IS-Vize und -Finanzchef Abdul Rahman Mustafa al-Kaduli sei bei einer Militäroperation getötet worden. Der unter seinem Kampfnamen „Omar der Tschetschene“ bekannte Tarkan Batiraschwili wurde rund 120 Kilometer südlich der nordirakischen Stadt Mossul getötet, wie Amak im Juli mitteilte.

dpa

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